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Rettungspaket für Griechenland : Verhaltener Optimismus an den Anleihemärkten

  • -Aktualisiert am

Griechenland will den Euro behalten Bild: dapd

Viele Investoren sind über die Einigung mit Griechenland erleichtert. Obwohl Angst bleibt, entspannt sich die Lage bei Süd-Anleihen.

          3 Min.

          Mit verhaltenem Optimismus haben die Finanzmärkte auf die Freigabe des zweiten Rettungspaketes für Griechenland und die endgültige Einigung auf die Beteiligung der privaten Gläubiger an der faktischen Umschuldung reagiert. Marktteilnehmer äußerten Erleichterung darüber, dass die bisher weltgrößte Umschuldung zumindest vorläufig einem Zahlungsausfall Griechenlands vorbeugen werde.

          Viel Kritik übten Marktteilnehmer an den drakonischen volkswirtschaftlichen Belastungen, denen Athen ausgesetzt ist. „Die Gefahr ist hoch, dass sich Griechenland in eine Depression spart, dann doch in Zahlungsverzug gerät und die Währungsunion verlassen muss“, warnte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Christian Schulz. „Würde man das Gewicht des Programms von Sparmaßnahmen auf die Stützung des Wirtschaftswachstums verlagern, wäre das Programm höchstwahrscheinlich erfolgreicher.“

          Keine überschwänglichen Reaktionen

          Die Société Générale fürchtet, dass Griechenland in einem Teufelskreislauf gefangen sei: „Wir glauben, dass auch dieses Hilfspaket die Schulden Griechenlands nicht auf ein tragbares Maß reduzieren wird.“ Die Volkswirte von Barclays Capital rechnen vor, dass die Schuldenquote im Jahr 2020 bei mangelnder Umsetzung der Reformen in Athen nur auf 160 Prozent des Bruttoinlandproduktes sinken werde. „Es ist kaum vorstellbar, dass Griechenland wie vorgesehen im Jahr 2015 an die Kapitalmärkte zurückkehren wird. Für künftige Investoren ist der Anleihewert, den sie im Notfall von Athen zurückgezahlt bekommen, zu niedrig - es sind so viele vorrangige Gläubiger involviert.“ Auch die Deutsche Bank warnt, dass der Anleihetausch eine neue Klasse vorrangiger Schuldner schaffe. Gerade dies aber werde künftige Investoren vom griechischen Anleihemarkt fernhalten, wenn Athen wieder an den Kapitalmarkt zurückkehren wolle.

          Unterdessen forderte der Gläubigerausschuss der Privatinvestoren die Anleger auf, die Umtauschbedingungen der griechischen Anleihen genau zu studieren. Die privaten Gläubiger sollen auf 53,5 Prozent des Nominalwertes ihrer Griechenlandanleihen verzichten. Für 31,5 Prozent werden sie 20 Prozent neue, nach englischem Recht emittierte Griechenland-Anleihen mit Laufzeiten von 11 bis 30 Jahren erhalten und für die restlichen 15 Prozent ihres Geldes kurzlaufende Papiere der EFSF. Der durchschnittliche Zins der gestaffelten Kuponzahlungen für die neuen Anleihen wird 2,63 Prozent für die ersten acht Jahre Laufzeit betragen und 3,65 Prozent für die Laufzeit von 30 Jahren.

          Zu niedrige Renditen

          An den Finanzmärkten zeigten sich keine überschwänglichen Reaktionen auf die Freigabe des Rettungspakets. Die Risikoprämien italienischer und spanischer Staatsanleihen gaben zwar weiter nach, und der Wechselkurs des Euro kletterte leicht auf 1,321 Dollar. Aber die Aktienmärkte legten nach der Rally der vergangenen Wochen eine Verschnaufpause ein.

          Dennoch: Die Emission von 2,5 Milliarden Euro spanischer Schatzwechsel und eine Emission von Schatzwechseln der EFSF von 1,99 Milliarden Euro verliefen reibungslos. Die Rendite von Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit sank für italienische Papiere auf 5,4 Prozent und für spanische Papiere auf 5 Prozent.

          „Wir sehen eine Entspannung bei Staatsanleihen aus der Europeripherie“, sagt Frank Hagenstein, Leiter des Rentenfondsmanagements der Deka (siehe Interview). Stefan Kreuzkamp, Leiter des Rentenfondsmanagements der DWS, ergänzt, dass diese schon vor gut sechs bis acht Wochen eingesetzt hätte und nicht nur Italien, sondern auch Spanien und Portugal erfasste. „Wir haben unsere Engagements in südeuropäischen Staatsanleihen schon vor dem Jahreswechsel erhöht“, sagt Kreuzkamp. „Das hat uns bislang einen Wertzuwachs von zirka 4 Prozent gebracht.“ Die große Frage sei, ob die Rally nun vorbei ist. „Ich denke, dass kein Investor zurzeit an Spanien und Italien vorbeikommt“, sagt Kreuzkamp. „In einem Euro-Anleiheportfolio jedenfalls gibt es aktuell keine Alternative zu diesen beiden Ländern.“ Dazu seien die Renditen, die sich mit Bundesanleihen erzielen ließen, zu niedrig.

          „Ja, es gibt Risiken bei südeuropäischen Staatsanleihen“, räumt Kreuzkamp ein. „Aber ich denke, es ist riskanter oder kostspieliger, nicht dabei zu sein.“ Beim nächsten Drei-Jahres-Tender der EZB Ende Februar würden sich die Banken wohl noch stärker eindecken als beim ersten Mal. Aber sie würden zugleich stärker aus liquiden Märkten in illiquidere Anlageklassen gehen, zumindest für 3 Jahre. „Die Rally bei südeuropäischen Staatsanleihen ebbt in den nächsten Wochen vielleicht ab“, meint Kreuzkamp. „Aber im Gegenzug könnten die illiquiden Marktsegmente wieder belebt werden.“

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