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Ratingagentur : Kurz vor Ramschniveau

Standart&Poor’s stufte klassische Anleihen der Deutschen Bank auf „BBB-“ herab. Damit sind die Anleihen gerade noch investitionswürdig. Bild: dpa

Die Ratingagentur S&P stuft Schuldtitel der Deutschen Bank über 58 Milliarden Euro herab. Schuld daran ist die Gesetzeslage in Deutschland. Frankreich hat bereits eine Lösung gefunden.

          Für Anleihen der Deutschen Bank im Volumen von 58 Milliarden Euro ist der „Ramschbereich“ bedrohlich nahe gerückt. Mit dem wenig schmeichelhaften Begriff werden am Anleihemarkt die Schuldtitel bezeichnet, die Ratingagenturen nicht mehr als investitionswürdig bewerten. Für die betroffenen Anleihen der Deutschen Bank verleihen die Bonitätsprüfer von Standard&Poor’s (S&P) diesen Status gerade noch: Als Investment Grade, also investitionswürdig, gelten Anleihen oder Emittenten, die von S&P mindestens mit „BBB–“ bewertet werden. Auf dieses Niveau hat die Ratingagentur die klassischen Anleihen der Deutschen Bank („erstrangig unbesichert“) herabgestuft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch vergleichbare Titel der Commerzbank (rund 15 Milliarden Euro), des HRE-Nachfolgers Pfandbriefbank oder der Hypo-Vereinsbank (Unicredit) wurden schlechter bewertet. Die Herabstufung der erstrangigen Anleihen war in der S&P-Mitteilung untergegangen, weil gleichzeitig die Emittentenratings angehoben wurden. So verbesserte sich die Deutsche Bank und die Commerzbank jeweils von „BBB+“ auf „A–“.

          Verlustpuffer sorgt für höhere Kreditwürdigkeit

          Die höhere Kreditwürdigkeit begründete die Ratingagentur mit dem seit Jahresanfang in Kraft getretenen Abwicklungsmechanismusgesetz, mit dem sich der Verlustpuffer deutscher Banken deutlich erhöht, womit die Gläubiger besser geschützt wären. Doch dieser Verlustpuffer steigt deshalb, weil im Abwicklungsfall die erstrangigen Anleihen der Institute haften müssen. Damit erhöht sich gleichzeitig das Risiko dieser Titel für Investoren, die sie gekauft haben. Deshalb haben alle Ratingagenturen diese Anleihen herabgestuft.

          Mit diesem Gesetz setzt Deutschland die EU-Abwicklungsrichtlinie um, mit der sichergestellt werden soll, dass künftig kein Steuerzahler mehr für eine Bankenschieflage haften muss. Dieses Prinzip wird schon mit der staatlichen Rettung italienischer Krisenbanken wie zum Beispiel Monte dei Paschi in Frage gestellt.

          Aber auch nach den Vorgaben der internationalen Finanzaufseher der 20 wichtigsten Wirtschaftsländer, des Finanzstabilitätsrates (FSB), sollen systemrelevante Banken künftig einen ausreichend hohen Verlustpuffer (bail in) aufweisen. Nach den EU-Regeln für die Bankenabwicklung müssen zunächst die Eigentümer (Aktien und Rücklagen), Anleihegläubiger und Kundeneinlagen über der gesetzlichen Sicherungsgrenze von 100000 Euro die Verluste in 8 Prozent der Bilanzsumme abdecken. Danach kann der von den Banken gespeiste Abwicklungsfonds herangezogen werden.

          Investoren werden zum Verkauf gezwungen

          Damit die deutschen Banken den erforderlichen Verlustpuffer schnell aufweisen können, wurden die erstrangigen Anleihen durch das Gesetz schlechtergestellt. Ansonsten hätte die Deutsche Bank neue Anleihen mit höherem Risikoprofil von 23 Milliarden Euro begeben müssen, was angesichts der Befürchtungen hoher Strafzahlungen im vergangenen Jahr unmöglich gewesen wäre. Am Markt wird das deutsche Abwicklungsgesetz auch als „Lex Deutsche Bank“ bezeichnet.

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