https://www.faz.net/-gv6-qe71

Rentenmärkte : Krisenzeichen in Osteuropa

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Nicht nur Griechenland hat Schuldenprobleme, sondern deutliche Krisenzeichen gibt es auch in Ungarn und in Rumänien. Ungarn hat Schwierigkeiten, Anleihen zu platzieren. In Rumänien verbietet das Verfassungsgericht Teile geplanter Sparmaßnahmen.

          Die vergangenen Tage hatten frische Schlagzeilen über die Schuldenkrise in Europa gebracht. Sie bezogen sich vielfach auf Griechenland, nachdem dort das Sparpaket verwässert wurde. Deutliche Krisenzeichen gibt es jedoch auch in Ungarv und in Rumänien. Sie zeigen sich unter anderem in Form abwertender Währungen, vor allem auch gegen den Schweizer Franken.

          Das ist insofern interessant, da sich in Osteuropa in Zeiten des Booms viele Unternehmen und Privatpersonen in tief verzinslichen Währungen des Auslands verschuldet hatten, statt in der hoch verzinslichen heimischen Währung. Nun zeigt sich jedoch die Kehrseite dieser Strategie. Der ungarische Forint hat alleine seit Februar des laufenden Jahres mehr als 13 Prozent gegen den Franken verloren, der rumänische Leu knapp zwölf Prozent. Das macht die Bedienung der Auslandskredite immer teurer.

          Ungarn - Schwierigkeiten, Anleihen zu platzieren

          Ungarn hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Schwierigkeiten, neue Anleihen an die Anleger zu verkaufen. Es konnten nur geringere Beträge als ursprünglich geplant platziert werden und die nur zu höheren Zinsen als ursprünglich erwartet. In diesem Rahmen waren die Prämien für den Abschluss von Kreditausfallversicherungen (CDS) deutlich gestiegen. Waren sie für Kontrakte mit einer Laufzeit von fünf Jahren im April nach einer Zwischenberuhigung auf bis zu 167 Basispunkte gefallen, so lagen sie Anfang Juni bei 410 Basispunkten. Am Freitag ist eine Prämie in Höhe von 3,3 Prozent des Nominalbetrages nötig, um sich gegen Zahlungsschwierigkeiten zu versichern.

          In Rumänien haben sich die Prämien für die Versicherung von Kreditrisiken des Staates ähnlich entwickelt. Hier hat das Verfassungsgericht des Landes einige der von der Regierung geplanten Sparmaßnahmen als illegal erklärt. Während nichts gegen eine Kürzung der Löhne im öffentlichen Sektor in Höhe von 25 Prozent einzuwenden sei, ließen sich die Pensionen nicht um 15 Prozent kürzen, erklärten die neun Verfassungsrichter. Nun wird die Regierung alternative Sparmaßnahmen finden müssen, um das Vertrauen des Marktes wieder herzustellen und um die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds zu erfüllen, auf dessen Kredit in Höhe von 20 Milliarden Euro das Land angewiesen ist.

          Rumänien - Verfassungsgericht verbiete Teile geplanter Sparmaßnahmen

          Während die Kursentwicklung an den Rentenmärkten selbst vergleichsweise robust war, zeigte sich die Anspannung der Märkte nicht nur an den schwachen Währungen, sondern auch an den Börsen. Der Bucharest Exchange Trading Index (BET) verliert am Freitag 5,5 Prozent seines Wertes, nachdem er schon am Donnerstag etwas mehr als ein Prozent nachgegeben hatte. Der Index ist damit wieder unter den gleitenden 200-Tagesdurchschnitt zurückgefallen, nachdem er ihn in den vergangenen Tagen zunächst zurückerobert hatte. Das ist zumindest aus technischer Sicht kein gutes Zeichen.

          Das gilt auch für den Budapest Stock Exchange Index (BUX). Nach einer massiven Kurserholung im vergangen Jahr, die zu Kursgewinnen von bis zu knapp 170 Prozent in lokaler Währung geführt hatten, ist er inzwischen in eine hartnäckige Konsolidierungszone hineingelaufen. Angesichts der „Bremsspuren“ der Weltwirtschaft ist fraglich, ob sie in kürze überwunden werden kann. Insgesamt scheinen diese Märkte alleine schon aufgrund der schwachen Währung für ausländische Anleger sehr riskant zu sein. Das kann sich ändern, wenn sich die Zentralbanken bei sich verstärkenden Krisenzeiten zu neuen geldpolitischen „Lockerungen“ greifen sollten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frühchen brauchen besonders intensive Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte.

          Muttermilch-Spenden : Ein Milliliter Lebenskraft

          Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sich die Frühchen in diese Welt – auch dank gespendeter Muttermilch.

          Fußball in Italien : Der Großangriff auf Juventus Turin

          In den vergangenen acht Jahren gelang es keiner Mannschaft mehr, den italienischen Serienmeister Juventus zu entthronen. Nun schickt sich ein früherer Juve-Trainer an das zu ändern – und seine Chancen stehen nicht schlecht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.