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Rentenmarkt : Schwache Aktien, nicht Trichet helfen dem Rentenmarkt

  • Aktualisiert am

Nur begrenzt hilfreich: EZB-Präsident Trichet Bild: dpa

Mit Spannung erwartet wurde die Pressekonferenz der EZB nach der Leitzinserhöhung. Doch viel kam für den Rentenmarkt dabei nicht herum. Und so bleibt wohl eher alles beim alten. Mehr Hoffnung macht da eher ein kriselnder Aktienmarkt.

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          Ist es nicht schön, wenn alles so kommt wie erwartet? Dann gibt es auch keinen Grund, warum sich auch anderswo irgendetwas ändern sollte. Das erscheint zumindest im Großen und Ganzen die Reaktion auf die aktuelle Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank zu sein.

          Während sich der Aktienmarkt nicht wesentlich von seinem Abwärtstrend abbringen ließ, zuckte der Anleihenmarkt kurz nach unten, entscheid sich dann aber die Dinge positiv zu sehen. Indes ist nicht nur die Anhebung der Leitzinsen auf vier Prozent bereits im vergangenen Jahr für diesen Zeitpunkt erwartet worden, auch die Aussagen des Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet scheinen für jeden genau das zu enthalten, was er hören wollte.

          Für jeden etwas

          So präsentierte sich Europa Spitzenbanker soweit restriktiv, dass er die Geldpolitik nach wie vor auf der „akkommodierenden Seite“ sieht. Mit Blick auf die Zukunft werde weiterhin „entschlossenes und rechtzeitiges Handeln zur Gewährleistung von Preisstabilität auf mittlere Sicht geboten“ sein. Die Entscheidung zur Zinserhöhung begründete der EZB- Präsident mit den anhaltenden Aufwärtsrisiken für die Preisentwicklung.

          Trichet verwies darauf, dass der Beschluss dazu beitragen werde, die mittel- bis längerfristigen Inflationserwartungen im Euroraum fest auf einem Niveau zu verankern, das mit Preisstabilität im Einklang stehe. Er betonte, dass der EZB-Rat „alle Entwicklungen sehr genau verfolgen“ werde, „damit die Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht nicht zum Tragen kommen“. Angesichts dieser Formulierung gilt eine weitere Zinserhöhung der EZB im September als sehr wahrscheinlich.

          Andererseits machte Trichet im Gegensatz zu den vergangenen Monaten in seinen „Einleitenden Bemerkungen“ keine Aussage darüber, ob die EZB-Leitzinsen noch „moderat“ seien. Zudem sagte der EZB-Präsident mit Blick auf die aktuelle Konjunkturentwicklung im Euroraum, dass das Wirtschaftswachstum gegenwärtig stärker als noch vor einiger Zeit erwartet sei. Die mittelfristigen Aussichten für die Konjunktur blieben günstig, die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum seien gegeben. Zudem seien die außenwirtschaftlichen Bedingungen günstig und stützten die Exporte weiterhin.

          Mehr Wachstum, mehr Inflation

          Vor diesem Hintergrund präsentierte der Notenbankpräsident neue Wachstumsprojektionen: Demnach wird für dieses Jahr nunmehr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen 2,3 und 2,9 Prozent, nach 2,1 bis 2,9 Prozent im März. Für 2008 projiziert der EZB-Stab allerdings nunmehr eine Wachstumserwartung von 1,8 bis 2,8 Prozent (März: 1,9 Prozent bis 2,9 Prozent). Das hören nun wiederum die Aktienmärkte gerne.

          Zur Preisentwicklung erklärte Trichet, dass die Jahresteuerungsraten in den kommenden Monaten zunächst etwas fallen, zu Jahresende aber wieder steigen dürften. Risiken gebe es vor allem im Zusammenhang mit der steigenden Kapazitätsauslastung der Wirtschaft, der Möglichkeit weiterer unerwarteter Ölpreisanstiege sowie „zusätzlicher Erhöhungen der administrierten Preise, die über das bislang erwartete Maß hinausgehen“. Zudem gingen von der aktuellen Lohnentwicklung Inflationsrisiken aus.

          Die Inflationsprojektionen des EZB-Stabs wurden vor diesem Hintergrund ebenso angehoben: Nunmehr wird für das laufende Jahr eine Preissteigerung auf Verbraucherebene zwischen 1,8 und 2,2 Prozent projiziert, verglichen mit 1,5 Prozent bis 2,1 Prozent im Rahmen der März-Projektionen. Für 2008 blieb die Projektionsspanne von 1, 4 Prozent bis 2,6 Prozent unverändert.

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