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Rentenmarkt : Bund-Future fällt unter die 120 Prozent

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Der Bund-Future ist am Mittwoch unter die Marke von 120 Prozent gefallen. Sollte er unter 119,93 Prozent schließen, wären weitere Kursverluste denkbar. Die Europäische Zentralbank kann am Donnerstag für etwas Entspannung sorgen.

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          Hatten sich die Rentenanleger nach dem Boom der vergangenen Jahre an satte Renditen und den anhaltenden Aufwärtstrend gewöhnt, so hat in den vergangenen Wochen der Wind gedreht. Aufgrund steigender Zinsen in Amerika und „inflationskritischer“ Äußerungen aus verschiedenen europäischen Zentralbanken sind die Rentenmärkte in die Defensive geraten.

          Der Bund-Future ist in den vergangenen Tagen nicht nur unter den mittelfristigen Aufwärtstrend gefallen, sondern er hat am Mittwoch auch die zumindest psychologisch interessante Marke von 120 Prozent gefallen. Am frühen Nachmittag liegt er mit einem Minus von 48 Stellen oder von 0,4 Prozent bei 119,87 Prozent.

          Rendite auf dem höchsten Stand seit Mai

          Mit dieser Bewegung befindet sich die Rendite der relevanten Papiere auf dem höchsten Stand seit Mai. Hintergrund sind nicht nur die verflogenen Zinssenkungsphantasien, sondern sie haben sich inzwischen deutlich ins Gegenteil verdreht. Gleichzeitig spielt der Markt zumindest kurzfristig auch die Nachricht, daß die Anzahl der Stellenlosen um 36.000 gefallen ist. In den vergangenen Tagen hatten sich schon die Produktionstätigkeit und auch die Wirtschaftsstimmung in Deutschland, Frankreich und Italien überraschend positiv gezeigt.

          Auch die Zentralbank in der Schweiz zeigte sich ziemlich wirtschaftsoptimistisch und deutete durch die Blume Zinserhöhungen an. Aus diesen Gründen rechnen Marktteilnehmer zunehmend mit steigenden Renditen. Manche Investmentbanken rechnen schon für den Dezember des laufenden Jahres mit einer ersten Zinserhöhung von Seiten der Europäischen Zentralbank. Dabei dürfte sie nicht nur auf die teuer gewordenen Energie- und Rohstoffkosten blicken, sondern auch auf die nicht dem Wettbewerbsdruck ausgesetzten Administrationskosten und Steuern. Die Industrie dürfte geneigt sein, eine sehr wahrscheinlich kommende Mehrwertsteuererhöhung zu deutlichen Preiserhöhungen zu nutzen und auf diese Weise die Preiserwartungen mit allen Konsequenzen in Gang bringen. Dabei liegt die Inflation auf Jahresbasis schon jetzt über der angepeilten Obergrenze von zwei Prozent.

          119,93 Prozent als kritische Marke

          Aus diesem Grund dürfte es darauf ankommen, wie sich die Europäische Zentralbank nach ihrer Sitzung am Donnerstag, bei der sie den Zins wohl unverändert bei zwei Prozent belassen wird, die Lage offiziell einschätzt. Sollte sie die sich inzwischen etablierte Erwartung einer relativ anstehenden Zinserhöhung bestätigen, könnte es im Markt zunächst zu einer technischen Gegenbewegung nach oben kommen. Sollte sie jedoch so etwas wie einen Zinserhöhungszyklus andeuten, dürfte der Markt zumindest mittelfristig in der Defensive bleiben.

          Aus technischer Sicht scheint der Markt kurzfristig einerseits „überverkauft“ zu sein. Auf der anderen Seite ist der mittelfristige Aufwärtstrend längst zerstört und bei einem Schlußkurs unter 119,93 Prozent würde ein weiteres Verkaufssignal generiert werden. Die Folge wäre dann nach einer Analyse der WGZ Bank eventuell eine schnelle Bewegung in Richtung 119,00 Prozent. Im übergeordneten Bild ließen sich in diesem Szenario sogar Kursziele von unter 118,00 Prozent ableiten. Auf dieser Basis sollte der Markt aufmerksam beobachtet werden.

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