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Rentenmärkte : Schwellenländeranleihen schlagen amerikanische Aktien

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Bild: FAZ.NET

Nach einem langen Höhenflug der Rentenmärkte scheinen nun die Börsen die „Performancenase“ vorne zu haben. Das gilt allerdings nur bedingt. Russische Staatsanleihen konnten auf Jahressicht locker mit amerikanischen Aktien mithalten.

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          Wenn Anleger über Aktien reden, dann kommen sie relativ schnell auf amerikanische Wertpapiere und die amerikanischen Börsen. Denn sie sind weltweit die größten und werden entsprechend beachtet.

          Gleichzeitig feiern sich die Vereinigten Staaten gerne selbst als „die Wachstumsnation schlechthin“. Auch die Statistiken des Landes scheinen vor allem darauf ausgerichtet zu sein, optisch gut auszusehen. Dazu zählen solche Phänomene wie das so genannte Hedonic Pricing oder auch fiktionale Jobs, die die Arbeitsmarktsituation deutlich besser darstellen, als sie in Wirklichkeit ist. Offiziell liegt die amerikanische Arbeitslosigkeit bei fünf Prozent. Es gibt jedoch kritische Analysten, die sie „bereinigt“ bei acht oder gar neun Prozent sehen.

          Amerikanische Aktien hinken hinterher

          Insgesamt werden jedoch die Zahlen von Analysten gerne positiv genommen, um Anlegern den Kauf von Aktien nahezulegen. Dabei hatten gerade amerikanische Aktien in ihrer Breite in den vergangenen Monaten im Vergleich mit anderen Märkten nicht sonderlich viel zu bieten.

          Auf Sicht eines Jahres können die 30 Werte der Dow Jones Industrial in Euro gerechnet gerade einmal ein Plus von knapp acht Prozent vorweisen. Da sehen der der breitere S&P 500 mit einem Zugewinn von 15,5 Prozent und der Nasdaq Composite mit einem Plus von 22,7 Prozent immerhin etwas besser aus. Allerdings ist das vergleichsweise wenig im Vergleich mit den Börsen Frankreich, Spanien, Deutschland oder gar den Schwellenländer-Börsen in Arabien oder auch Osteuropa. Sie haben nicht nur deutlicher zugelegt als die amerikanischen Aktien, sondern sie dürften zumindest in einem anhaltend freundlichen Umfeld auf Grund der günstigeren Bewertung auch noch mehr Potential haben.

          Auf Sicht eines Jahres konnten selbst die Rentenmärkte in einigen Schwellenländern mit amerikanischen Aktien mithalten. Die Staatsanleihen Rußlands zum Beispiel können auf Sicht eines Jahres einen Gesamtertrag von etwas mehr als 22 Prozent vorweisen. Dabei dürften die Risiken dieser Papier deutlich geringer sein, als jene vieler amerikanischer Aktien.

          Russische Anleihen führen die Performancegewinner an den Rentenmörkten an

          Denn befand sich Rußland noch vor wenigen Jahren in einer Schuldenkrise, so hat sich die Situation inzwischen deutlich geändert. Das Land profitiert nicht nur von einer vergleichsweise dynamischen Wirtschaftsentwicklung im Inneren, sondern es kann auf Grund der gestiegenen Nachfrage und der Preise auch vom Rohstoffreichtum profitieren. Rußland hat inzwischen nicht nur einen Budget, sondern auch einen Leistungsbilanzüberschuß. Beides zusammen führte zu einer Ansammlung von einem deutlichen Bestand an Devisenreserven und setzt das Land in die Lage, Auslandsschulden vorzeitig abzulösen. Gleichzeitig hat sich die Preisentwicklung gemäßigt und ist berechenbarer als früher geworden.

          Diese Faktoren zusammen dürften dazu führen, daß die Papiere des Landes weiterhin einen gewissen Reiz haben. Ähnliches dürfte in abgeschwächter Form auch für brasilianische Anleihen gelten. Denn auch dort hat sich die Finanzlage auf Grund vergleichbarer Faktoren ähnlich stark verbessert. Auch hier dürften die Papiere in einem anhaltend positiven weltwirtschaftlichen Umfeld interessant bleiben.

          Das dürfte die Entwicklung in diesen Staaten unterscheiden von manchen „Top-Performern“ an den Rentenmärkten. Denn die Papiere von Ekuador, Venezuela und auch in Argentinien dürften in erster Linie aus spekulativen Gründen und auf der verzweifelten Suche nach Rendite gekauft worden sein. Sie dürften die ersten sein, die bei Kratzern am gegenwärtigen „Goldilock-Szenario“ in die Defensive geraten dürften. In diesem Sinne sollten die Risiken solcher Investments nie völlig vergessen werden. Sie sind nicht überall zurückgegangen oder gar geschwunden, sondern nur verdrängt worden.

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