https://www.faz.net/-gv6-15y4a

Schwellenländer : Bringt euer Geld nach Asien!

Auch wenn Chinas Wirtschaft derzeit als heißgelaufen gilt - sein Geld im Land der Mitte anzulegen kann rentabel sein Bild: AFP

In Europa und Amerika sind die Renditen derzeit mickrig. Ein Glück für Anleger, dass seit ein paar Monaten Anleihen in Schwellenländern immer mehr in Mode kommen. Denn gerade in Fernost wird es immer einfacher, sein Geld anzulegen.

          3 Min.

          Die Zeiten sind hart für alle, die ihr Geld arbeiten lassen wollen. Da mag das Geld noch so gut angelegt sein - zu holen gibt es derzeit kaum etwas. Wo man auch hinsieht: die Renditen sind mickrig. Kein Wunder, denn die Notenbanken in den Industrieländern haben der Wirtschaft massenhaft Geld bereitgestellt, um sie in den schwierigen Zeiten zu stützen. Doch mit dem arbeitenden Geld ist es wie mit den arbeitenden Menschen: Wenn es viele davon gibt, kann man nur einen geringen Lohn verlangen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So sehen denn auch die Renditen aus: Auf dem Tagesgeldkonto sind durchschnittlich nur 1,2 Prozent Zinsen zu holen. Der Bundesschatzbrief bringt auch nur mickrige 2,45 Prozent Rendite, ja selbst wer sein Geld für zehn Jahre dem deutschen Staat anvertraut, bekommt nur 3,1 Prozent. Anleger, die ihr Geld in Aktien stecken, können zwar auf höhere Renditen hoffen - dass die aber tatsächlich bei ihnen ankommen, ist längst nicht sicher. Schließlich hat das viele Geld auf den Märkten längst auch die Aktienkurse bereits wieder in Höhen getrieben, die so mancher für übertrieben hält.

          Die alte Risikoeinschätzung gilt nicht mehr

          Doch in einem Punkt hat es Geld leicht: Es kann sehr schnell auswandern, und zwar dorthin, wo es noch Rendite gibt: in die Schwellenländer. Die gelten unter Experten inzwischen als nicht mehr besonders riskant. Denn erstens hat sich herausgestellt, dass sich die meisten aufstrebenden Länder auch nach der weltweiten Rezession schnell erholt hatten. Zweitens ist so mancher Industriestaat selbst inzwischen ein ziemlich riskanter Platz fürs Geld geworden.

          „Die alte Risikoeinschätzung gilt nicht mehr. Viele Schwellenländer stehen heute besser da als so manches Industrieland“, sagt deshalb Maria Laura Lanzeni, Chefin der Schwellenländer-Volkswirte in der Deutschen Bank. Trotzdem gebe es dort noch viel Entwicklungspotential. Die Staaten könnten ihre Bildung verbessern, es gebe noch viel zu investieren und auch das Bevölkerungswachstum verspreche eine tolle Wirtschaftsentwicklung. Denn mehr Menschen bedeuten mehr Arbeitskräfte und Konsumenten. „Die dynamischste Region bleibt Asien.“

          Dort kann das Geld sehr produktiv arbeiten: Anleger verdienen in aufstrebenden Staaten typischerweise nicht nur durch Zinsen und Kursgewinne. Sondern schon allein dadurch, dass die Landeswährung aufwertet, also immer wertvoller wird - und mit ihr der Wert von Aktien und Anleihen, die in dieser Währung gehandelt werden. Selbst China, das seine Währung seit Mitte 2008 wieder fest an den Dollar gekoppelt hat, werde diese Politik über kurz oder lang wieder aufgeben, glauben die meisten. Dann wird auch dessen Währung aufwerten, so wie vor der Kopplung.

          China ist mit Vorsicht zu genießen

          Chinas Wirtschaft allerdings hat so ihre Probleme. Sie gilt vielen bereits als heißgelaufen. Selbst die Regierung und die Notenbank mühen sich derzeit, das Wachstum und die Inflation im Land zu bremsen. Zudem sind Häuser und Wohnungen in einigen Städten bereits exorbitant teuer. Das weckt Erinnerungen an die Immobilienkrise der Vereinigten Staaten. „Es ist schwer abzusehen, ob und wann die Preise sich korrigieren“, sagt Deutsche-Bank-Volkswirtin Lanzeni.

