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Rentenmarkt : Kritischer Blick auf ungarische Anleihen

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Bild: FAZ.NET

Staatsanleihen in lokaler Währung haben es Fondsmangern derzeit angetan. Doch die Strategie lässt sich kaum kopieren - mangels Angebot, vor allem aber aufgrund der hohen Wechselkursrisiken. Sie zeigen sich am Beispiel von Ungarn.

          Rentenmarktanleger mit internationalem Fokus sind nach den vergangenen Wochen Kummer gewöhnt. Sorgen über Zahlungsausfälle haben vor allem bei Staatsanleihen der Mittelmeeranliegerstaaten geführt.

          Griechische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren hatten zwischenzeitlich bis zu 35 Prozent ihres Wertes verloren und die Rendite erreichte Spitzenwerte von bis zu 12,4 Prozent. Auch die Renditen spanischer, italienischer und spanischer Papiere zogen an, bevor ein Rettungsschirm Europas zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds im Gegenwert von 750 Milliarden Euro zumindest kurzfristig für etwas Beruhigung sorgte.

          Ungarischer Forint verzeichnet erratische Kursbewegungen

          Damit scheint es am Freitag allerdings schon wieder vorbei zu sein. Nachdem Der Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, in einem Interview Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands geäußert hatte, befinden sich die Kurse griechischer Anleihen, der Aktienbörsen und des Euro wieder in der Defensive. Die europäische Einheitswährung verzeichnete im Tagesverlauf gegen den amerikanischen Dollar Kurseinbußen von bis zu 1,2 Prozent.

          Noch schwächer zeigen sich die Währungen Ungarns und Polens. Sie verloren sogar gegen den schwächelnden Euro 1,5 und ein Prozent. Die ungarische Währung musste alleine in den vergangenen fünf Handelstagen Kursschwankungen von bis zu acht Prozent gegen den Euro hinnehmen, während sie gegen den Dollar in knapp zwei Wochen um knapp 14 Prozent abgewertet hat.

          Alleine das zeigt, wie riskant der Kauf von Auslandsanleihen sein kann, die in fremden Währungen begeben wurden und gehandelt werden. Denn ausgeprägte Währungsschwankungen dieser Art können einen scheinbar attraktiven Zinsvorteil in Form eines Kupon von 6,5 Prozent bei zehnjährigen Forint-Staatsanleihen leicht überkompensieren. Dazu kommen Kursrisiken. Nachdem die Papiere mit Kursgewinnen von bis zu 47 Prozent seit März auf laufende Zinssenkungen der Zentralbank auf zuletzt 5,25 Prozent reagiert hatten, nimmt das Rückschlagsrisiko nun zu.

          Kritischer Blick auf Forint- und Europapiere

          Selbst die Rendite der bis in den Februar 2020 laufenden Euro-Ungarnanleihe mit einem Kupon von 3 7/8 Prozent und einer Rendite von fünf Prozent ist relativ - selbst nachdem der Internationale Währungsfonds dem Land im vergangenen Jahr 20 Milliarden Euro im Rahmen eines Hilfspakets zur Verfügung gestellt hat.

          Denn der erste vor kurzem ins Amt gewählte und designierte Ministerpräsident Viktor Orban hatte versprochen für Wachstum zu sorgen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Während er die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds davon überzeugen möchte, im laufenden Jahr ein Budgetdefizit von bis zu sechs Prozent zuzulassen, erklärte die Zentralbank, sie sähe weiteren Spielraum für Zinssenkungen.

          Diese Kombination von Geld- und Fiskalpolitik wird vom Markt kritisch betrachtet, das sich an anderen Orten durch die Forderung nach Budgetdisziplin auszeichnet. Sie könnte im Rahmen andauernder Unsicherheiten sowohl den Kurs der Währung als auch die der Rentenpapiere belasten.

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