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Staatsanleihen : Sambias künftige Anleihen werden riskant

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Das wäre aber notwendig, um die Armut im Lande deutlich zu reduzieren. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der 10,4 Millionen Einwohner Sambias lag 2005 nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds bei 352 Dollar. Rund 85 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.

Die Weltbank hat Sambia im Rahmen der multilateralen Schuldenerlaß-Initiative zusammen mit den G8-Staaten am 1. Juli Schulden in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar erlassen. Nach Angaben der Weltbank belaufen sich Sambias Staatsschulden auf 500 Millionen Dollar, eine deutliche Erleichterung gegenüber den 7,2 Milliarden Dollar, die es noch im Juni 2005 waren.

Über die kommenden drei Jahre dürfte Sambia damit insgesamt 400 Millionen Dollar an Tilgungen einsparen, berichtete die Tageszeitung Zambia Daily Mail am Freitag unter Berufung auf Regierungsvertreter.

Furcht vor Korruption ubnd Mißwirtschaft

Die Inflationsrate lag im April erstmals seit drei Jahrzehnte im einstelligen Bereich, nachdem die sambische Regierung den Staatshaushalt unter Kontrolle brachte. Durch die Reduzierung der Finanzierungskosten hofft Sambia, mehr Mittel für den Straßenbau zur Verfügung zu haben, außerdem für die Investitionen in Schulen und Krankenhäuser.

„Mit der Schuldenstreichung einer blühenden Wirtschaft und einer guten Erfolgsbilanz, wird es Zeit, daß wir uns um uns selbst kümmern“, sagt Fundanga. Ein Rating könnte dabei die Finanzierungskosten senken.

Die Befürchtungen, die unweigerlich dabei aufkommt ist, daß das Geld entweder in unbekannten Kanälen versickert oder es in wirkungslosen Prestigeprojekten verschwendet wird. Ohene Nyanin, Mitarbeiter der Weltbank in Sambia ist optimistischer. „Sambia ist ganz klar, eines der Länder, wo der Effekt der Schuldenstreichung massive ist und sehr deutlich zu tage treten kann. Es haben sich sehr große fiskalische Spielräume eröffnet.“

Die Wirtschaft soll nach Regierungsprognosen 2007 um sechs und danach mindesten um sieben Prozent wachsen. Im vierten Quartal stehen Wahlen an. Dabei wird davon ausgegangen, daß Präsident Levi Mwanawasa zum zweiten und letzten Mal wiedergewählt werden wird - trotz seines Schlaganfalls im April. Das ehemalige Nordrhodesien hat seit dem Sturz von Präsident Kenneth Kaunda im Jahr 1991 eine Demokratie, seitdem ist es auf Wachstumskurs.

Keine „Insel der Seligen“

Nichtsdestoweniger werden sambische Anleihen zum Abenteuer werden. Noch ist Afrika nicht sehr stabil und eine Insel der Seligen ist zu schön, um ernsthaft daran glauben zu wollen. So wurde die erste Wahl Mwanawasa im 2. Januar 2002 seinerzeit von EU-Beobachtern als chaotisch und nicht fair bezeichnet.

Mwanawasa wurde unter dem Protest der Opposition vereidigt, nachdem der Oberste Richter Mattrew Ngulube den Kandidaten zum Sieger erklärt hatte. Zuvor hatte sich der Kandidat der Opposition, Mazoka, zum neuen Präsidenten ausrufen lassen und gesagt, er werde nur ein Ergebnis akzeptieren, bei dem er als Sieger aus der Wahl hervorgehe. Bei Ausschreitungen wurden sechs Menschen getötet.

Ein gewisses Mißtrauen zumindest gegenüber politischen Risiken wird also bei künftigen sambischen Anleihen nicht fehl am Platze sein. Zudem ist das Land von den Rohstoffmärkten abhängig. Sollte der Kupferboom zu Ende gehen, dürften sich auch die Spielräume des Landes verengen.

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