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Schwellenländer : Risiken werden geringer geschätzt

Bild: F.A.Z.

Die Preise für Kreditversicherungen auf Schwellenländer-Anleihen sinken. Mittlerweile sind sie billiger als für manche amerikanische Bundesstaaten. Doch das Bild ist differenzierter als man meinen mag.

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          Es sieht so aus, als ob die Finanzkrise derzeit als Betriebsunfall ad acta gelegt wird. Nicht nur die Kurse der Schwellenländer-Aktien sind enorm gestiegen (vgl. ), auch die Risikoaufschläge für Kreditversicherungen sind drastisch gefallen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und wie es aussieht, gehen die Anleger diesmal den ganzen Weg. Die jährlichen Kosten, um Positionen in slowakischen Anleihen zu schützen, sind für einen Betrag von 10 Millionen Dollar auf 61.000 Dollar oder 61 Basispunkte gesunken. Für italienische Anlehen werden dagegen derzeit 67.000 Dollar bezahlt, für österreichische 64.000 Dollar.

          Lieber Indonesien als Kalifornien

          Die Preise sinken, da vielfach davon ausgegangen wird, dass sich die Volkswirtschaften der Schwellenländer rascher erholen als die der entwickelten Länder. Außerdem haben die Vereinigten Staaten und Großbritannien Rekordsummen an Kapital aufgenommen, um Banken zu retten und der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Hingegen verfügen Russland, Indien und China über hohe Währungsreserven.

          Am drastischsten fällt der Vergleich zu amerikanischen Kommunalanleihen aus. 210.000 werden für den Schutz von Bonds aus Michigan und 200.000 für Papiere von New York bezahlt. Die Preise für deren Absicherungen haben sich in den letzten zwölf Monaten mehr als verdreifacht. Das ist etwa soviel wie für türkische und indonesische Papiere. Gar 280.000 Dollar kostet der Schutz kalifornischer Renten - 300.000 Dollar werden für den Schutz von Anleihen des kriegsverheerten Libanon verlangt.

          Billiger als vor der Finanzkrise

          Für einige Staaten werden gar Preise bezahlt, die unter dem längerfristigen Mittelwert der vor der Finanzkrise liegen. Spitzenreiter ist Brasilien, wo die Preise auf weniger als zwei Drittel dieses Mittelwerts gefallen sind. Aber auch kolumbianische und peruanische Papiere gelten nach diesen Zahlen als vergleichsweise sicher.

          Doch das Bild zeigt neben Unschärfen auch eine gewisse Differenzierung. So notieren die Absicherungen libanesischer Anleihen aktuell deutlich unter dem langfristigen Mittel. Tatsächlich zeigt sich darin lediglich die derzeit als gering eingeschätzte Kriegsgefahr, die in der Vergangenheit die Spreads immer wieder für längere Zeit auf exorbitante Höhen trieb. Gemessen am absoluten Niveau rangiert der Libanon aber immer noch auf Platz 52 hinter Staaten wie Kasachstan, Island, der Ukraine, Venezuela, Argentinien oder Ecuador.

          Auch für die Absicherungen der Anleihen aus Staaten, die auf die Nothilfe des IWF angewiesen waren oder sind wie Ungarn oder Rumänien werden deutlich höhere Aufschläge verlangt. Und Irland befindet sich in der nachbraschaft von Kolumbien, Südafrika und Panama.

          Russland und China nicht ohne Risikomalus

          Auch die Einschätzung Russlands und Chinas zeigt durchaus, dass gewisse Risiken gesehen werden. Gegenüber den Höchstständen sind die Preise um mehr als drei Viertel gefallen. Doch gegenüber dem längerfristigen Mittel vor der Finanzkrise sind die Preise für russische Absicherungen immer noch fast dreimal und für chinesische noch 2,3mal höher. Immerhin sind beide Staaten mit einem Anteil der Ausfuhren am Bruttoinlandsprodukt von rund 28 bzw. 33 Prozent stark exportabhängig. Der Außenbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt betrug in beiden Staaten 2008 8,9 Prozent, in Deutschland lediglich 6,3 Prozent. Russland ist zudem völlig von der Ausfuhr von Energieträgern abhängig, die fast zwei Drittel des Exports ausmachen. Dagegen liegt der Anteil des Binnenkonsums in beiden Ländern unter 50 Prozent.

          „Die Spreads sind gesunken, weil die Anleger sich sehr viel weniger Sorgen um einen Zahlungsausfall machen“, sagt Paul McNamara, Fondsmanager bei Augustus. Rückläufig sind auch die Risikoprämien für Anleihen der Schwellenländer gegenüber amerikanischen Schatzanweisungen. Sie sind von 6,95 Prozentpunkten im März auf ein Jahrestief von 3,41 Prozentpunkten in dieser Woche gefallen. „Der Trend niedriger Spreads bei Staatsanleihen wird anhalten“, erwartet Richard House, Fondsmanager bei Threadneedle Asset Management.

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