https://www.faz.net/-gv6-nxex

Staatsanleihen : Sambias künftige Anleihen werden riskant

  • Aktualisiert am

Sambia ist immer noch ein armes Land Bild: Associated Press, AP

Mit Sambia will nun der dritte Staat aus dem Süden Afrikas an den Anleihenmarkt. Das Land profitierte bisher von Schuldenerlaß und Rohstoffboom. Doch die künftigen Papiere dürften politisch und wirtschaftlich riskant werden.

          4 Min.

          Afrikanische Staaten sind, sieht man von Südafrika ab, an den Anleihemärkten als Emittenten nicht gerade zahlreich vertreten. Gerade einmal vier in Euro denominierte, handelbare Anleihen lassen sich entdecken, drei aus Südafrika, eine aus Marokko.

          Zudem hat Südafrika 25 weitere Papiere auf dem Markt, 21 davon in der Landeswährung Rand und vier in Dollar. Auch aus Ägypten gibt es noch einen Dollar-Bonds. Daneben gibt es noch einige Papiere, die wohl mehr von historischer Bedeutung sind (siehe Grafiken).

          Kaum einbringliche 90jährige Papiere

          Dabei sind die jüngsten zwei Papier aus Botswana, die 2003 begeben wurden und in botswanischen Pula notieren. Ganz abgesehen davon, daß diese Papiere in Deutschland kaum zu bekommen sind, hat der Pula seit Emission gegenüber dem Euro rund 40 Prozent an Wert verloren.

          Will weiter regieren: Sambias Präsident Levi Mwanawasa
          Will weiter regieren: Sambias Präsident Levi Mwanawasa : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Eine ganz andere Frage ist die der Zahlungsfähig- und -willigkeit. Ob Algerien jemals die 60jährige Anleihe aus dem Jahr 1952 bedienen wird ist genauso fraglich wie bei den 85jährigen bzw. 94jährigen Emissionen des Königreichs Marokko aus den Jahren 1946 und 1928.

          Positiv gedacht, ist es daher begrüßenswert, daß Sambia, der größte Kupferproduzent Afrikas in Kürze erstmals Bonitätseinstufungen beantragen wird und damit neben Südafrika und Botswana der dritte Staat im südlichen Afrika wäre, der an den internationalen Kapitalmärkten Anleihen emittieren kann.

          Kwacha-Aufwertung im Mai gestoppt

          „Wir müssen diesen Schritt tun, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und ich bin überzeugt, daß wir kreditwürdig genug sind, sowohl im Hinblick auf die nachweisliche Erfahrung als auch aufgrund unserer Währungspolitik“, sagte Caleb Fundanga, Zentralbankgouverneur von Sambia der Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Freitag in der Hauptstadt Lusaka. „Mit einem Rating wären wir beispielsweise in der Lage, einen Euro-Kwacha-Bond zu emittieren.“

          Sambia hat über die vergangenen vier Jahre stark vom Preisanstieg des Hauptexportguts Kupfer profitiert. Der hohe Kupferpreis hatte die sambische Währung gestärkt, damit konnte die Inflation reduziert und die Attraktivität des Kwacha für ausländische Anleger gestärkt werden.

          Stand der Kurs des Kwacha Anfang 2005 noch bei 6.362 Kwacha für den Euro, erreichte die Währung im Februar bei 3.775 Kwacha für den Euro ihren Höchststand. Gegenüber dem Dollar fiel die Aufwertung nicht ganz so stark, dafür dauerhafter aus. Anfang 2003 notierte der Dollar bei 5.180 Kwacha, im Mai waren es nur noch 2.970.

          Doch die Konsolidierung an den Rohstoffmärkten führte bei der starken Abhängigkeit des Landes wieder zu einer Abwertung. Sambia erzielt 53 Prozent seiner Exporterlöse mit Kupfer, weitere elf Prozent mit Kobalt. Mit dem bröckelnden Preis für das Metall bröckelte auch der Kwacha-Kurs. Aktuell bezahlen Sambier für den Dollar 3.3380 und für den Euro 4.379 Kwacha.

          Sieger im Schuldenstreichungswettbewerb

          Die Wirtschaft des Landes ist außer durch den Bergbau nach wie vor agrarisch geprägt. Daher bleib das Wachstum der sambischen Wirtschaft mit 4,3 Prozent im vergangenen Jahr aufgrund von Dürrekatastrophen und Kraftstoffknappheit hinter dem von der Regierung erwarteten Wachstum von sechs Prozent zurück.

          Weitere Themen

          Dollar hilft Schwellenländern

          Anleihen : Dollar hilft Schwellenländern

          Anleihen aus Schwellenländern versprechen hohe Zinsen - verlockend, wäre da nicht der Wechselkurs. Doch ein neuer Abwertungszyklus des Dollar könnte sie interessant machen.

          Topmeldungen

          Baukräne stehen an einer Baustelle in Berlin.

          Wohngemeinnützigkeit : Ein Bärendienst für den Wohnungsmarkt

          Immer lauter wird die Forderung, die Wohngemeinnützigkeit wiederzubeleben. Dass dies eine schlechte Idee ist, zeigt schon das abschreckende Beispiel der Neuen Heimat.
          Frau mit Kopftuch vor der Humboldt-Universität in Berlin

          Redeverbote an Hochschulen : Flucht vor Argumenten

          Eine Forschungsstelle der Uni Köln fordert, die Redefreiheit zu begrenzen, um Grundrechte zu verteidigen. Das würde einer Abschaffung der akademischen Freiheit gleichkommen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.