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Staatsanleihen : Sambias künftige Anleihen werden riskant

  • Aktualisiert am

Sambia ist immer noch ein armes Land Bild: Associated Press, AP

Mit Sambia will nun der dritte Staat aus dem Süden Afrikas an den Anleihenmarkt. Das Land profitierte bisher von Schuldenerlaß und Rohstoffboom. Doch die künftigen Papiere dürften politisch und wirtschaftlich riskant werden.

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          Afrikanische Staaten sind, sieht man von Südafrika ab, an den Anleihemärkten als Emittenten nicht gerade zahlreich vertreten. Gerade einmal vier in Euro denominierte, handelbare Anleihen lassen sich entdecken, drei aus Südafrika, eine aus Marokko.

          Zudem hat Südafrika 25 weitere Papiere auf dem Markt, 21 davon in der Landeswährung Rand und vier in Dollar. Auch aus Ägypten gibt es noch einen Dollar-Bonds. Daneben gibt es noch einige Papiere, die wohl mehr von historischer Bedeutung sind (siehe Grafiken).

          Kaum einbringliche 90jährige Papiere

          Dabei sind die jüngsten zwei Papier aus Botswana, die 2003 begeben wurden und in botswanischen Pula notieren. Ganz abgesehen davon, daß diese Papiere in Deutschland kaum zu bekommen sind, hat der Pula seit Emission gegenüber dem Euro rund 40 Prozent an Wert verloren.

          Will weiter regieren: Sambias Präsident Levi Mwanawasa
          Will weiter regieren: Sambias Präsident Levi Mwanawasa : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Eine ganz andere Frage ist die der Zahlungsfähig- und -willigkeit. Ob Algerien jemals die 60jährige Anleihe aus dem Jahr 1952 bedienen wird ist genauso fraglich wie bei den 85jährigen bzw. 94jährigen Emissionen des Königreichs Marokko aus den Jahren 1946 und 1928.

          Positiv gedacht, ist es daher begrüßenswert, daß Sambia, der größte Kupferproduzent Afrikas in Kürze erstmals Bonitätseinstufungen beantragen wird und damit neben Südafrika und Botswana der dritte Staat im südlichen Afrika wäre, der an den internationalen Kapitalmärkten Anleihen emittieren kann.

          Kwacha-Aufwertung im Mai gestoppt

          „Wir müssen diesen Schritt tun, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und ich bin überzeugt, daß wir kreditwürdig genug sind, sowohl im Hinblick auf die nachweisliche Erfahrung als auch aufgrund unserer Währungspolitik“, sagte Caleb Fundanga, Zentralbankgouverneur von Sambia der Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Freitag in der Hauptstadt Lusaka. „Mit einem Rating wären wir beispielsweise in der Lage, einen Euro-Kwacha-Bond zu emittieren.“

          Sambia hat über die vergangenen vier Jahre stark vom Preisanstieg des Hauptexportguts Kupfer profitiert. Der hohe Kupferpreis hatte die sambische Währung gestärkt, damit konnte die Inflation reduziert und die Attraktivität des Kwacha für ausländische Anleger gestärkt werden.

          Stand der Kurs des Kwacha Anfang 2005 noch bei 6.362 Kwacha für den Euro, erreichte die Währung im Februar bei 3.775 Kwacha für den Euro ihren Höchststand. Gegenüber dem Dollar fiel die Aufwertung nicht ganz so stark, dafür dauerhafter aus. Anfang 2003 notierte der Dollar bei 5.180 Kwacha, im Mai waren es nur noch 2.970.

          Doch die Konsolidierung an den Rohstoffmärkten führte bei der starken Abhängigkeit des Landes wieder zu einer Abwertung. Sambia erzielt 53 Prozent seiner Exporterlöse mit Kupfer, weitere elf Prozent mit Kobalt. Mit dem bröckelnden Preis für das Metall bröckelte auch der Kwacha-Kurs. Aktuell bezahlen Sambier für den Dollar 3.3380 und für den Euro 4.379 Kwacha.

