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Rückkehr an Kapitalmarkt : Irland feiert Erfolg mit einer neuen zehnjährigen Anleihe

  • -Aktualisiert am

Im Aufwind: Irlands Nationalflagge Bild: Roger Hagmann

Gute Nachrichten für Irland: Bei der Rückkehr der zehnjährigen Staatsanleihen auf den Kapitalmarkt ist die Nachfrage hoch. Auf dem Weg zur eigenständigen Finanzierung ist der Erfolg ein Meilenstein.

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          Irland hat am Mittwoch das erste Mal seit drei Jahren wieder eine zehnjährige Anleihe begeben. Dublin hat dabei die Kapitalmärkte sowohl mit dem Umfang als auch mit der günstigen Rendite der Anleihe überrascht. Für die Inselrepublik war die Emission ein Meilenstein auf dem Weg, sich bis Ende des Jahres eigenständig an den Kapitalmärkten finanzieren zu können.

          Die Nachfrage nach den Anleihen lag am Mittwoch mit mehr als 12 Milliarden Euro weit über den 5 Milliarden Euro, die Dublin am Markt aufnahm. Der Umfang der Emission war fast doppelt so groß, wie von Investoren erwartet worden war. Die neue Anleihe rentierte am Mittwoch bei etwa 4,15 Prozent und damit unter vergleichbaren Staatsanleihen von Italien und Spanien. Auf dem Höhepunkt der Irland-Krise im Sommer 2011 hatte die Rendite langlaufender irischer Anleihen zwischen 14 und 16 Prozent gelegen und die von zweijährigen Papieren bei 21 Prozent.

          Erfolg ist wichtig für Ende des Rettungsprogramms

          Angesichts der politischen Querelen musste Italien bei seiner Emission von 3,3 Milliarden Euro dreijährigen Papieren mit 2,48 Prozent wieder eine höhere Rendite bieten als noch im Februar. Spanien hat Emissionen für den heutigen Donnerstag angekündigt. Irland hat mit seiner Emission am Mittwoch den Großteil seiner langfristigen Finanzierung am Kapitalmarkt für dieses Jahr gestemmt. Im Januar hatte Dublin bereits eine fünfjährige Anleihe von 2,5 Milliarden Euro emittiert. Der Finanzierungsbedarf, den Irland dieses Jahr decken sollte, liegt insgesamt bei etwa 10 Milliarden Euro.

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          Der Erfolg der Emissionen ist eine wichtige Voraussetzung für Irland, um aus dem Rettungsprogramm ausscheiden zu können. Der nächste Schritt für Irland wären regelmäßige, monatliche Kapitalaufnahmen am Markt. Dies wäre dann eine Voraussetzung, um die Bedingungen im Rahmen einer vorsorglichen Finanzierungszusage im Rahmen des OMT-Programms der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erhalten. Die von der Troika vorgeschriebenen Ziele der Haushaltssanierung und Reformen hat Dublin alle eingehalten. Marktbeobachter wie die Konsortialbank Barclays, die an der irischen Emission am Mittwoch beteiligt war, erwarten, dass Irland nach Ende des Rettungsprogramms eine vorsorgliche Hilfszusage im Rahmen des OMT-Programms beantragen werde. Irland würde sich dann der weiteren Beobachtung der Troika stellen, hätte im Notfall aber die Rückendeckung der EZB, wenn es den Übergang vom Programmland zur Unabhängigkeit meistern muss.

          Möglicherweise mehr Zeit für Rückzahlung

          Es wird erwartet, dass die Ratingagenturen auf die Emission am Mittwoch positiv reagieren werden. Standard & Poor’s setzte Irlands Ausblick im Februar bereits von negativ auf positiv hoch. Moody’s hat noch einen negativen Ausblick und irische Anleihen in die höchste Kategorie von „Ramschanleihen“ eingestuft.

          Irland war als relativ kleiner Staat vom Zusammenbruch seiner überproportional großen Banken überwältigt worden, als diese nach dem Platzen der Immobilienblase zusammenbrachen. Dublin pumpte Kapital in Höhe von 40 Prozent seines Bruttoinlandproduktes in die irischen Banken, vor allem in die frühere Anglo Irish Bank. Daraufhin entzogen die Investoren dem hochverschuldeten Land auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise ihr Vertrauen und erzwangen so Ende 2010 eine Rettung Irlands mit einem Hilfspaket von 85 Milliarden Euro.

          Dublin darf Schuldscheine in Anleihen tauschen

          Irland hatte bei der „Rettung“ von Anglo Irish auf Anraten einiger Regierungen und der Europäischen Zentralbank darauf verzichtet, die Anleihegläubiger und Einleger von Anglo Irish mithaften zu lassen, um die Liquiditätskrise in der Bankenbranche nicht weiter eskalieren zu lassen. Deshalb wurde Dublin jetzt im Februar zugestanden, die für die Bankenrettung ausgegebenen Schuldscheine von 25 Milliarden Euro in langfristige Anleihen zu tauschen. Auch wurde Dublin mittlerweile in Aussicht gestellt, möglicherweise mehr Zeit für die Rückzahlung von Verbindlichkeiten aus dem Rettungspaket zu erhalten.

          Die Durchschnittsrendite irischer Staatsschuldverschreibungen liegt derzeit bei knapp 4 Prozent mit einer durchschnittlichen Laufzeit nach dem Schuldscheintausch von gut 10 Jahren. In diesem und im kommenden Jahr wird die Schuldenquote bis auf letztlich 122,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes steigen und dann sinken.

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