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Rentenmarkt : Das Zusammenspiel von Anleiherenditen und Konjunkturzyklus

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Die Anleiherenditen hängen stark von der jeweiligen Phase ab, in der sich die Konjunktur gerade befindet. Daraus lassen sich Anlagestrategien ableiten - auch in der momentanen Verfassung des Rentenmarkts.

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          Wer Geld in Anleihen investieren will, sollte sich im Vorfeld unter anderem überlegen, welche Laufzeit für ihn am sinnvollsten ist. Ebenso, wie sich unterschiedliche volkswirtschaftliche Ausgangslagen auf die Rendite auswirken können.

          Normalerweise bringen Anleihen mit einer längeren Laufzeit höhere Renditen als Anleihen mit kürzerer Laufzeit. Zumindest wird dies üblicherweise als normaler Renditestrukturverlauf bezeichnet, ist doch plausibel, dass Anleger bei längeren Laufzeiten eine höhere Liquiditäts- und Risikoprämie verlangen.

          Geldpolitik, Inflation, Wachstum

          In der Praxis finden sich mitunter aber auch flache oder gar inverse Renditestrukturen. Bei einer flachen Renditestrukturkurve sind die Renditen über alle Fristen hinweg gleich und bei einer inversen Renditestrukturkurve werden für kürzere Laufzeiten höhere Renditen gezahlt als für längere Laufzeiten (siehe Grafik).

          Die Zinssätze am Geldmarkt sowie die Renditen der Kurzläufer am Rentenmarkt (bis etwa zwei Jahre Laufzeit) orientieren sich vor allem an der Geldpolitik der Zentralbank (siehe Grafik). Bei der Renditebildung der mittleren und längeren Laufzeiten wird dagegen den Inflationserwartungen der Marktteilnehmer die entscheidende Rolle beigemessen (siehe Grafik). Historisch lässt sich ein hoher Gleichlauf zwischen Inflationsrate und Kapitalmarktrenditen erkennen. Und die Inflationsrate wiederum wird entscheidend vom Wirtschaftswachstum bestimmt.

          Kurzläufer in Erholungsphasen sind, Langläufer im Konjunkturhoch

          Basierend auf den von den Marktteilnehmern erwarteten Wachstums- und Inflationsraten lassen sich daraus Renditestrukturkurven ableiten und daraus wiederum die passenden Anlagestrategien. In Zeiten eines langsam beginnenden Konjunkturaufschwungs hat die Renditestrukturkurve dabei typischerweise einen normalen Verlauf.

          Die Zinssätze am kurzen Ende sind noch gering, weil die Notenbank einen expansiven geldpolitischen Kurs zur wirtschaftlichen Belebung eingeschlagen hat. Dagegen antizipieren die langen Laufzeiten schon frühzeitig eine konjunkturelle Erholung und erleiden daher Kursverluste. Für die Renditestrukturkurve resultiert daraus ein steilerer Verlauf, initiiert vom langen Ende (siehe Grafik).

          In einem solchen Szenario empfiehlt die DZ Bank den Kauf von Kurzläufern. Anleihen mit mittleren und längeren Laufzeiten sollten dagegen gemieden werden, da die erwarteten Renditeanstiege zu Kursverlusten führen, die den Renditevorteil schnell aufzehren können. Ein Anleiheportfolio sollte daher eine möglichst niedrige modifizierte Duration aufweisen.

          Ist das Konjunkturhoch erreicht, sind dagegen lange Laufzeiten attraktiv. Denn sobald die Inflation das von der Notenbank akzeptierte Ziel zu überschreiten droht oder bereits erreicht hat, wird es zu Leitzinserhöhungen kommen. Weil die Renditen der kurzen Laufzeiten relativ stark auf veränderte Zinsen reagieren, werden die Kurzläuferrenditen steigen.

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