          Sieger im Schuldenstreichungswettbewerb

          Die Wirtschaft des Landes ist außer durch den Bergbau nach wie vor agrarisch geprägt. Daher bleib das Wachstum der sambischen Wirtschaft mit 4,3 Prozent im vergangenen Jahr aufgrund von Dürrekatastrophen und Kraftstoffknappheit hinter dem von der Regierung erwarteten Wachstum von sechs Prozent zurück.

          Das wäre aber notwendig, um die Armut im Lande deutlich zu reduzieren. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der 10,4 Millionen Einwohner Sambias lag 2005 nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds bei 352 Dollar. Rund 85 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.

          Die Weltbank hat Sambia im Rahmen der multilateralen Schuldenerlaß-Initiative zusammen mit den G8-Staaten am 1. Juli Schulden in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar erlassen. Nach Angaben der Weltbank belaufen sich Sambias Staatsschulden auf 500 Millionen Dollar, eine deutliche Erleichterung gegenüber den 7,2 Milliarden Dollar, die es noch im Juni 2005 waren.

          Über die kommenden drei Jahre dürfte Sambia damit insgesamt 400 Millionen Dollar an Tilgungen einsparen, berichtete die Tageszeitung Zambia Daily Mail am Freitag unter Berufung auf Regierungsvertreter.

          Furcht vor Korruption ubnd Mißwirtschaft

          Die Inflationsrate lag im April erstmals seit drei Jahrzehnte im einstelligen Bereich, nachdem die sambische Regierung den Staatshaushalt unter Kontrolle brachte. Durch die Reduzierung der Finanzierungskosten hofft Sambia, mehr Mittel für den Straßenbau zur Verfügung zu haben, außerdem für die Investitionen in Schulen und Krankenhäuser.

          „Mit der Schuldenstreichung einer blühenden Wirtschaft und einer guten Erfolgsbilanz, wird es Zeit, daß wir uns um uns selbst kümmern“, sagt Fundanga. Ein Rating könnte dabei die Finanzierungskosten senken.

          Die Befürchtungen, die unweigerlich dabei aufkommt ist, daß das Geld entweder in unbekannten Kanälen versickert oder es in wirkungslosen Prestigeprojekten verschwendet wird. Ohene Nyanin, Mitarbeiter der Weltbank in Sambia ist optimistischer. „Sambia ist ganz klar, eines der Länder, wo der Effekt der Schuldenstreichung massive ist und sehr deutlich zu tage treten kann. Es haben sich sehr große fiskalische Spielräume eröffnet.“

          Die Wirtschaft soll nach Regierungsprognosen 2007 um sechs und danach mindesten um sieben Prozent wachsen. Im vierten Quartal stehen Wahlen an. Dabei wird davon ausgegangen, daß Präsident Levi Mwanawasa zum zweiten und letzten Mal wiedergewählt werden wird - trotz seines Schlaganfalls im April. Das ehemalige Nordrhodesien hat seit dem Sturz von Präsident Kenneth Kaunda im Jahr 1991 eine Demokratie, seitdem ist es auf Wachstumskurs.

          Keine „Insel der Seligen“

          Nichtsdestoweniger werden sambische Anleihen zum Abenteuer werden. Noch ist Afrika nicht sehr stabil und eine Insel der Seligen ist zu schön, um ernsthaft daran glauben zu wollen. So wurde die erste Wahl Mwanawasa im 2. Januar 2002 seinerzeit von EU-Beobachtern als chaotisch und nicht fair bezeichnet.

          Mwanawasa wurde unter dem Protest der Opposition vereidigt, nachdem der Oberste Richter Mattrew Ngulube den Kandidaten zum Sieger erklärt hatte. Zuvor hatte sich der Kandidat der Opposition, Mazoka, zum neuen Präsidenten ausrufen lassen und gesagt, er werde nur ein Ergebnis akzeptieren, bei dem er als Sieger aus der Wahl hervorgehe. Bei Ausschreitungen wurden sechs Menschen getötet.

          Ein gewisses Mißtrauen zumindest gegenüber politischen Risiken wird also bei künftigen sambischen Anleihen nicht fehl am Platze sein. Zudem ist das Land von den Rohstoffmärkten abhängig. Sollte der Kupferboom zu Ende gehen, dürften sich auch die Spielräume des Landes verengen.

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