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Slowakei : Grünes Licht für Euro beschert der Krone ein neues Hoch

  • Aktualisiert am

Auch wenn die Wahlbürger zittern: Der Euro kommt wohl in die Slowakei Bild: dpa

Trotz heftiger Bedenken der EZB hat die EU-Kommission grünes Licht für die Euro-Einführung in der Slowakei gegeben. Die Krone steigt auf ein neues Hoch, während die Anleihenkurse die Einführung mit leichten Bedenken längst vorweg genommen haben.

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          Die EU-Kommission hat dem Euro-Kandidaten Slowakei am Mittwoch grünes Licht für die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung gegeben. Die slowakische Krone bedankte sich dafür mit einem neuen Höchststand von 32,063 Kronen für den Euro.

          Das frühere Ostblockland erfülle die Maastrichter Beitrittskriterien und habe Schulden sowie Inflation unter Kontrolle, teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Die EU-Finanzminister müssen der Beitritts-Empfehlung im Juni noch zustimmen. Allerdings, so räumte die Kommission ein, müsse das Land die Inflation weiter niedrig halten, mehr Ehrgeiz bei der Haushaltskonsolidierung an den Tag legen und seine Wettbewerbsposition stärken.

          EZB kritischer als Kommission

          Das sieht auch die Europäische Zentralbank so. Indes schätzt sie die Euro-Reife des Landes darob erheblich kritischer ein. Sie äußerte noch erhebliche Bedenken, da sie ein Anziehen der Inflation befürchtet. Zwar lag die Inflationsrate mit zuletzt 2,2 Prozent deutlich unter dem aktuellen Referenzwert von 3,2 Prozent.

          Doch sei die Inflation in den vergangenen Jahren durch die Aufwertung der Slowakischen Krone erheblich gedämpft worden. Immer wertete diese in den vergangenen 22 Monaten um rund 21 Prozent gegenüber dem Euro auf. Dieser Effekt werde jedoch bei einer Währungsumstellung wegfallen.

          Zudem sei der Arbeitsmarkt sehr eng und es gebe bereits Engpässe. In einigen Wirtschaftsbereichen bestünde daher die Gefahr von beschleunigten Lohnsteigerungen. Der jüngste Anstieg der Energiepreise sei noch nicht voll auf die Verbraucherpreise durchgeschlagen, der Aufholprozess berge zusätzliche Inflationsgefahren.

          Bevölkerung in Sorge

          Der mit 5,4 Millionen Einwohnern kleine europäischen Staat wies für das vergangene Jahr ein Wirtschaftswachstum von 10,4 Prozent aus. Vor allem die exportorientierte Auto- und Elektroindustrie hat das Wachstum angetrieben. Das zeigt sich zwar bei einer Arbeitslosenquote von zuletzt 9,8 Prozent noch nicht an den Arbeitsmarktdaten, schlägt sich indes im Staatshaushalt nieder.

          Das Haushaltsdefizit liegt mit 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwar unter dem Referenzwert von 3,0 Prozent, ebenso wie das Staatsdefizit mit 29,4 Prozent noch deutlicher unter dem entsprechenden Referenzwert von 60 Prozent. Die slowakische Regierung betreibe eine „wenig ambitionierte“ Sparpolitik.

          Das Echo innerhalb des Landes ist geteilt. In der Bevölkerung wächst die Sorge. 56 Prozent erwarteten zuletzt mehr Nachteile als Vorteile für sich persönlich. Im November 2007 waren es lediglich 40 Prozent. Vor allem ältere und schlechter verdienende Slowaken bekennen hingegen in Umfragen rasch wachsende Ängste vor Nachteilen durch die Euro-Einführung.

          Slowakische Zentralbank sieht kein Inflationsproblem

          Der Gouverneur der slowakischen Notenbank, Ivan Sramko, bemüht sich dagegen im Gespräch mit der FAZ, die Befrüchtungen zu zerstreuen. Von der heimischen Entwicklung gingen keine Inflationsimpulse aus, auch ein weiterer Preisschub nach der Euro-Einführung sei wenig wahrscheinlich, da der beschleunigte Konvergenzprozess bereits während der vergangenen Jahre schon zu einer deutlichen Angleichung der Preise für Dienstleistungen und Verbraucherprodukte an den Euro-Raum geführt habe. Auch habe die Aufwertung der Krone nur eine marginale Rolle beim Rückgang der Inflationsrate gespielt. Vielmehr sei sie Ausdruck der viel robusteren Wirtschaftsentwicklung.

          Auch im Haushaltsdefizit sieht Sramko kein großes Problem, obwohl er dies selbst noch unlängst kritisiert hat. Die Haushaltspolitik der Regierung habe zu der allgemein erfreulichen Entwicklung des Landes beigetragen. Dagegen vermisst der Gouverneur weitergehende Reformen vor allem im Gesundheits- und Erziehungsbereich.

          Schwächen in der Sozialpolitik

          Die Sozialpolitik könnte sich ohnehin als wunder Punkt erweisen. So kostet allein die Rentenreform etwa 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, ohne dass das Land nachhaltig auf den demographischen Wandel vorbereitet wäre.

          Zudem soll ein Fonds geschaffen werden, um für sozial Schwache die Auswirkungen der Euro- Einführung abfedern zu können. Wie dieser Fonds konkret funktionieren soll, ist allerdings noch nicht festgelegt.

          Die Tatsache, dass die Kommission ohne weiteres grünes Licht für die Einführung gab, überrascht letztlich doch ein wenig, hatte sie doch noch vor rund zehn Tagen dem Land einen deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise prognostiziert und erwartet in ihrer Frühjahrsprognose für 2008 eine Jahresteuerung von 3,8 Prozent und für 2009 von 3,2 Prozent, was über dem Referenzwert läge.

          Anleihen mit leichten Aufschlägen

          Doch Politik ist eben Politik. Denn nach ihrer Frühjahrsprognose geriet die Kommission unter Druck, es doch nicht allzu genau zu nehmen. Schon 2006 hatte sie Litauen aufgrund einer leicht überhöhten Inflationsrate den ursprünglich für 2007 geplanten Beitritt zum Euroraum verweigert. Wie sich später herausstellte mit gutem Grund, gingen die Inflationsraten in dem baltischen Staat danach auch ohne Euro weiter nach oben.

          Die formelle Entscheidung, die Slowakei in die Eurozone aufzunehmen, treffen dann die EU-Finanzminister voraussichtlich im Juli. Dann legen sie auch den Umrechnungskurs für die slowakische Krone fest. Folgt man den Devisenmärkten, so dürfte sich dieser irgendwo im Bereich von 32 bis 33 Kronen befinden.

          Größere Aufwertungen sind bis Juli angesichts des bevorstehenden Endes der Währung auch nicht mehr zu erwarten. Anleihen in Kronen rentieren je nach Laufzeit derzeit zwischen 4,44 und 4,75 Prozent und damit leicht über den Euro-Anleihen, ebenso noch leicht über griechischen Papieren, die wie die slowakischen die Bonitätsnote „A1“ tragen. Leichte Kursgewinne sind daher nicht auszuschließen.

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