https://www.faz.net/-gv6-6zzlr

Schuldenkrise : Drama um die Staatsanleihen

Bild: F.A.Z.

Die Schuldenkrise ist mit Macht zurück. Darunter leiden Anleihefonds, die auf europäische Staatsanleihen setzen. Anleger müssen sich nach Alternativen umsehen.

          4 Min.

          Manchmal fühlt sich Robert Senz wie ein Lastwagenfahrer, der schwerbeladen eine morsche Brücke überqueren muss - und zwar jeden Tag. „Man weiß einfach nicht: Stürzt die Brücke bei der nächsten Überfahrt ein? Oder doch erst in ein paar Jahren?“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwar hat er es in seinem Job weder mit morschen Brücken noch mit Lkw zu tun, aber trotzdem kennt Senz auch bei seiner Arbeit ein Gefühl ganz genau - die Sorge vor dem plötzlichen Einsturz. Senz ist Anleihechef des österreichischen Investmenthauses Raiffeisen Capital Management (RCM) und braucht in diesen Zeiten starke Nerven.

          Angst ist zurück an den Märkten

          Griechenland steht ohne Regierung vor dem Kollaps, in Südeuropa beben die Banken, und unter Anlegern wächst die Unruhe gewaltig: Fallen nun auch Portugal, Spanien und Italien? Und welchem Eurostaat kann man überhaupt noch sein Geld anvertrauen? „Es gibt keine Blaupause für eine Krise solchen Ausmaßes“, sagt Senz. „Zumal niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es gut ausgehen wird.“ Seit der vergangenen Woche ist die Angst zurück an den Märkten.

          Angst, Nervenstärke, ungewisser Ausgang - solche Worte fielen in Europa lange Jahre nicht, wenn es um Staatsanleihen ging. Stattdessen lockten die Papiere Anleger seit Einführung des Euro mit zwei süßen Versprechen: Ausfallsicherheit und Aussicht auf Kursgewinne. Denn von wenigen Schwankungen abgesehen, befanden sich die Zinsen europäischer Staatsanleihen jahrelang nur im Sinkflug - was bei den Papieren automatisch zu Kursgewinnen führt. Und die Gefahr eines Staatsbankrotts im Euroraum? Einfach undenkbar.

          So war Geldverdienen an den Anleihemärkten vor dem Ausbruch der Schuldenkrise kinderleicht. Und Sparer ließen sich einfach für Anleihefonds gewinnen. Die stolze Summe von rund 90 Milliarden Euro haben deutsche Anleger nach Angaben des Fondsverbands BVI aktuell in Fonds investiert, die hauptsächlich auf Euro-Staatsanleihen setzen.

          Doch jetzt ist vieles anders: Pleiteängste in Südeuropa sind an der Tagesordnung, die Kurse vieler Staatsanleihen schlagen wild aus. Damit steckt eine ganze Anlageart auf einmal inmitten ihrer größten Bewährungsprobe - und einiges spricht dafür, dass viele Fondsmanager der Herausforderung nicht gewachsen sind. Der Schaden für Anleger wäre enorm.

          Wie schwer sich die Profis tun, zeigt eine einfache Zahl: 27 Prozent. So hoch fiel der Zuwachs des besten Euro-Staatsanleihefonds im vergangenen Jahr aus. Ein fulminantes Ergebnis zwar. Aber eines, das kein Fondsmanager erzielte - sondern ein börsengehandelter Indexfonds (ETF), der stur die Kursentwicklung von Bundesanleihen mit langer Laufzeit nachbildete. Im Vergleich dazu ist das Resultat, dass die Geldmanager nach Daten des Analysehauses Morningstar 2012 im Durchschnitt erreichten, geradezu mickrig: Es lag bei rund sechs Prozent.

          Jenseits von Gut und Böse

          Nun lässt sich einwenden: Die Fonds erzielten zumindest keine Verluste. Aber für viele Fachleute ist der deutliche Rückstand hinter einem passiven Indexfonds ein Warnsignal. „Die Anlagebedingungen haben sich grundlegend geändert“, sagt Maximilian Kreitlmeier, Fondsanalyst bei Morningstar. „Die Zahl möglicher Fehlerquellen ist gerade für Manager von Staatsanleiheportfolios klar gestiegen.“

          Vor allem eine Entwicklung macht die Arbeit der Fondsprofis komplizierter, RCM-Fachmann Senz beschreibt sie so: „Die Welt der Anleihen ist extrem geworden.“ Extrem ist auf der einen Seite die Marktentwicklung in Südeuropa. In immer neue Höhen klettern die Renditen dortiger Anleihen.

          Papiere aus Griechenland notieren jenseits von Gut und Böse, aber auch Portugal, Spanien und Italien liegen trotz Reformen bei bedenklichen fünf Prozent und mehr. „Die Kurse von manchen europäischen Staatsanleihen schwanken mittlerweile so stark wie Aktienkurse“, sagt Michael Krautzberger, Leiter Euro-Anleihen beim Vermögensverwalter Blackrock.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

          Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.
          Demonstranten in Leipzig

          Sechs Polizisten verletzt : Wieder Krawall in Leipzig

          Etwa 1300 Menschen demonstrieren in Leipzig gegen das Verbot einer linksextremen Online-Plattform. Zunächst bleibt der Protest friedlich, dann fliegen Steine. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein, sechs Beamte werden verletzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.