https://www.faz.net/-gv6-qgti

Schuldenkrise : Irland erschreckt die Anleger

Bild: SIS

Droht der Staatsbankrott nun auch in Irland? Die Anleihenkurse schlagen Kapriolen. Der Internationale Währungsfonds gibt sich zuversichtlich, und die EU steht als Retter bereit. Doch die Anleger bleiben skeptisch.

          4 Min.

          Die Krisenstimmung in Irland hat sich zum Ende der Woche dramatisch verschärft. Die Sorge, der Inselstaat werde bald EU-Kredite aus dem Rettungsschirm beantragen müssen, wird immer größer. Die Renditen für zehnjährige irische Staatsanleihen schossen auf fast neun Prozent empor (siehe Irische Anleiherendite nähert sich 9 Prozent), so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro vor zwölf Jahren. Der Euro beendete seinen Höhenflug zum Dollar und sackte auf ein Sechs-Wochen-Tief. Am Freitag sahen sich dann sogar die Finanzminister der fünf größten EU-Staaten genötigt zu versichern, dass Irland nicht um EU-Hilfen nachgefragt habe (siehe Regierungen beruhigen Irlands Gläubiger).

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Dramatik ähnelt sehr den letzten Tagen, bevor Griechenland im Frühjahr um europäischen Beistand bat. Bis zuletzt wurde damals bestritten, dass Unterstützung nötig sei. Ist Irland also das nächste Griechenland? Senden die Marktreaktionen das richtige Signal? Ein paar Zweifel sind angebracht.

          Renditen sprechen gegen einen „hair cut“

          Begründet wurde der jüngste Anstieg der Renditen mit zweierlei: der Sorge, dass Irland bald noch mehr Geld in seine maroden Banken stecken muss. Denn es drohten ihnen neue Abschreibungen, weil nicht nur die Gewerbeimmobilienkredite, sondern nun auch die privaten Hypothekendarlehen von den Kunden zunehmend unregelmäßig bedient werden. Schon in diesem Jahr beträgt das Haushaltsdefizit astronomische 32 Prozent der Wirtschaftskraft.

          Und zweitens, dass bei einer EU-Hilfsaktion für Irland auch die privaten Anleihebesitzer auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten. Denn Deutschland und Frankreich hatten vor wenigen Wochen angekündigt, dass Privatgläubiger künftig immer in Unterstützungsmaßnahmen einbezogen werden sollen. „Hair cut“ nennen das die Fachleute.

          Die Renditen zeigen ein anderes Bild. Wenn ein Großteil des Marktes einen „hair cut“ erwarten würde, müssten die Renditen deutlich höher liegen. Denn dann müssen die Gläubiger üblicherweise auf mindestens 20 bis 30 Prozent ihres Kapitals verzichten, was eine höhere Rendite ausgleichen müsste. Erwarten die Anleger hingegen keine Umschuldung, dann gibt es keinen Grund für Renditen von fast neun Prozent. Denn unter dem EU-Rettungsschirm haften die Steuerzahler für die Kredite, nicht die Anleihebesitzer. „Gut vier Prozent Rendite wären eigentlich angemessen“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

          Sparhaushalt könnte die Märkte beruhigen

          Was ist nun zu erwarten? Es ist wahrscheinlich, dass Irland in den nächsten Wochen noch nicht um Hilfe bittet. Denn die Regierung braucht erst Mitte nächsten Jahres neues Geld. Davor hat sie noch die Chance, mit der Verabschiedung eines Sparhaushaltes Anfang Dezember die Märkte zu beruhigen. Sollte das nicht funktionieren, kann sie immer noch unter den Rettungsschirm schlüpfen. Das Geld aus dem Rettungstopf würde reichen, um Irland für viele Jahre zu unterstützen. Das Land braucht nach Angaben der staatlichen Schuldenagentur NTMA bis 2014 81,7 Milliarden Euro, davon 23,5 Milliarden im nächsten Jahr. Der Topf umfasst 750 Milliarden Euro, davon stammt ein Drittel vom Internationalen Währungsfonds IWF.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Münchener Flughafen: viel los, aber nicht immer optimal organisiert – so findet es zumindest der Luftfahrtverband Iata.

          Luftverkehr : Internationale Fluglinien greifen deutschen Staat an

          Deutsche Flughäfen sind für Fluglinien teuer. Der internationale Luftfahrtverband Iata erklärt das mit der schlechten Planung. Die Flughäfen müssten weg kommen von der Struktur von Regionalflughäfen.

          Neue Abstandsregel : Der harte Kampf um jedes Windrad

          Der Protest der Deutschen gegen Windräder wächst, und der Ausbau ist beinahe zum Erliegen gekommen. Kann der Mindestabstand von 1000 Metern für mehr Frieden sorgen – oder wird nun alles noch schwieriger?

          Wahl der Parteivorsitzenden : Finale bei der SPD

          Jetzt geht es um Alles bei der SPD: Ab diesem Dienstag können die gut 420.000 Parteimitglieder über die neue Parteispitze abstimmen. An der ersten Runde hatten nur gut 50 Prozent teilgenommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.