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Schuldtitel : Unternehmensanleihen werden begehrter

Zugreifen: Interessanter Anleiheemittent SAP Bild: dpa

Die Bundesanleihe fällt fast täglich auf neue Renditetiefs. Alternativen sind Staatsanleihen aus Schwellenländern oder Schuldtitel von Unternehmen - die sind nicht nur für institutionelle Investoren interessant.

          Es gibt kein Halten mehr. Fast täglich erreicht die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe neue Rekordtiefs. Auch am Freitag war dies der Fall, als die Nachfrage der Investoren den Kurs der Bundesanleihe nach oben trieb und die Rendite das neue Rekordtief von 2,26 Prozent markierte. Diese Entwicklung geht einher mit Kursverlusten an den Aktienmärkten. Die Investoren sind ob der weiteren Wachstumsaussichten verunsichert und flüchten in den sicheren Hafen der Staatsanleihen. Denn die enttäuschenden Konjunkturdaten aus Amerika, der größten Volkswirtschaft der Welt, häufen sich. Für Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen wie etwa die Lebensversicherer sind die Bundesanleihen zentraler Bestandteil ihrer Kapitalanlagen. Doch die niedrigen Renditen stellen sie vor Probleme, weil sie damit den Garantiezins von 2,25 Prozent kaum noch finanzieren können.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Ansicht von Commerzbank-Analyst Patrick Kohlmann dürften institutionelle Investoren die jüngsten Kursrückgänge bei Unternehmensanleihen für einen Einstieg nutzen. Lebensversicherer und andere Kapitalsammelstellen seien angesichts der niedrigen Zinsen für Staatsanleihen gezwungen ihre Anlagen in höher verzinsliche Produkte aufzustocken. Als interessant wertet Kohlmann die Schuldtitel von Unternehmen mit positiven Cash-flow-Zahlen und stabiler Verschuldung, zum Beispiel Telekommunikationsunternehmen oder Versorger.

          Wer Rendite sucht, hat zwei Möglichkeiten

          Allerdings sind Anleihen von diesen Unternehmen bereits teuer. Eine Eon-Anleihe mit Fälligkeit 2020 wird an der Börse Stuttgart, dem größten deutschen Handelsplatz für Unternehmensanleihen, mit 122 Prozent vom Nennwert gehandelt. Der Kursanstieg ist verbunden mit einem Renditerückgang. Betrug der Zinskupon bei der Ausgabe im Jahr 2008 noch 5,75 Prozent, liegt die Rendite nun bei 3,1 Prozent. Das sind gut 80 Basispunkte mehr als bei der zehnjährigen Bundesanleihe. Etwas attraktiver wirkt die im Frühjahr begebene zehnjährige Anleihe der Deutschen Telekom. Deren Rendite liegt bei 3,6 Prozent, also 1,3 Prozentpunkte über der Bundesanleihe.

          Den Investoren empfiehlt Rolf Schäffer, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Unternehmensanleihen und gedeckte Bankanleihen, also „Covered Bonds“ wie die deutschen Pfandbriefe gegenüber Bundesanleihen überzugewichten. Wer Rendite suche, habe zwei Möglichkeiten, sagt Schäffer, entweder die Laufzeit zu verlängern oder das Risiko zu erhöhen. Er hält aber die Risiken für Privatanleger im Bereich der Unternehmen mit guter Bonität für überschaubar. Der Kapitalmarkt spricht hier von „Investment-Grade“-Unternehmen. Darunter werden Emittenten verstanden, die bei den Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) eine Bonitätsnote von mindestens „Baa3“ oder „BBB–“ haben. Investment-Grade sind zum Beispiel Eon und die Telekom.

          Währungsrisiko bei Staatsanleihen aus Schwellenländern

          Ein Dax-Unternehmen, das über keine Bewertung durch eine Ratingagentur verfügt, ist SAP. Der Walldorfer Softwarekonzern hat in diesem Jahr vier Anleihen über insgesamt 2,2 Milliarden Euro begeben. Die längste Laufzeit beträgt sieben Jahre, und dieser Titel weist momentan eine Rendite von 3,1 Prozent auf. Das sind 1,3 Prozentpunkte mehr, als der Bund für diese Laufzeit zahlen muss.

          Eine Alternative stellen auch Staatsanleihen aus Schwellenländern dar. Hier stuft Torsten Hähn, Analyst der WGZ Bank, Staaten als attraktiv ein, die auf einem gutem fiskalpolitischen Weg sind. Dazu zählt er Brasilien und die Türkei. Privatanleger müssen bei diesen Anleihen aber mitunter das Währungsrisiko berücksichtigen. Sollten der brasilianische Real oder die türkische Lira an Wert verlieren, können die höheren Zinsen rasch durch die Wechselkursverluste aufgezehrt werden.

          Der deutsche Pfandbrief ist zu teuer

          Es gibt von beiden Ländern auch Euro-Anleihen, die das Währungsrisiko ausschließen. Während zum Beispiel bei brasilianischen Real-Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit und Fälligkeit 2015 der Zinskupon 12,5 Prozent beträgt, sind es bei den entsprechenden Euro-Schuldtiteln 7,375 Prozent. Das klingt verlockend, aber die Real-Anleihe kostet bereits 114 Prozent des Nennwerts und der Euro-Titel 118 Prozent. Auf dieser Basis weist die brasilianische Euro-Anleihe eine Rendite von 2,96 Prozent auf. Dies sind fast 1,7 Prozentpunkte mehr als die fünfjährige Bundesanleihe.

          Mit Hypotheken- oder Staatskrediten gedeckte Bankanleihen, sogenannte Covered Bonds, lässt sich ebenfalls eine höhere Rendite als mit Bundesanleihen erzielen. Zudem verfügen diese Titel, von denen der deutsche Pfandbrief der bekannteste ist, über eine hohe Sicherheit. Diese kommt durch Ratings im „AA“- Bereich zum Ausdruck. Nur den deutschen Pfandbrief halten die Analysten von Société Générale derzeit für zu teuer. So weisen diese Titel derzeit gegenüber den Bundesanleihen einen Renditeaufschlag von im Schnitt 60 Basispunkten auf. Da bieten Covered Bonds von soliden spanischen Banken wie Santander oder BBVA schon 250 Basispunkte. Allerdings spiegeln diese Risikoaufschläge auch die Probleme der spanischen Wirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent sowie einem zusammengebrochenen Immobilienmarkt.

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