          Donald Gervais stört das nicht. Er leitet bei der Investmentbank Goldman Sachs das Analystenteam, das Aktien nach wirtschaftlichen Kriterien bewertet. Er glaubt, dass auch der chinesische Aktienmarkt noch eine tolle Zukunft vor sich hat. „Vor allem die Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sind jetzt attraktiv für Investoren. Sie sind der Wachstumsmotor der Welt.“ Immerhin könne sich China als eines von wenigen Ländern überhaupt eine Zinserhöhung leisten: „Die Firmen sind sehr gesund. Sie haben ihre Produktivität gesteigert, nicht aber ihre Verschuldung.“ Im Verhältnis zum Gewinn seien chinesische Aktien auch nicht teurer als europäische.

          Das allerdings beruhigt niemanden, der schon europäische Aktien teuer findet. Der Vermögensverwalter Bert Flossbach ist chinesischen Aktien gegenüber sogar grundsätzlich skeptisch: „Die steigern ihre Gewinne nicht immer mit dem Wirtschaftswachstum“, sagt er. Seine Lieblingsalternative sind Firmen der Industrieländer, und zwar aus der Luxusgüter-Branche. Außerdem setzt er auf Rohstoffe, die vom Aufschwung in Asien profitieren. Doch auch deren Preise sind zuletzt recht teuer geworden.

          Wo die Nachfrage steigt, steigt auch der Kurs

          Ein Glück für Anleger, dass seit ein paar Monaten Schwellenländer-Anleihen immer mehr in Mode kommen. Zunehmend kommen sie auch als Euro-Anleihen auf den Markt. Nachdem die Ratingagenturen diese Anleihen als immer sicherer einschätzen, interessieren sich immer mehr Fondsmanager aus Europa für diese Wertpapiere und nehmen sie in ihre Portfolios. Auf diese Weise kommt ein Markt in Gang, den auch Privatanleger nutzen können - wenn auch bislang hauptsächlich über Fonds.

          „Dieser Trend wird nicht so schnell enden“, glaubt Rentenfonds-Manager Simon Lue-Fong von der Schweizer Bank Pictet. Denn amerikanische Pensionsfonds hätten die Schwellenländer-Anleihen noch nicht entdeckt. Das dürfte aber bald der Fall sein. Und wo die Nachfrage steigt, steigt auch der Kurs.

          Bislang sind Schwellenländer-Anleihen aber noch erschwinglich. Die meisten bringen rund sechs Prozent Rendite. Lue-Fong mag vor allem brasilianische und mexikanische Anleihen. Auch dort könnten die Notenbanken zwar demnächst die Zinsen erhöhen, doch das sei in den Preisen schon weitgehend berücksichtigt.

          Trotz allem ist der Handel noch schwierig. Gute Indexfonds (ETF) gibt es bislang nicht. Zwar bietet die Deutsche-Bank-Tochter x-trackers einen Indexfonds mit Schwellenländer-Anleihen, doch der bündelt nur Papiere in Euro. Damit aber können Anleger nicht von einer Aufwertung der Währungen profitieren. Wer das will, muss auf herkömmliche Fonds setzen. Viele davon meiden aber chinesische oder indische Anleihen. Der Pictet-Fonds versucht immerhin, sie über Derivate abzudecken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Amazon-Chef Jeff Bezos Mitte Januar bei einem Firmenevent im indischen Neu Delhi.

          Smartphone des Amazon-Gründers : Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos gehackt?

          Einem Bericht zufolge soll der Amazon-Chef von Muhammad Bin Salmans persönlichem Konto eine infizierte Whatsapp-Nachricht bekommen haben. Das wirft Fragen auf, ob es einen Zusammenhang zum ermordeten Dissidenten Jamal Khashoggi gibt. Und zu einem Boulevardskandal um Bezos.

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.