https://www.faz.net/-gv6-14xud

Rentenmärkte : EZB kann noch Pfandbriefe für 28 Milliarden Euro kaufen

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits mehr als die Hälfte ihres Ankaufsprogramms für gedeckte Bankanleihen aufgebraucht. Der Ratingdruck auf deutsche Emittenten nimmt zu, während die Emissionsflut etwas abebbt.

          3 Min.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits mehr als die Hälfte ihres Ankaufsprogramms für gedeckte Bankanleihen aufgebraucht. Am Montag belief sich das Kaufvolumen der Zinstitel, die mit Hypotheken- oder Staatskrediten besichert sind, auf knapp 32,1 Milliarden Euro. Damit verbleiben der EZB noch knapp 28 Milliarden Euro, um weitere "Covered Bonds" erwerben zu können. Das am 6. Juli 2009 gestartete Kaufprogramm hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit der hohen Bedeutung der Covered Bonds für die Stabilität des europäischen Finanzsystems begründet.

          Europäische Banken finanzieren einen wesentlichen Teil ihres Kreditgeschäfts über diese Schuldtitel, von denen der deutsche Pfandbrief der prominenteste Vertreter ist. Der Covered Bond basiert auf einem Deckungsstock, der sich in der Regel aus Hypotheken- oder Staatskrediten zusammensetzt. Während bei Verbriefungen die Kredite nicht auf der Bilanz verbleiben und die Banken damit Kapital freisetzen können, verbleiben die Darlehen des Deckungsstocks in der Bilanz. Deshalb gelten Covered Bonds als sehr sicher und haben in der Regel erstklassige Bonitätsnoten.

          Rating deutscher Pfandbriefe gerät zunehmend in Gefahr

          Doch gerade das Rating deutscher Pfandbriefe gerät zunehmend in Gefahr. Für Verstimmung sorgte in den vergangenen Tagen die Mitteilung der Ratingagentur Fitch. Die Bonitätsprüfer haben acht Pfandbriefprogramme von deutschen Banken auf die Beobachtungsliste gesetzt und prüfen nun eine Herabstufung. Die Analysten begründeten dies mit erhöhten Risiken in der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Fitch beklagte zudem den Mangel an detaillierten Informationen, die zu einer Einschätzung der Deckungsstöcke notwendig wären. Um ein gutes Rating zu rechtfertigen, fordern die Ratingagenturen eine Überdeckung der Verpflichtungen aus den Pfandbriefen, also einen Sicherheitspuffer. Betroffen von der Ankündigung sind die Pfandbriefe der Aareal Bank (aktuelles Rating: "AAA"), Bayern LB ("AAA"), Berlin Hyp ("AA+"), Corealcredit Bank ("AA-"), DG Hyp ("AAA"), Eurohypo ("AAA"), Helaba ("AAA") und der Unicredit ("AAA"). Auf der Liste befand sich schon davor die Deutsche Pfandbriefbank ("AA+"), in der das zukunftsfähige Geschäft der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) gebündelt ist.

          Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) zeigte kein Verständnis für die Maßnahme von Fitch. VDP-Präsident Henning Rasche kritisierte den Zeitpunkt als nicht nachvollziehbar, weil den Emittenten bislang noch kein finales Modell präsentiert wurde, mit dem Fitch die Vielzahl neuer Daten entsprechend den geänderten Annahmen analysieren will. Die Pfandbriefbanken hätten Fitch gegenüber stets ihre Bereitschaft signalisiert, den neuen Datenanforderungen trotz vorhandener Meinungsunterschiede - soweit ökonomisch vertretbar - nachzukommen, betonte Rasche. Der VDP betonte, dass die Ankündigung von Fitch nicht als Ausdruck einer verminderten Qualität der Pfandbriefe zu verstehen ist.

          Insgesamt befinden sich Covered Bonds europäischer Emittenten über 2,4 Billionen Euro im Umlauf. Davon entfallen 34 Prozent auf den Pfandbrief. Ein Drittel stammt von Emittenten aus dem Euro-Raum, das restliche Drittel überwiegend von Banken aus Großbritannien, der Schweiz und Schweden. Auch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) prüft derzeit die Covered-Bond-Programme europäischer Banken. Die Bonitätsprüfer hatten Ende des vergangenen Jahres ihre Bewertungsmethoden für diese Schuldtitel geändert. Die Kreditwürdigkeit der emittierenden Bank soll künftig stärker in die Beurteilung einfließen. Bislang blieb das Emittentenrisiko außen vor. Für das Rating war einzig die Qualität des Deckungsstocks maßgeblich.

          15 Prozent der Programme nicht mehr in Reichweite des Top-Ratings

          Insgesamt haben die S&P-Analysten bereits elf Covered-Bond-Programme bestätigt, darunter befinden sich die Programme der französischen Großbanken BNP Paribas und Credit Agricole. Doch um Herabstufungen wird S&P nach Ansicht der Commerzbank-Analysten nicht herumkommen. Sie verweisen auf Angaben der Ratingagentur, wonach 15 Prozent der Programme nicht mehr in Reichweite des Top-Ratings "AAA" seien. Bei weiteren 38 Prozent müsste die Überdeckung deutlich erhöht werden, um die Besteinstufung zu halten. Für Pfandbriefe könnten sich die Sünden der Vergangenheit belastend auswirken. Denn einige Pfandbriefemittenten wie etwa die Hypo Real Estate oder die von der Eurohypo übernommene Essen Hyp sind in existenzgefährdende Schieflagen geraten.

          Doch das seit Jahresbeginn äußerst lebhafte Emissionsgeschäft läuft weiter, wenn auch mit gedrosseltem Tempo. Von der Ratingdiskussion unbeeindruckt zeigt sich die Aareal Bank, die am Montag einen Hypothekenpfandbrief über 500 Millionen Euro plazierte. Bislang sind in diesem Jahr bereits mehr als 20 Milliarden Euro an Covered Bonds begeben worden. Von den bisher getätigten EZB-Ankäufen entfällt weniger als ein Viertel auf Neuemissionen. Trotzdem hilft das Engagement der Notenbank den Emittenten. Diese Unterstützung gibt es noch bis Ende Juni. Dann endet das EZB-Programm.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.