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Nach der Zinserhöhung : Die Zeiten für Anleihen werden schwerer

Bild: dpa

Die Zinserhöhung der Fed könnte der Beginn eines Erhöhungszyklus sein. Historisch hat dies auch die Anleihenmärkte bisher wenig beeindruckt. Diesmal aber drohen harte Zeiten.

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          Die amerikanische Notenbank hat zum ersten Mal seit rund neun Jahren die Zinsen erhöht – auf nunmehr 0,25 bis 0,5 Prozent. Selten wurde auf eine Zinsentscheidung solange hin gefiebert wie auf diese, läutet sie doch womöglich das Ende einer Ära beispielloser Niedrigzinsen ein. Grundsätzlich ist es die Intention der amerikanischen Notenbank, die außergewöhnliche Phase einer Nullzinspolitik zu beenden und zu normalen Verhältnissen zurückzukehren, in denen Liquidität mehr als eine Handvoll Dollar kostet.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Frage gestellt wird aber mitunter, ob dies gelingen kann. Verwiesen wird unter anderem auf die Erfahrungen der Bank of Japan, die seit 1996 den Leitzins nicht mehr auf mehr als 0,5 Prozent erhöhen konnte, trotz zaghafter Versuche in den Jahren 2000 und 2007. In beiden Fällen fiel die Zinserhöhung mit der letzten Phase eines Booms zusammen. Beide Male zwang die wirtschaftliche Entwicklung die japanische Notenbank ihre Zinserhöhungspolitik abzubrechen. Die Federal Reserve betrete geldpolitisches Neuland, konstatiert Martin Hochstein, Stratege für den Rentenbereich bei der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors.

          Erwartungen spielen eine große Rolle

          Geht man von einem Gelingen der Zinswende aus, stellt sich die Frage, was diese mittelfristig auf den Kapital- und Zinsmärkten bewirkt. Früher pflegte man sehr mechanistisch zu argumentieren: Eine Zinserhöhung mache Aktien und Alt-Anleihen weniger attraktiv, wirke sich also negativ auf die Erträge aus. Die Erträge riskanterer Anlagen wie Aktien sollten sinken, die Renditen kurzlaufender Anleihen stärker steigen als die langlaufender, weil diese zum einen schneller reagierten und weil langfristige Anleihen als Vorboten der kommenden Konjunkturabkühlung (die Notenbank erhöht ja die Zinsen!) attraktiver seien.

          Dies lässt sich jedoch empirisch so nicht bestätigen. Hochstein legt in einer Studie Wert darauf zu unterscheiden, ob ein Zinserhöhungszyklus die Märkte überraschte oder ob diese darauf vorbereitet waren. Während diese sich im letzteren Fall wenig beeindruckt zeigten, kam es nur im Zuge des weniger gut kommunizierten Zinserhöhungszyklus‘ Mitte der Neunziger Jahre zu den theoretisch erwarteten Veränderungen.

          Lang erwarteter Schritt

          Nun kann aber just die Zinserhöhung vom Mittwoch als eine der am besten kommunizierten Beginne eines Zinserhöhungszyklus gelten. Insofern kann es nicht überraschen, dass es an den Märkten so ruhig geblieben ist.

          Denn die Vorbereitungszeit auf diese Zinserhöhung war extrem lang. Schon Ben Bernanke, Janet Yellens Vorgänger als Gouverneur der Fed hatte eine „baldige geldpolitische Wende“ angekündigt – und Bernanke ist seit fast zwei Jahren nicht mehr im Amt.

          Seitdem hat die bevorstehende Zinswende mehr oder weniger das Geschehen an den Finanzmärkten bestimmt. Als seinerzeit die erste Ankündigung kam, verdoppelte sich die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen binnen weniger Wochen. Im Jahr 2014 schien eine Zinserhöhung dann weniger wahrscheinlich. Die Rendite sank wieder, nur um in diesem Jahr zunächst wieder anzusteigen, dann angesichts der Konjunktursorgen um China wieder nachzugeben, weil eine Zinserhöhung plötzlich nicht mehr so wahrscheinlich schien. Zuletzt verfestigte sich die Rendite der zehnjährigen Anleihe im Bereich von 2,2 Prozent.

          Die Aktienmärkte reagierten später, weil sie kurzfristiger agieren. Indes verlangsamte sich der Anstieg des breiten amerikanischen S&P-500-Index in diesem Jahr und kam im Mai ganz zum Stehen, bevor er wegen der China-Probleme im August vorübergehend einknickte.

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