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Rosenthal-Verkauf : Mehr Hoffnung für Waterford?

  • Aktualisiert am

Auch Weihnachten konnte Waterford Wedgwood zuletzt nicht helfen Bild: AP

Es kommt nicht unerwartet, aber jetzt steht es fest. Der angeschlagene Luxusgüterkonzern Waterford Wedgwood will sich durch den Verkauf seiner deutschen Tochter Rosenthal Luft verschaffen. Doch eine Wende erfordert mehr.

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          Der angeschlagene irische Kristall- und Porzellanhersteller Waterford Wedgwood greift in seinem Ringen, über Wasser zu bleiben, nach dem Äußersten. Nunmehr will man sich von dem 1997 übernommenen deutsche Porzellan-Hersteller Rosenthal trennen (Möglicher Verkauf lässt Rosenthal-Aktie springen). Der irische Luxusgüterkonzern hat demnach bereits die Investmentbanken JP Morgan und Cazenove mit der strategischen Beratung und Käufersuche beauftragt.

          Dem Beschluss seien mehrere unaufgeforderte Kaufgesuche aus der Porzellanindustrie vorausgegangen, berichtet die irische Zeitung „Sunday Business Post“. In Branchenkreisen wird der mögliche Verkaufserlös auf 150 bis 200 Millionen Euro geschätzt.

          Luxusgüter aus knappen Kassen

          Der Kurs der mit 9,875 Prozent verzinsten Anleihe von Waterford Wedgwood machte Montag einen Satz um 25 Prozent auf 34,75 Euro je 100 Euro Nominale. Ende 2007 waren noch über 90 Prozent des Nominalwerts bezahlt worden, bis sich herauskristallisierte, dass die schweren Probleme des Luxusgüterkonzerns nicht geringer geworden waren.

          Nachdem zum Halbjahr der Fehlbetrag gegenüber der Vorjahresperiode drastisch um 170 Prozent auf 56,7 Millionen Euro gestiegen und die Umsätze um weitere zehn Prozent auf nur noch 317,4 Millionen Euro gefallen waren, wurde deutlich dass der massive Arbeitsplatzabbau weiter gehen würde. Schon im Weihnachtsgeschäft hatten Liquiditätsengpässe die die Produktion und den Vertrieb gehemmt. Im Februar kündigte das Unternehmen für das Gesamtjahr einen Umsatzrückgang um 4 Prozent auf 700 Millionen Euro an.

          Irische Regierung lehnt Hilfsaktion ab

          Im April trat der Vorstandsvorsitzende Peter Cameron zurück . Das Unternehmen bemühte sich um staatliche Garantien für einen Kredit über 39 Millionen Euro bemüht, mit dem man die traditionsreiche Kristallsparte retten möchte, auch wenn diese in Irland in der Hauptsache noch ein touristische Attraktion darstellt. Doch die irische Regierung lehnte das Ansinnen ab, auch wenn es das Unternehmen, das seine Kreditlinien ausgeschöpft hatte, in eine akute Krise brachte.

          Kritisiert werden vor allem die schuldenfinanzierte Zukäufe, wie eben von Rosenthal, für die die Großaktionäre, Verwaltungsratschef Tony O'Reilly, einer der reichsten Männer des Landes verantwortlich gemacht wird.

          Der Rosenthal-Verkauf wird aber Waterford Wedgwood nicht alleine retten. Das Unternehmen hat große Probleme auch mit den Porzellan- und Keramikmarken Royal Doulton und Wedgwood sowie der Kristallsparte Waterford, die veränderte Konsumgewohnheiten belasten. Jüngere Kunden wollen vorwiegend spülmaschinenfestes Geschirr - da haben Luxusporzellan und -kristall keine Chance.

          Rosenthal scheint weder das Problem noch die Lösung sein

          Zwar geht es auch Rosenthal so gut nicht. Der Sanierungs- und Umstrukturierungsprozess zieht sich seit Jahrzehnten hin. In dem am 31. März 2007 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2007 sank der Konzernumsatz um acht Prozent auf 170,1 Millionen Euro bei einem Überschuss von gerade einmal 600.000 Euro.

          Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008 hat das traditionsreiche Unternehmen mit Sitz in Selb in Nordbayern noch keine Detailzahlen vorgelegt. Vorstandschef Ottmar Küsel hatte vor dem Hintergrund weiterer kostenträchtiger Sanierungsschritte Mitte Februar einen Verlust in Aussicht gestellt.

          Doch ist es Waterfords Keramiksparte, zu der auch Rosenthal gehört, die insgesamt der Hauptverlustbringer ist. Waterford Wedgwood wies dafür im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 18 Millionen Euro aus, Rosenthal im gleichen Zeitraum einen Betriebsgewinn von 4,9 Millionen Euro. Demnach wäre Rosenthal nicht das größte Problem des Konzerns.

          Aussichten sind weiter unsicher

          Allein die Bankschulden von Waterford Wedgwood werden von der „Sunday Business Post“ mit Bilanzstichtag September auf 470 Millionen Euro beziffert. Im April hatten Standard & Poor'Äs das Anleihe-Rating von „CCC-“ auf „CC“ gesenkt, Moody's vergibt weiterhin ein etwas besseres „Caa2“. Insofern bringt die Anleihe nicht von ungefähr immer noch eine Rendite von rund 75 Prozent, gleichwohl diese vor zwei Wochen noch bei rund 126 Prozent gelegen hat.

          Es gibt immer noch Hoffnung, dass das Unternehmen im Jahr 2010 in der Lage sein wird, die 166 Millionen Euro schwere Anleihe zu tilgen. Sie sind mit dem Rosenthal-Verkauf möglicherweise etwas größer geworden. Doch ein Anzeichen dafür, dass die weiteren Aussichten immer noch als unsicher gelten, wie es Philip O'Sullivan, Analyste bei Goodbody Stockbrokers im Februar formulierte, liefert der Aktienkurs. In Deutschland notiert dieser unverändert, in Irland stieg er zwar um mehr als 21 Prozent. Doch haftet einem Kursanstieg von 0,7 auf 0,85 Cent (!) nicht nur etwas Zufälliges an, auch die Bewertung des Unternehmens hat sich dadurch nur um knapp anderthalb Millionen Euro erhöht.

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