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Rentenmarkt : Anleihen: Die Spreu trennt sich vom Weizen

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Bild: FAZ.NET

Ähnlich wie am Aktien- und Devisenmarkt geht es seit einigen Wochen auch an den Rentenmärkten zur Sache. Die Papiere schwacher Schuldner verbuchen deutliche Kursverluste. So sind die Renditen venezolanischer Staatsanleihen massiv gestiegen.

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          Ähnlich wie am Aktien- und Devisenmarkt geht es seit einigen Wochen auch an den Rentenmärkten zur Sache. Während die Papiere solider Schuldner - allen voran der Staaten mit guter Bonität - aufgrund der Turbulenzen und auch aufgrund von Zinssenkungsphantasien nach oben tendieren, kommt es bei anderen zu deutlichen Kursverlusten.

          Anders als in den vergangenen Jahren des Kredit getriebenen Booms, in dem beinahe alle Vermögenswerte und Währungen in stabilen Trends zum Vorteil der Anleger in eine Richtung liefen, werden nun die Risiken wieder wahrgenommen und differenziert.

          Renditen von Hochzinsanleihen ziehen an

          Unternehmen geringer Bonität können sich in Zeiten der Kreditklemme und in einem sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfeld nur noch zu deutlich höheren Zinsen refinanzieren - wenn überhaupt. Das zeigt sich daran, dass die Renditen von Hochzinsanleihen in den vergangenen Wochen deutlich angezogen.

          Dasselbe gilt für die Schwellenländer. Hatten sie im Rahmen des globalen Wachstums- und Rohstoffbooms von der Phantasie der Anleger profitieren können, so hat sich das inzwischen gerade ins Gegenteil verkehrt. Anleger, die in Anleihen von Staaten mit schwachen Strukturen investiert hatten, müssen nun gleich doppelt bluten: Erstens fallen die Kurse der Papiere und zweitens laufen auch noch die Währungen in dramatischen Bewegungen gegen sie.

          Hatte es in den vergangenen Jahren so ausgesehen, als ob es weder auf der Währungs- noch auf der Makroebene Risiken gäbe, so sind genau diese innerhalb kürzester Zeit zurückgekehrt. Die Renditen venezolanischer Anleihen sind - sofern aufgrund der unberechenbaren, diktatorischen Verhältnisse im Lande überhaupt jemand in sie investiert hatte - alleine in den vergangenen vier Wochen um 887 Basis- oder 8,87 Prozentpunkte gestiegen von knapp elf auf etwas mehr als 20 Prozent. Der Kurs der bis ins Jahr 2018 laufenden Staatsanleihe mit einem Kupon von 13 5/8 Prozent ist von 119 Prozent noch Anfang September auf zuletzt 70,75 Prozent gefallen. Immerhin konnte auf der Währungsseite nicht viel passieren, da der Kurs der venezolanischen Währung zumindest offiziell zu 2.147 Bolivar fest an den Dollar gekoppelt ist.

          Nachteilige Kombination: Steigenden Renditen und abwertende Währungen

          Die nachteilige Kombination zwischen Kurs- und Währungsverlusten für internationale Anleger lässt sich dagegen an den kolumbianischen, den ungarischen, den mexikanischen, den peruanischen, den indonesischen und sogar an den brasilianischen Staatsanleihen ablesen. Bei diesen Papieren hat die Rendite in den vergangenen Wochen zwischen drei und 3,7 Prozent zugelegt. Gleichzeitig gerieten die Währungen gegen den Dollar deutlich und gegen den Euro etwas weniger ausgeprägt in die Defensive.

          Diese Entwicklung dürfte bei vielen Anlegern zu deutlichen Verlusten geführt haben, nachdem sie in den vergangenen Jahren genau mit diesen Papieren und Währungen hatten überdurchschnittliche Renditen erzielen können. Die massiven Kursverluste bei den Anleihen und auch bei den Währungen sind einerseits auf die Verkäufe von Anlegern zurückzuführen. Selbst bekannte Hedge-Fonds haben inzwischen ihre Schwellenländerfonds geschlossen. Sie wurden einerseits von ihren Banken andererseits von Anlegern dazu gezwungen, die ihre Gelder zurückhaben wollten.

          Dazu kommt jedoch auch das veränderte Umfeld. Erstens dürften sich Kredit getriebene Anlagestrategien künftig nicht mehr so einfach umsetzen lassen wie in der Vergangenheit. Der Kreditboom ist vorerst vorbei. Zweitens wird die absehbare Wirtschaftskrise die Schwellenländer makroökonomisch in die Defensive bringen. Das gilt primär für jene, die wirtschaftspolitische Defizite in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der vorteilhaften Rahmenbedingungen übertünchen konnten. In den kommenden Monaten dürften die Grundprobleme wieder durchschlagen können. Das zeigt sich überdeutlich am Beispiel Ungarns. Insgesamt dürfte es ratsam sein, solche Papiere künftig mit realistischen Risiko-Ertragserwartungen zu betrachten.

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