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Rezession und Bankenkrise : Slowenien bekommt kein Geld mehr

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Die politische Krise in Slowenien eskaliert. Bild: AFP

Slowenien konnte bei einer Auktion am Mittwoch nicht so viele Staatsanleihen plazieren wie geplant. Zum nächsten Euro-Rettungsfall will Slowenien aber nicht werden.

          Slowenien will nicht das nächste Mitglied der Euroraum werden, das ein Rettungspaket beantragen muss. Das bekräftigte die Regierung am Dienstag, nachdem das Land bei einer Auktion von Geldmarktpapieren das angestrebte Plazierungsvolumen verfehlte und die Renditen daraufhin stiegen. Die Regierung wolle „alles in ihrer Macht stehende” tun, um sicherzustellen, dass keine internationalen Hilfen erforderlich werden, sagte Ministerpräsidentin Alenka Bratusek nach Gesprächen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in Brüssel.

          Slowenien kämpft gegen eine sich verschärfende Bankenkrise. Infolge der zweiten Rezession innerhalb von vier Jahren schwellen die notleidenden Kredite bei staatlichen Kreditinstituten wie Nova Ljubljanska Banka d.d. an. Bratusek will einen Rekapitalisierungsplan im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro vorantreiben, wie sie am Dienstag bestätigte. Zugleich sollen die Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung vorangetrieben werden.

          Slowenische Staatsanleihen unter Druck

          Das wirtschaftlich angeschlagene Slowenien bleibt im Blick internationaler Investoren. Staatsanleihen des kleinen Eurolandes stehen nach wie vor unter Druck, die Prämien für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) halten sich in der Nähe ihrer kürzlich erreichten Höchststände. Slowenien wird nach Zypern als nächster Kandidat für Finanzhilfen seiner europäischen Partnerstaaten gehandelt. Das Land leidet ähnlich wie Spanien unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase, die Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen ist gering. Die OECD erwartet, dass Sloweniens Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,1 Prozent schrumpfen soll. Zugleich sagt sie dem Land eine rasant steigende Staatsverschuldung voraus. Die Schuldenstandsquote dürfte von 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2025 auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen, sollte sich die Regierung nicht zu neuen Reformen durchringen.

          Am Mittwoch rentierten slowenische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren knapp unter 6 Prozent. Das ist nur etwas weniger als das Ende März erreichte Rekordhoch von 6,31 Prozent. Eine Ausfallversicherung für fünfjährige slowenische Anleihen kostet derzeit gut 360 Basispunkte oder 3,6 Prozentpunkte des versicherten Werts. Ende März war ein Rekord von 422 Basispunkten erreicht worden. Im Hoch musste also für eine Staatsanleihe mit Nennwert von 10.000 Euro eine jährliche Prämie von 422 Euro gezahlt werden, um sich gegen einen Zahlungsausfall zu schützen. Der Vergleichswert für deutsche Anleihen liegt bei 35 Basispunkten, also einem Zehntel des slowenischen Werts.

          Zehnjährige deutsche Bundesanleihen, die aufgrund ihrer hohen Sicherheit als Gradmesser gelten, rentieren derzeit mit 1,29 Prozent. Der Risikoaufschlag, den Anleger beim Kauf slowenischer Papiere verlangen, liegt also bei rund 5 Prozentpunkten oder etwas mehr als 500 Basispunkten. Die Aufschläge für italienische oder spanische Schuldtitel liegen niedriger, die Aufschläge für portugiesische Papiere jedoch höher als in Slowenien. Bei den CDS-Prämien liegt Slowenien im Euroraum hinter Zypern und Portugal an dritter Stelle.

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