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Rentenmarkt : Schwellenländeranleihen so teuer wie nie

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Risikoprämien für Anleihen aus Schwellenländern haben ein Rekordtief erreicht. Für die Optimisten ist der Schuldenabbau in den Staatshaushalten ein Investitionsargument.

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          Anleihen aus Schwellenländern waren noch nie so kostspielig wie heute. Die gute Nachricht daran ist, daß risikofreudige Investoren mit dieser Anlageklasse, in Euro gerechnet, in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 13 Prozent Ertrag aus Zinsen und Kursgewinnen erzielt haben. Dadurch sind die Risikoprämien für Staatstitel aus Ländern wie Brasilien, Rußland oder Türkei aber zugleich auf ein Rekordtief gefallen.

          Käufer von Dollar-Anleihen aus Schwellenländern müssen derzeit mit einer Rendite rechnen, die im Durchschnitt nur noch knapp drei Prozentpunkte über der von Anleihen der Vereinigten Staaten liegt. Vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei zehn Prozentpunkten. Bei Euro-Anleihen sind die Renditeaufschläge mit durchschnittlich knapp einem Prozentpunkt noch bescheidener, allerdings bei einer günstigeren Risikostruktur.

          Wirtschaftliche Entwicklung macht sorglos

          Die Sorglosigkeit vieler Anleger, die sich ihr Risiko mit so geringen Zusatzerträgen bezahlen lassen, resultiert aus der glänzenden wirtschaftlichen Entwicklung vieler Schwellenländer. Die Wirtschaftsleistung der Länder Lateinamerikas ist im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent gewachsen. In Osteuropa, Südafrika und der Türkei waren es nach Daten der WestLB 6,9 Prozent.

          Für 2005 und 2006 wird mit einer nur geringen Verlangsamung des Tempos auf vier beziehungsweise fünf Prozent gerechnet. Dazu haben die meisten Schwellenländer die hohen Preise für Öl und andere Rohstoffe genutzt, um ihre Schulden abzubauen. In Lateinamerika ist die durchschnittliche Staatsverschuldung auf Dollarbasis binnen Jahresfrist von 45 auf rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung gefallen. Analysten loben die sozialen Reformen zum Beispiel in Brasilien und der Türkei, die die Staatshaushalte entlasten.

          "Das Glas ist also halb voll", urteilen Analysten der Investmentbank Lehman. Die politischen Krisen Brasiliens und der Philippinen hätten die Märkte kaum beeinträchtigt. Selbst die Terrorangriffe auf London hätten nur kurzfristig belastet. Die Kursrally könne also noch einige Wochen fortdauern. Obwohl nach wie vor die Gefahr bestehe, daß die Rohstoffpreise nachgeben und die amerikanischen Zinsen steigen, seien die Schwellenländer für die kommenden Quartale gut gewappnet, fügt Larry Brainard, Analyst der WestLB, hinzu.

          Risiken werden verdrängt

          Die DZ Bank hält weiterhin an ihrer Empfehlung fest, Schwellenländer in einem Anleiheportfolio überzugewichten. "Sie sind zwar sehr teuer für das, was sie bieten", sagt Thomas Meißner, Rentenexperte der DZ Bank. "Aber der Markt lebt derzeit vom positiven Trend und kann noch weiter laufen." Skeptischer ist die Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg. "Wir raten vom Kauf ab", sagt Van Luu, Analyst bei der Stuttgarter Bank. Die Fundamentaldaten seien für die Schwellenländer zwar glänzend. Aber die Preise seien dennoch zu hoch und die Risikoprämien deshalb zu niedrig, was auch für andere Anleiheklassen gelte, wie zum Beispiel für riskante Unternehmensanleihen.

          Treibender Faktor seien die niedrigen Renditen für sichere Staatsanleihen. Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bieten derzeit nur noch 3,3 Prozent. Der Zwang vieler institutioneller Anleger, zusätzliche Erträge zu finden, führe zu einer hohen Nachfrage nach Anleihen der Schwellenländer. Die Risiken würden dabei in vielen Fällen verdrängt oder unterschätzt.

          Diese Einschätzung wird bestätigt durch den Zufluß zu Investmentfonds, die auf Schwellenländer spezialisiert werden. Solche Fonds haben seit Jahresbeginn netto 3,8 Milliarden Dollar erhalten. Es stehe zwar kein Zahlungsausfall vor der Tür, sagt Luu. Aber man könne ihn für die kommenden Jahre auch nicht ausschließen.

          Einer der Wackelkandidaten ist nach Einschätzung der LBBW Ekuador. Das Land exportiere zwar Rohöl und profitiere von den hohen Preisen. Aber die Devisenreserven von rund 1,6 Milliarden Dollar seien bei Verbindlichkeiten von 15 Milliarden Dollar in Fremdwährungen zu dünn. Das sei ein Grund dafür gewesen, daß die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnote Ekuadors von "B-" auf das sehr niedrige Niveau "CCC+" herabgestuft hat.

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