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Das Greenspan´sche Rätsel : Sinkende Anleiherenditen trotz steigender Leitzinsen

Die amerikanischen Fed-Bank: Die aktuelle Zinserhöhung ist keine Ausnahme. Bild: Reuters

Nach der Zinserhöhung der Fed geben die Anleiherenditen im Dollar-Einzugsgebiet nach. Das ist scheinbar paradox, aber ein vertrautes Phänomen, über das sich schon Alan Greenspan wunderte.

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          Die amerikanische Notenbank hat, wie am Markt erwartet, ihren kurzfristigen Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht. „Der Zinsschritt stellt keine Überraschung dar“, kommentierte Michael Heise, der Chefvolkswirt der Allianz. Doch gleichzeitig fiel die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen von 2,60 auf 2,49 Prozent, und kurz darauf schlossen sich die Renditen aus Anleihen zahlreicher Schwellenländer sowie aus Neuseeland und Australien der Abwärtsbewegung an.

          Am kurzen Laufzeitende geht es hinauf, am langen Laufzeitende geht es hinunter: Auf den ersten Blick wirkt diese Entwicklung paradox. Tatsächlich handelt es sich um ein häufiger beobachtetes und nicht notwendig nur kurzlebiges Phänomen. Daher wird vor allem in der angelsächsischen Finanzwelt derzeit heftig diskutiert, ob sich daraus ein Trend entwickeln wird. Denn nach den aktuellen Vorstellungen der amerikanischen Notenbank könnte der kurzfristige Leitzins in diesem Jahr noch zweimal und im kommenden Jahr drei weitere Male um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht werden. Ist es denkbar, dass in diesem Zeitraum die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen von ihrem gegenwärtigen Stand von 2,50 Prozent nicht mit dem Leitzins steigen, sondern im Gegenteil sogar fallen wird?

          Es ist nicht zwingend, aber auch nicht völlig unmöglich, denn langfristige Anleiherenditen folgen nicht sklavisch den Bewegungen des kurzfristigen Leitzinses, sondern führen häufig ein ausgeprägtes Eigenleben. Eine überaus bemerkenswerte Episode hat sich im vergangenen Jahrzehnt in den Vereinigten Staaten ereignet. In die jüngere Finanzgeschichte ist sie unter dem Titel „Greenspans Rätsel“ eingegangen, weil sogar der damalige Vorsitzende der Fed von dieser Entwicklung überrascht wurde.

          Siebzehn Leitzinserhöhungen in rund zwei Jahren

          Die Fed hatte Mitte des Jahres 2004, von einem Leitzins von 1 Prozent ausgehend, mit Zinserhöhungen begonnen. Das war jene Zeit, in der zwar die Inflationsrate niedrig war, die amerikanische Wirtschaft aber gut lief und die Häuserpreise stiegen. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise wenige Jahre später ist der Fed häufig der Vorwurf gemacht worden, sie habe damals den Leitzins zu spät und zu langsam erhöht. Tatsächlich erhöhte die Fed ihren Leitzins von Mitte 2004 an häufig, denn zwei Jahre später lag er bei – heute kaum vorstellbaren – 5,25 Prozent. Siebzehn Leitzinserhöhungen in rund zwei Jahren sprechen nicht für ein langsames, sondern für ein flottes Vorgehen der Fed.

          Wenn trotzdem der Eindruck entstand, die Zinsen hätten damals höher sein sollen, so mag dies auf der Entwicklung der Renditen zehnjähriger Anleihen in diesem Zeitraum beruhen. Denn anders als in naiven Lehrbuchmodellen waren die langfristigen Anleiherenditen nicht parallel mit den kurzfristigen Leitzinsen gestiegen, sondern hatten in einem engen Band zwischen 4 und gut 5 Prozent geschwankt. Nach Beginn der Leitzinserhöhungen im Sommer 2004 waren die Renditen der Anleihen sogar zunächst einmal gesunken. In einer Anhörung vor dem Kongress im Februar 2005 hatte Greenspan seinerzeit von einem Rätsel gesprochen, für das er keine überzeugende Antwort finden könne: „Diese Entwicklung steht im Widerspruch zur geläufigen Erfahrung, die nahelegt, dass ohne sonstige Einflüsse steigende kurzfristige Zinsen von steigenden Anleiherenditen begleitet werden.“

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