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Schuldenkrise : Geschäft der Banken bedroht

Bild: F.A.Z.

Die Erfahrung, dass der Staat nicht immer ein sicherer Schuldner ist, versetzt die Banken in Aufruhr. Ohne die Fiktion der „risikolosen Anlage“ müssen die Banken umdenken.

          Das Auseinanderdriften der Risikoprämien für Euro-Staatsanleihen hat bei den Banken eine gefährliche Gemengelage geschaffen. Schon die damit verbundenen Kursverluste bringen manche Bank an den Rand des Abgrunds. Hinzu kommt, dass sich für Banken aus finanzschwachen Euroländern die Finanzierungskosten erhöht haben. Denn beinahe ausnahmslos sind die Risikoprämien für zum Beispiel italienische Banken höher als für den italienischen Staat und für französische Banken höher als für den französischen Staat. Inzwischen liegen die Risikoprämien für viele Banken über denen von Industrieunternehmen. Mancher an Unternehmen vergebene Kredit wird damit aus Sicht der Bank zu einem Verlustgeschäft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Obendrein geraten auch solide Banken aus soliden Ländern in Selbstzweifel. Gerade hat Joseph Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, seiner Branche eine düstere Zukunft vorhergesagt, weil das Prinzip der Risikofreiheit von Staatsanleihen gebrochen sei. Es sei unklar, welche Anlagen überhaupt noch als risikofrei gelten könnten. Und weil das so ist, sei es fraglich, was Geschäftspartner künftig als ausreichende Sicherheit akzeptieren würden. Dass Staatsanleihen nicht mehr risikolos seien, dafür müsse noch ein hoher Preis bezahlt werden, so Ackermann.

          Verpönte Staatsanleihen

          Deshalb fordert Wolf Schumacher, Vorstandschef der Aareal Bank, aus ordnungspolitischen Gründen ein Umdenken in Europa. "Staatsanleihen dürfen als Anlageform nicht länger verpönt sein", sagte er dieser Zeitung. Versicherer, Banken und Altersvorsorgeeinrichtungen müssten weiter das Vertrauen haben, in Staatsanleihen zu investieren, denn diese Institutionen bräuchten risikoarme Anlageklassen. Umgekehrt benötigen nach Ansicht von Schumacher Regierungen dringend private Geldgeber zur Finanzierung ihrer Staatshaushalte. Die staatlichen Institutionen wie unter anderem der Euro-Rettungsfonds EFSF oder diverse Förderbanken seien alleine nicht in der Lage, den Bedarf zu stemmen.

          Für die Banken scheint das Vorhandensein einer risikolosen Anlageklasse von zentraler Bedeutung zu sein. Sie sind es gewohnt, Wertpapiere als Sicherheit zu verwenden, zum Beispiel wenn sie untereinander den Tausch von Erträgen (Swaps) vereinbaren oder sich gegenseitig Geld leihen. Wenn der Wert der Sicherheit keine feste Größe ist, wird das für die Banken mit höheren Kosten verbunden sein. Manches Geschäft, das mit großen Volumina und geringen Margen verbunden ist, dürfte sich dann nicht mehr rechnen. Zudem sind die Banken von den staatlichen Aufsichtsbehörden verpflichtet, eine Liquiditätsreserve zu halten.

          Dafür können sie natürlich auch Bargeld oder Zentralbankguthaben verwenden, die denkbar liquidesten Mittel. Doch die haben den Nachteil, dass sie nicht oder nur geringfügig verzinst sind. Staatsanleihen galten für Generationen von Bankmanagern als lukrativere Form der liquiden Anlage. Vermeintlich sicher und mit einem höheren Zins ausgestattet. Trotz der Erfahrungen, dass auch Staatsanleihen illiquide und verlustreich sein können, werden sie zwar weiterhin als Liquiditätsreserve anerkannt. Doch für die Banken haben sich Risiken in der Bilanz stark erhöht.

          Unterteilung in Risikoklassen

          Deshalb bauen derzeit die europäischen Institute ihre Bestände an Staatsanleihen deutlich ab. "Jede Kurserholung italienischer Staatsanleihen wird gegenwärtig genutzt, das Engagement weiter zu reduzieren", berichtet ein Bankmanager, der die Finanzierung und die Kapitalanlagen einer deutschen Bank verantwortet. Seine Kollegen aus anderen Häusern würden ähnlich vorgehen, fügt er hinzu.

          Um Staatsanleihen hoch verschuldeter Staaten wieder als Anlageklasse attraktiv zu machen, schlägt der Controllingvorstand der Allianz, Oliver Bäte, die Unterteilung in unterschiedliche Risikoklassen vor. Ähnlich wie bei Unternehmensanleihen könne es vor- und nachrangige Staatstitel geben, sagte er einer Reuters-Meldung zufolge am Rande der Euro Finance Week. Bis zu einem bestimmten Anteil der Staatsverschuldung an der jährlichen Wirtschaftsleistung, etwa bis zu 70 oder 80 Prozent, könne ein Land seine Anleihen dann als vollständig abgesichert gegen einen Zahlungsausfall deklarieren.

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