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Rentenmarkt : Investoren warnen vor einer Blase bei Junkbonds

  • Aktualisiert am

Bei Anleihen zählt nicht nur der Kupon Bild: @unit

Noch nie haben so viele Leute so viel Geld mit Hochzinsanleihen, so genannten Junkbonds, verdient. Genau das bereitet manchen Marktteilnehmern inzwischen Kopfschmerzen. Sie sehen klare Anzeichen für eine Blase.

          Noch nie haben so viele Leute so viel Geld mit Hochzinsanleihen, so genannten Junkbonds verdient. Genau das bereitet Dan Fuss, der den 10,7 Milliarden Dollar schweren Loomis Sayles Bond Fund verwaltet, Bauchschmerzen. Der Fonds hat in den vergangenen zehn Jahren in seiner Vergleichsgruppe die beste Wertentwicklung aufgewiesen.

          Fuss sieht bei den „Ramschanleihen“ klare Anzeichen für eine Blase. Der Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen liegt nahe eines Rekordtiefs, obwohl das Emissionsvolumen der risikoreichsten Anleihen gegenüber dem Vorjahr um 39 Prozent geklettert ist. Außerdem ist die Verschuldung stärker gestiegen als die Gewinne, und die amerikanische Wirtschaft wächst mit der geringsten Dynamik seit fünf Jahren. „Ich war noch nie bei einem Markt so nervös“, erklärte Fuss.

          Bedenklich hohes Emissionsvolumen bei bonitätsschwachen, aber renditestarken Papieren

          Auch Investor Martin Fridson von FridsonVision LLC und Mariarosa Verde, geschäftsführende Direktorin bei Fitch Ratings, befürchten die schlimmste Baisse für Junkbonds. Bedenklich seien das hohe Emissionsvolumen bei den bonitätsschwachen, aber renditestarken Papieren sowie das Rekordvolumen von 366 Milliarden Dollar an Leveraged Buyouts, die häufig über Junkbonds finanziert werden.

          Über die Hälfte der Junkbonds, die in diesem Jahr begeben wurden, dienten der Finanzierung von LBOs sowie Fusionen und Übernahmen, berichtet Barclays Capital. An Kapital ist so leicht heranzukommen, dass erstmals Investoren den Emittenten die Wahl ließen, Zinszahlungen in bar oder in weiteren Anleihen zu leisten. „Das ist ein Schlaraffenland für Finanzchefs“, sagt Edward Altman, Professor für Finanzen bei der Stern School of Business der New York University. Der Fernsehsender Univision Communications Inc. und der Immobilienmakler Realogy Corp. finanzierten ihre Übernahmen teilweise mit sogenannten „Toggle-Bonds“, bei denen die Emittenten die Möglichkeit haben, Zinsen in Form von weiteren Anleihen zu zahlen. Das Wachstum der „Toggle-Bonds“ sei ein Zeichen für die zu einfache Kreditaufnahme, erläutert Fridson. „Wenn Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt wird, Zinsen mit weiteren Anleihen zu zahlen statt in bar, zeigt das eine begründete Wahrscheinlichkeit, dass sie diese Option in Anspruch nehmen müssen.“ In diesem Jahr gab es laut S&P zehn Emissionen von „Toggle-Bonds“ im Gesamtvolumen von 5,14 Milliarden Dollar. Das ist das höchste Volumen aller Zeiten.

          Den letzten Crash am Junkbondmarkt gab es 2002. Damals konnten laut Moody's Investors Service Emittenten Papiere im Volumen von 166 Milliarden Dollar nicht bedienen. Der High Yield Master II Index von Merrill Lynch & Co. sank um etwa zwei Prozent, der Renditeaufschlag der Papiere gegenüber Treasuries kletterte auf einen Rekordwert von 11,2 Prozentpunkten.

          Unternehmen nehmen vorrangig besicherte Kredite auf, die im Konkursfall vor den Junkbonds rangieren

          „Die Abwärtsrisiken sind sehr ernst“, erklärt Fridson. Er rechnet damit, dass die Ausfallquote in den nächsten Jahren den Stand von 2002 erreichen oder übertreffen wird. In diesem Jahr konnten 1,5 Prozent der Junkbond-Emittenten ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen, berichtet Moody's. Das ist die niedrigste Quote seit zehn Jahren. „Zahlungsausfälle gibt es heutzutage kaum, aber das wird nicht ewig so sein“, sagt Thomas Lee, Gründer der Buyoutgesellschaft Thomas H. Lee Partners LP.

          Über 18 Prozent der Papiere, die im ersten Quartal begeben wurden, hatten eine Bonitätsnote von „CCC“ oder niedriger, verglichen mit etwa 15 Prozent im vergangenen Jahr, berichtet Fitch. Sie stellen etwa 18 Prozent vom High-Yield-Index von Merrill dar. Damit ist ihr Anteil doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. „Viele glauben, dass dies ein Zeichen für eine Phase von Zahlungsausfällen ist, die genauso schlimm oder schlimmer wie in den Jahren 2000 und 2002 sein wird“, berichtet Alexander Chan, Analyst bei Barclays in New York.

          Beunruhigen sollte die Anleihegläubiger auch die Tatsache, dass Unternehmen mehr vorrangig besicherte Kredite aufnehmen, die im Konkursfall vor den Junkbonds rangieren. Im vergangenen Jahr beliefen sich diese Kredite auf ein Rekordvolumen von 686 Milliarden Dollar, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Die durchschnittliche Wiedereinbringungsquote für unbesicherte Anleihen dürfte wegen des Kreditanstiegs um bis zu zehn Prozent von dem historischen Durchschnitt von 40 Cent je Dollar sinken, erwartet die Ratingagentur Fitch. „Die strukturellen Risiken nehmen zu. Sie werden nur durch die niedrige Ausfallquote kaschiert“, erklärt Verde.

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