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Rentenmarkt : Was bedeutet das Rekordtief bei den zweijährigen US-Renditen?

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Noch nie gab es weniger Prozente für zweijährige US-Staatstitel Bild: dpa

Vergangene Woche lagen die zweijährigen Renditen in den USA auf einem Rekordtief. Welche Signale gehen davon aus?

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          Mit dem überraschend gut ausgefallenen NAPM-Einkaufsmanager-Index in den USA ist es mit der Rally am amerikanischen Rentenmarkt erst einmal vorbei. In einer ersten Reaktion brechen die US-Treasuries so stark ein wie seit einem Monat nicht mehr.

          Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass dabei gerade die kurzlaufenden Papiere besonders stark unter Druck stehen. Sprechen doch gute Konjunkturdaten eher dafür, auf den Bereich kürzerer Laufzeiten zu setzen.

          Rendite zweijähriger US-Titel in der vergangenen Woche auf Rekordtief

          Dennoch haben unter eher düsteren Konjunkturaussichten in der vergangenen Woche gerade die zweijährigen Staatstitel haussiert, was die Rendite am vergangenen Donnerstag auf ein Rekordtief von 3,59 Prozent fallen ließ. Das war der tiefste Stand seit 1972, als diese Papiere erstmals ausgegeben wurden. Wie ist dieses Rekordtief zu erklären? Und welche Signale gehen davon aus?

          „Die Rally zweijähriger Anleihen hängt sehr stark mit der amerikanischen Geldpolitik zusammen“, erklärt Annette Pacl-Schneeweis von der BHF-Bank. „Mit 3,5 Prozent ist die Fed Funds Rate schon nahe dem Tief von drei Prozent, das Ende 1992 erreicht wurde.“

          Die Fed Funds Rate, der Zielzins der amerikanischen Notenbank für Tagesgeld zwischen Banken, ist bereits um 300 Basispunkte auf 3,5 Prozent gesenkt worden, die aggressivste Senkung seit 1982. „Durch die Zinssenkungspolitik der Fed ist die Renditestrukturkurve in den USA schon relativ steil geworden“, erläutert die Volkswirtin.

          Steile Renditestrukturkurve in den USA

          „Das ist genau das, was die Fed beabsichtigt hatte“, ergänzt Barbara Lambrecht, Volkswirtin bei der Commerzbank. „Die niedrigen Zinsen am kurzen Ende lassen hoffen, dass die Geldpolitik Wirkung auf die Konjunktur zeigt.“

          Ein wenig kompliziert ist es schon: Insgesamt deutet eine steile Renditekurve ja darauf hin, dass der Markt eine Konjunkturbelebung erwartet: Eine anspringende Konjunktur sorgt tendenziell wieder für steigende Zinsen, also positionieren sich die Investoren in den kürzeren Laufzeiten, wo die Kursverluste überschaubar sind, wenn die Zinsen tatsächlich wieder steigen.

          Aktueller Grund für kurzfristiges Renditetief: Spekulation auf weitere Zinssenkung

          Die jüngste Spekulation in den Kurzläufern aber, die den selben Effekt hat, nämlich sinkende kurzfristige Renditen, ist weniger von der längerfristigen Erwartung geprägt, sondern eher von der aktuellen Geldpolitik: So kommt es, dass gerade schwächere Konjunkturdaten die Kurse auch am kurzen Ende stützen, weil die Investoren weitere Zinsschritte von der Notenbank erwarten, die über den geldpolitischen Transmissionsmechanismus auch auf den Kapitalmarkt wirken.

          Mit aktuell 3,72 Prozent hat sich die zweijährige Rendite schon wieder weit von ihrem Rekordtief entfernt. Doch die Spekulation auf einen weiteren Zinsschritt der Fed ist noch lange nicht aus dem Markt. Damit sind neue Rekordtiefs weiter drin.

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