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Schwellenländer-Anleihen : Argentinien warnt Anleger vor Totalverlust

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Entwicklung der bis 2008 laufenden argentinischen Euro-Staatsanleihe. Bild:

Der Psychokrieg zwischen Argentinien und seinen Gläubigern geht weiter. Doch während das Land wieder einmal von der Option eines Totalverlusts warnt, wollen die betroffenen Anleger noch immer nicht klein beigeben.

          Deutsche Argentinien-Anleihebesitzer wollen sich von der Drohung der argentinischen Regierung vor einem Totalverlust nicht beeindrucken lassen. „Argentinien will eine kalte Enteignung gnadenlos durchziehen“, sagte Stefan Engelsberger von der Interessengemeinschaft Argentinien (IG) am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Das Land sei aber nicht zahlungsunfähig, sondern nur zahlungsunwillig.

          Wer das Geld nicht sofort brauche, solle abwarten und nicht das derzeitige Umschuldungsangebot Argentiniens annehmen. Auch Wolfgang Gerke, Professor für für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, sieht keinen Grund zur Eile für noch investierte Anleger. Diese sollten zumindest bis zum Auslaufen der Fristen abwarten, ob das Angebot noch einmal aufgestockt wird.

          Argentinien übt sich weiter im Psycho-Krieg

          Argentiniens Wirtschaftsminister Roberto Lavagna hatte Gegner des Umschuldungsangebots laut Medienberichten vor dem völligen Verlust ihres Kapitals gewarnt. Die alten Bonds, die seit fast drei Jahren nicht mehr bedient werden, könnten nach einer erfolgreichen Umschuldung wertlos werden.

          Die Umtauschaktion soll Ende November zunächst in Argentinien beginnen. Wer das Angebot akzeptiert, verzichtet auf 75 Prozent seiner Ansprüche. Private Gläubiger machen Bonds und Zinsen im Gesamtwert von etwa 100 Milliarden Dollar gegenüber dem südamerikanischen Land geltend.

          Jeder, der in Hochzins-Auslandsanleihen investiere, wisse, daß auch das Risiko höher sei als zum Beispiel bei einer deutschen Bundesanleihe, betonte Gerke. „Das Ergebnis werden sicher nicht alle erwartet haben, aber es ist ja nicht die erste Krise in Argentinien.“

          Hoffen auf Regierungswechsel

          Für Privatanleger sei es wahrscheinlich am besten, am Ende das anzunehmen, was ihnen angeboten werde. Es sei aber nicht ausgeschlossen, daß das Angebot noch einmal erhöht werde. Daher sollten die Fristen durchaus ausgereizt werden.

          Die IG, die nach eigenen Angaben 209 deutsche Anleger mit Ansprüchen im dreistelligen Millionenbereich vertritt, sieht unter anderem eine Chance bei einem Regierungswechsel in Argentinien. Daß die derzeitige Regierung nicht zahlen wolle, sei seit Anfang 2003 klar. Wer jetzt die Anleihe noch halte, für den mache es eventuell Sinn, weiter durchzuhalten. Unter einer neuen Regierung sei eine saubere Verhandlungslösung möglich. „Wir wissen auch, daß Argentinien nicht alles zahlen kann.“

          Wie das Tauziehen letztlich ausgehen wird, scheint momentan noch völlig offen zu sein. Einerseits durften die Verantwortlichen in Argentinien durch die jüngst abgewiesene Klage eines deutschen Investmentfonds vor einem Gericht in New York, die die Restrukturierung argentinischer Staatsanleihen stoppen sollte, als Etappensieg für sich verbuchen. Andererseits kommt die dortigen Regierung durch die Entscheidung der Bank of New York unter Druck. Denn das Institut hat sein Mandat als Begleiter der Umschuldung überraschend niedergelegt.

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