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Schlechte Bonitätseinschätzung : Landesbanken drohen höhere Finanzierungskosten

  • -Aktualisiert am

Auch die West LB hat nur noch eine Bonitätsnote von „BBB+” Bild:

Die gleichzeitige Rating-Herabstufung von fünf der sechs großen deutschen Landesbanken durch Standard & Poor's stößt die angeschlagenen Institute noch ein Stück tiefer in die Krise.

          Die gleichzeitige Rating-Herabstufung von fünf der sechs großen deutschen Landesbanken durch Standard & Poor's (S&P) stößt die angeschlagenen Landesbanken noch ein kleines Stück tiefer in die Krise. Zwar hat die seit Mittwoch schlechtere Bonitätseinschätzung die Kurse der ausstehenden Anleihen unmittelbar nach der Entschätzung von S&P kaum beeinflusst. Der Markt habe ruhig reagiert, berichteten Händler am Donnerstag. Gleichwohl wird auf dem Markt damit gerechnet, dass sich die gesenkten Bonitätsnoten mittelfristig negativ auf die Finanzierungsbedingungen der Landesbanken auswirken.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Besonders schwierig könnte es für West LB, Bayern LB und HSH Nordbank werden, deren Bonitätsnoten nur noch bei „BBB+“ liegen. Zudem müssen Investoren, die sich gegen einen Ausfall dieser Banken absichern wollen, derzeit stattliche Risikoprämien zahlen.

          Schuldverschreibungen der Landesbanken

          Das gilt insbesondere für die HSH Nordbank: Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) mit fünf Jahren Laufzeit zur Absicherung von unbesicherten erstrangigen Forderungen gegen die HSH kosten derzeit rund 3,2 Prozent der versicherten Summe. Für die West LB und die Bayern LB betragen diese Risikoprämien rund 1,4 und 1,15 Prozent.

          Die Landesbanken sind gewichtige Akteure auf den Anleihemärkten. West LB und HSH haben je Anleihen im Wert von knapp 100 Milliarden Euro ausstehen. Bei der Bayern LB sind es rund 180 Milliarden Euro. Etwa zwei Drittel dieser Summen werden in den kommenden fünf Jahren fällig und müssen getilgt werden.

          Die Herabstufungen erinnern auf den ersten Blick an die niedrigen Schattenratings, mit denen S&P im Jahr 2004 und damit ein Jahr vor Wegfall der Staatsgarantien die niedrigere Kreditwürdigkeit der Anleihen aller Landesbanken vorwegnahm. Damals hatte S&P, in seiner Aufgabe als Bonitätsprüfer vorausblickend, Anleger und Eigentümer gewarnt, die erstklassigen, oft dank Staatsgarantien mit „AAA“ ausgestatteten Schuldverschreibungen der Landesbanken werde es nur noch dann geben, wenn sie bis Juni 2005 begeben und bis 2015 fällig werden.

          Auflagen für staatliche Beihilfen

          Die Eigner der kleinen Landesbank Rheinland-Pfalz, die im Vorgriff auf die durch die EU abgeschafften Staatsgarantien von S&P nur noch die Note „BBB+“ erhielt, reagierten und fusionierten die Bank mit der bis in dieser Woche am bonitätsstärksten bewerteten Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die LBBW konnte bislang trotz Milliardenverlusten wegen strukturierter Wertpapiere im Jahr 2008, hoher Betroffenheit von der Krise der Automobilindustrie im Jahr 2009 und einer von der Bankenaufsicht seit Monaten angemahnten, aber bislang ausgebliebenen Kapitalerhöhung mit „A+“ dieselbe Kreditwürdigkeitsnote von S&P vorweisen wie die Deutsche Bank.

          Damit ist es nun für die LBBW vorbei. Sie wird jetzt von S&P mit „A-“ ebenso wie die HSH Nordbank und die Bayern LB gleich um zwei Notenstufen schlechter beurteilt. HSH Nordbank, Bayern LB und West LB haben mit „BBB+“ nun ein Rating, das vor fünf Jahren als auf Dauer nicht überlebensfähig für eine Bank galt.

          Viel spricht aber dafür, dass S&P mit seiner jetzigen Rating-Herabstufung von fünf Landesbanken auf einen Schlag eher spät kommt. Schon seit Monaten ist klar, dass die meisten Landesbanken nur mit milliardenschweren Hilfen ihrer Eigentümer, der Bundesländer und Sparkassen, die Finanzkrise überleben werden. West LB, Bayern LB und demnächst auch HSH Nordbank und LBBW stecken in Verfahren mit der EU-Kommission über Auflagen für in den vergangenen Monaten erhaltenen staatlichen Beihilfen in Form von Garantien und insgesamt 22 Milliarden Euro Eigenkapital.

          Eigentümer stehen uneingeschränkt zur Bank

          Das Verhalten der EU-Kommission in früheren Beihilfeverfahren unterstellt, müssen diese Landesbanken sich verpflichten, um ein Drittel bis zur Hälfte zu schrumpfen. Am leichtesten fiele ihnen das, wenn sie nicht nur Wertpapiere, sondern auch Kredite von Staaten und Firmen, die sie nicht mehr für ihr Kerngeschäft halten, an vom Bund organisierte „Bad Banks“ auslagern könnten. Der Bund verlangt allerdings im Gegenzug, dass es nun, fünf Jahre nach den von S&P mit in Gang gesetzten ersten kleinen Schritten jetzt zur großen Neuordnung der Landesbanken kommt.

          Unterdessen hat die West-LB am Donnerstag in scharfer Form auf die Herabstufung ihrer Bonitätsnote reagiert. Die Entscheidung sei nicht nachvollziehbar, insbesondere der Zeitpunkt unmittelbar vor Weichenstellungen für die deutschen Landesbanken sei unangemessen. Die West-LB habe zudem schon Problemaktiva ausgegliedert. Die Eigentümer ständen uneingeschränkt zu der Bank. Und die West-LB habe im ersten Quartal das beste Ergebnis seit der Herauslösung der NRW-Bank erreicht.

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