https://www.faz.net/-gv6-rqjy

Rentenmarkt : Anlagemöglichkeiten gegen Inflationsängste

  • -Aktualisiert am

Wem derzeit der Preisauftrieb der amerikanischen Wirtschaft Sorgen bereitet, sollte sich die folgenden Ideen durch den Kopf gehen lassen, wie das Portfolio in solch risikoreicheren Zeiten am besten zu schützen ist, meint Sonja Ryst von Businessweek online.

          3 Min.

          Nachdem die beiden Hurrikans Katrina und Rita die Energiepreise in unermeßliche Höhen getrieben hatten, veröffentlichte das amerikanische Arbeitsministerium am 18. Oktober neue Daten, nach denen die Großhandelspreise im September um 1,9 Prozent in die Höhe geschossen sind. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre ist dies der höchste Anstieg im Vormonatsvergleich gewesen. Im August hatte der Produzentenpreisindex um 0,6 Prozent zugelegt.

          Inwieweit wird der Preisauftrieb nun in den kommenden Monaten die amerikanische Wirtschaft belasten? Peter Cardillo, Chefstratege bei der in Port Washington (New York) ansässigen Investmentfirma SW Bach, ist der Ansicht, daß die Inflation, die sich bereits in den vergangenen sechs bis acht Monaten in das System eingeschlichen hat, nach wie vor ein Problem darstellt - aber nur kurzfristig. Er geht von einer Inflationsrate auf Jahresbasis aus, die von rund 3,5 Prozent in diesem Jahr bis Ende 2006 auf 2,75 Prozent absinken wird. „Es ist offensichtlich, daß die Federal Reserve alles im Griff hat“, so Cardillo weiter.

          Die amerikanische Notenbank hat seit 2004 den Leitzins elfmal angehoben. Sie wollte damit die Menschen möglichst davon abhalten, Kredite aufzunehmen, da das zu einer höheren Inflationsrate beitragen kann. Mittlerweile klettern die Verbraucherpreise aber bereits seit Monaten - parallel zu den hohen Energiekosten, die seit den Hurrikans besonders im Rampenlicht stehen. Ohne Nahrungsmittel und Energie sind die Preise im September nur um 0,3 Prozent gestiegen. Im August ist die Teuerungsrate nach Angaben des amerikanischen Arbeitsministeriums unverändert geblieben.

          Was Experten zum Schutz des eigenen Portfolios raten

          Nichts ist derzeit sicher, lautet die knappe Einschätzung von Barry Ritholtz, leitender Markstratege bei der Investmentfirma Maxim Group mit Sitz in New York. „Ich bin der festen Überzeugung, daß Prognosen gar nichts bringen. Niemand weiß, was wirklich passieren wird. Demnach ist alles, was vorhergesagt wird, eine grobe Vereinfachung.“

          Dennoch, Ritholtz und andere Experten haben einige Alternativen anzubieten, wenn Sie befürchten, daß Ihre Portfoliogewinne der Inflation zum Opfer fallen könnten.

          1.) Schnell weglaufen und verstecken: Nach Eintreffen des Hurrikans Katrina hat Ritholtz etwa die Hälfte seiner persönlichen Rentenrücklagen auf Bankkonten umgeschichtet. Sollten Sie Aktien halten, die sich in den vergangenen sechs bis 24 Monaten gut entwickelt haben, und jetzt besorgt sein, was 2006 mit ihnen geschehen könnte, empfiehlt Ritholtz unbedingt darüber nachzudenken, die in Aktiengesellschaften investierte Summe bis Dezember zu halbieren. Danach können Sie auf eine gute Gelegenheit warten, um abgestoßene Aktien zu einem niedrigeren Kurs wieder zurückzukaufen.

          2.) Ab ins Ausland: Ritholtz gefallen außerdem Anlagemöglichkeiten in Ländern, die starke Kredit-Ratings aufweisen - was sie zu relativ geschützten Investitionen macht. Gut sind seiner Ansicht nach außerdem Volkswirtschaften, die über nachwachsende Rohstoffe oder Branchen der verarbeitenden Industrie verfügen. Als Beispiele nennt er den iShares MSCI South Korea Index-Fonds und den iShares MSCI Taiwan-Index, die beide die lokalen Märkte solcher Länder verfolgen.

          3.) Nehmen Sie TIPS dazu: Barclays Capital gehört zu den Gesellschaften, die inflationsgeschützte Anleihen (Treasury inflation-protected securities oder kurz TIPS) verkaufen. Der Inflationsexperte des Unternehmens, Michael Pond, glaubt: Wenn ein Investor eine steigende Inflationsrate erwartet, impliziert dies, daß TIPS attraktiv erscheinen. „So einfach ist das.“

          Gold guter Inflationsschutz

          Eine zehnjährige Staatsanleihe wird derzeit mit einer Rendite von etwa 4,45 Prozent gehandelt. Die vergleichbare inflationsgeschützte Anleihe weist nur eine deutlich niedrigere Rendite von 1,9 Prozent auf. Aber bei TIPS wird der Zins an die Inflation, basierend auf der Entwicklung des Konsumentenpreisindex, angepaßt.
          Auf der Jagd nach Gold: Ende September hat Joe Battipaglia, leitender Anlagestratege im Investmenthaus Ryan Beck & Co. in Florham Park, New Jersey, empfohlen, daß Anleger zwischen fünf und 15 Prozent ihres Portfolios in Gold investieren sollten. Zuvor lag dieser angeratene Anteil nur bei drei bis neun Prozent. „Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung steigt in Indien und China die Nachfrage nach Gold“, so Battipaglias Begründung für die Erhöhung.

          Im Dezember fällig werdende Gold Futures werden derzeit zu einem Kurs um 470 Dollar und damit sehr nah an ihrem 17-Jahres-Hoch gehandelt. Wie viel höher kann der Goldpreis wohl noch steigen? Battipaglia weist darauf hin, daß Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre, als die Hypothekenraten zweistellig gewesen sind, das Rekordhoch für Gold bei 800 Dollar je Unze gelegen hat. Die Fachgelehrten streiten außerdem noch darüber, ob die Inflation die amerikanische Wirtschaft und die Anleihemärkte nun belasten wird oder nicht. „Unter diesen Voraussetzungen glänzen die Goldgewinne in der Regel noch sehr viel heller.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mit Merkel in Aachen : Herzbeben bei Laschets Wahlkampffinale

          Zum Wahlkampfabschluss in seiner Heimatstadt Aachen hat sich Unionskandidat Armin Laschet die scheidende Kanzlerin an die Seite geholt. Angela Merkel lobt ihn als Brückenbauer, er warnt mit Verve vor einem rot-grün-roten Bündnis.
          Tatort in Idar-Oberstein, am 19. September: Polizisten sichern die Tankstelle, wo ein Angestellter erschossen wurde.

          Idar-Oberstein : Ein extremer Einzelfall – und das Netz

          Ein Mann ist tot. Erschossen in einer Tankstelle. Ist dieser Fall ein Beispiel dafür, dass aus Hass in sozialen Netzwerken tödliche Gewalt wird?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.