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Rentenmarkt : Unsicherheit über künftige Regierung dürfte Anleihen eher nützen

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Der Ausgang der Bundestagswahl gilt als Belastung für den Aktienmarkt. Für Anleihen sehen Strategen dagegen die Unsicherheit über die künftige Bundesregierung als tendenziell günstig an. Viel bewegen dürfte sich aber nicht, heißt es.

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          Im außerbörslichen Handel sind Aktienkurse am Sonntag auf breiter Front unter Druck geraten. Und am Montag ist es vorbörslich weiter abwärts gegangen. Denn: Statt Klarheit über die künftige Bundesregierung zu schaffen, haben die Wähler für Unsicherheit gesorgt. Weder kann Rot-Grün weiterregieren, noch reicht es für Schwarz-Gelb. Und die FDP will für eine klassische Ampelkoalition - Rot-Gelb-Grün - nicht zur Verfügung stehen.

          Auch für Anleihen dürfte dieser Befund von Nachteil sein, meint Heino Ruland, Anlagestratege beim Bankhaus Steubing. Begründung: Die Aussichten auf notwendige Schritte zur Haushaltskonsolidierung, also ein absehbares Ende der Schuldenpolitik und verstärktes Sparen, seien nun schlechter geworden.

          Rentenexperten anderer Banken teilen diese Einschätzung indes nicht. Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt sagte am Montag nach der Bundestagswahl zu FAZ.NET, die verstärkte Verunsicherung dürfte dem Anleihemarkt nicht schaden. Denn nun stelle sich die Frage, ob sich Unternehmen nicht mit Investitionen zurückhalten könnten und Verbraucher weiter ihre Euro und Cent zusammenhalten werden. Dagegen verblasse der Argwohn, die Etatkonsolidierung könnte nun auf die lange Bank geschoben werden.

          „Rentenmarkt wird die Ungewißheit respektieren“

          Ähnlich wird bei der DZ Bank argumentiert. Angesichts des Wahlausgangs sei sowohl eine Große Koalition als auch ein Bündnis von SPD, Grünen und Linkspartei denkbar - letzteres allen Beteuerungen von Kanzler Schröder und SPD-Chef Müntefering zum Trotz. Ein wochenlanges Poker-Spiel sei zu erwarten. „Der Rentenmarkt wird die Ungewißheit wie in den vergangenen Wochen und Monaten respektieren. Es wird sich aber nach oben oder nach unten nicht viel tun“, sagte ein DZ-Analyst zu FAZ.NET. Auch aus seiner Sicht stehe die Frage der Haushaltskonsolidierung derzeit nicht im Vordergrund.

          Im übrigen schaut das Frankfurter Institut schon wieder über den großen Teich und weist darauf hin, was die Rentenmärkte mehr bewegt als die Frage, wer Deutschland künftig regieren wird. Vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank am Dienstag „sind wohl vorsichtige Positionierungen zu erwarten“.

          Bund-Future klettert nach Wahlausgang

          Im frühen Handel bestätigt der Rentenmarkt die Stimmen derjenigen, die den Wahlausgang als Anlaß interpretieren, viele Anleger dürften sich „zunächst am sicheren Anleihemarkt engagieren“, wie es bei Dow Jones-vwd heißt. Der für den deutschen Markt wegweisende, auf langlaufende Bundesanleihe gemünzte Terminkontrakt Bund-Future verbessert sich um 18 Basispunkte auf 122,92 Prozent. Nun halten technisch orientierte Anleger wieder Kurse über 123 Prozent für möglich.

          Vor diesem Hintergrund dürfte es ratsam sein, Anleihen bis auf weiteres die Treue zu halten. Zumal die Kerninflationsrate in Euroland im August bei 1,3 Prozent stabil geblieben ist, „weiterhin keine Anzeichen für Inflationsgefahren bestehen“, wie die Dekabank-Volkswirte meinen, und insofern kein Druck auf die Europäische Zentralbank besteht, die Leitzinsen zu erhöhen.

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