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Rentenmarkt : Höhenflug der Anleihen stößt an Grenzen

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Die enttäuschenden deutschen Konjunkturdaten beflügeln die Anleihen nicht. Es gibt Anzeichen für eine Konsolidierung am Rentenmarkt.

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          Was Aktionäre freut, betrübt die Anleihebesitzer, und umgekehrt. Das zeigte sich besonders am Dienstag, als die Börsenrally den Rentenmärkten herbe Verluste bescherte. Das gleiche Spiel funktioniert am Mittwoch, wenn auch in abgeschwächter Form. Als die Aktien europaweit mit leichten Gewinnen in den Handel starten, geben die Kurse der Anleihen geringfügig nach.

          Später verkündet die deutsche Regierung enttäuschende Konjunkturdaten. Die Industrie hat im Juni weniger Aufträge erhalten als erwartet, die Zahl der Arbeitslosen hat im Juli die Vier-Millionen-Marke überschritten. Während der Dax daraufhin seine frühen Gewinne verliert, reagiert der Rentenmarkt eher unbeteiligt auf die schlechten Nachrichten.

          Der richtungsweisende Euro-Bund-Future, der unmittelbar vor Bekanntgabe der Daten um die 110,3 Zähler notierte, liegt am Nachmittag immer noch auf fast dem gleichen Niveau. Um 15.23 Uhr notiert er bei 110,41 Punkten, zehn Ticks über dem Vortagesstand. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen, die als Vergleichsmaßstab für den deutschen Rentenmarkt genutzt werden, gab leicht einen Basispunkt auf 4,60 Prozent nach.

          Anzeichen für Konsolidierung, aber keine Trendwende

          Händler sehen Anzeichen für eine Konsolidierung am Anleihemarkt. Investoren hätten in jüngster Zeit zu viele europäische Anleihen gekauft und zu viele US-Aktien verkauft, heißt es. Jetzt gebe es eine leichte Gegenbewegung. Die Commerzbank rechnet mit einer anhaltenden Konsolidierungstendenz, falls sich die Aktien einigermaßen stabil halten können und nicht noch weiter an Boden verlieren. Belastend für die Renten könnte nach Einschätzung Bank auch der Euro werden, falls er weiter an Boden verlieren sollte. Am Nachmittag notierte er bei 0,9686 Dollar.

          Als weiterer Belastungsfaktor für den Rentenmarkt, unabhängig von der Entwicklung des Aktienmarkts, könnten sich die Haushaltslöcher einiger Staaten erweisen. Schon jetzt meiden manche Investoren deutsche Staatsanleihen und stecken ihr Geld lieber in Länder mit einer solidereren Haushaltspolitik, wie Österreich und die Niederlande.

          Aktien stecken weiter in der Krise - Anleihen profitieren

          Die meisten Beobachter sind sich einig: Sollte sich der Aktienmarkt stabilisieren, werden die Anleihekurse darunter leiden. Doch genau das ist der entscheidende Punkt: Die Trendwende an den Börsen ist noch nicht in Sicht. Die Vertrauenskrise der Aktien ist noch lange nicht ausgestanden, und jetzt werden die Anteilsscheine durch trübe Konjunkturaussichten zusätzlich belastet. Umgekehrt profitieren die Anleihen von den Konjunktursorgen und der damit verbundenen Spekulation um eine mögliche Leitzinssenkung.

          Fazit: Solange die Aktien in der Krise stecken und die Konjunktur lahmt, dürften sich die Anleihekurse noch auf sicherem Niveau bewegen. Wer Anleihen kauft, sollte aber auf jeden Fall die Aktienkurse genau im Auge behalten.

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