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Schwellenländer : Ecuador sorgt für Zweifel am Schuldendienst

  • Aktualisiert am

Ecuadors Präsident Raffael Correa sorgt immer wieder für Unsicherheit Bild: REUTERS

Die Staatsanleihen Ecuadors sind unter Druck geraten. Der Grund dafür sind Medienberichte, nach welchen eine Kommission zur Überprüfung der Auslandsverbindlichkeiten des Landes die Schulden für „illegitim“ erklärt hat.

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          Schwellenländeranleihen waren in den vergangenen Jahren des kreditgetriebenen Booms vor der jüngsten Krise beliebt bei internationalen Anlegern. Denn sie warfen längere Zeit überdurchschnittliche Renditen ab, die sich aus hohen Kupons und aufwertenden Währungen ergaben.

          Allerdings haben sich die Verhältnisse inzwischen verändert. Denn nun neigen selbst die in der Vergangenheit gut gelaufenen Währungen zu Gegenbewegungen und sorgen auf diese Weise bei ausländischen Anlegern für Kursverluste. Dazu kommen nicht selten inflationäre Probleme und allerhand Risiken, die in den Zeiten des allgemeinen Optimismus einfach verdrängt worden waren.

          Werden Zahlungen für Anleihen eingestellt?

          Sie zeigen sich sowohl an den Verstaatlichungen von Unternehmen in Venezuela, den geopolitischen Risiken, die neuerdings wieder von Russland ausgehen und inzwischen auch in einer obskuren Haltung der ecuadorianischen Regierung zu Zahlungsverpflichtungen, die ihr aus ausgegeben Anleihen erwachsen. So sind die Staatsanleihen Ecuadors am Montag deutlich unter Druck geraten. Grund dafür waren Medienberichte, nach denen eine Kommission zur Überprüfung der Auslandsverbindlichkeiten des Landes zum Schluss gekommen war, die Regierung müsse Schulden möglicherweise nicht länger bedienen, da sie „illegitim“ seien.

          Bild: F.A.Z.

          Die Rendite des 2030 fälligen Benchmarkpapiers mit einem Kupon von zehn Prozent schnellte 0,61 Prozentpunkte auf 11,65 Prozent in die Höhe, der Kurs rutschte 4,5 Cent auf 87 Cent je Dollar Nominalwert ab.

          Staatsminister Ricardo Patino sagte, die Gläubiger müssten die Entscheidung der Regierung, die Zahlungen für Anleihen einzustellen, akzeptieren „auch wenn ihnen dies nicht gefiele“, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

          „Der Markt hat vor allem das Mantra im Blick, nach dem die Regierung wiederholt betonte, sie werde illegitime Verbindlichkeiten nicht bedienen“, sagte Gianfranco Bertozzi, Volkswirt bei Lehman Brothers. „Der Tonfall hinsichtlich der künftigen Zahlungen war aber nicht unerwartet aggressiv.“ Auch Präsident Rafael Correa hatte seit seinem Amtsantritt vergangenes Jahr am Anleihemarkt wiederholt für Verunsicherung gesorgt, indem er die Aussetzung des Schuldendienstes androhte. Die von ihm eingesetzte Untersuchungskommission wird nach Informationen von Reuters ihre Empfehlungen nächsten Monat vorlegen.

          Zweideutige Haltung der Regierung

          Das am Markt wahrgenommene Risiko für ecuadorianische Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit 29. Juli. Auf den Anleihen des Landes basierende Kreditausfall-Swaps legten zehn Basispunkte zu auf 7,10 Prozentpunkte, zeigen Daten von CMA Datavision. Dies bedeutet, dass es 710.000 Dollar kostet, nominal 10 Millionen Dollar an ecuadorianischen Anleihen gegen einen Zahlungsausfall zu versichern. Der Renditeaufschlag, den Investoren gegenüber amerikanischen Staatsanleihen verlangen, weitete sich gemessen am EMBI-Plus-Index von JPMorgan um zehn Basispunkte auf 6,97 Prozentpunkte aus.

          „Die Regierung nimmt weiter eine sehr zweideutige Haltung dazu ein, ob sie ihre Auslandsschulden weiter bedienen will. Sie hat sich in dieser Angelegenheit wiederholt subjektiver und dogmatischer Formulierungen bedient“, schrieb Alberto Ramos, Ökonom bei Goldman Sachs Group in New York.

          Bertozzi bezeichnete die Reaktion des Marktes jedoch als übertrieben. Zum aktuellen Kurs stellten die Anleihen eine Kaufgelegenheit dar, sagte er, das Risiko eines Zahlungsausfalls in diesem Jahr sei gering. Insgesamt lag die Rendite von Anleihen aus Schwellenländern am Montag 3,02 Prozentpunkte über der von amerikanischen Schatzanweisungen. Damit war der Spread zwei Basispunkte höher als am Freitag.

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