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Renditeträchtige Anleihen : Zinsen und Real locken nach Brasilien

  • -Aktualisiert am

Von der berühmten Christusstatue aus betrachtet, wirkt alles friedlich. Doch Brasilien durchlebt gerade politisch wie wirtschaftlich stürmische Zeiten. Bild: dpa

Regierung und Zentralbank kämpfen gegen Haushaltsdefizit und Inflation. Die wirtschaftliche Lage Brasiliens ist unsicher. Es gibt aber Anleihen auch von der deutschen KfW, die 10 Prozent bieten.

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          Mit Zinsen von 13 Prozent sind brasilianische Staatsanleihen in Real derzeit spitze. Im Kreis halbwegs etablierter Anlagewährungen kommen nur russische Staatsanleihen in Rubel in die Nähe des Renditeniveaus von Real-Anleihen. Staatsanleihen in türkischer Lira und südafrikanischen Rand werfen rund 5 Prozentpunkte weniger Rendite ab.

          Doch Vorsicht: Der brasilianische Real hat in den vergangenen Monaten drastisch abgewertet. Seit Mitte 2014 verlor der Real in Dollar fast ein Drittel seines Wertes. In Euro gab der Real 14 Prozent ab. Stark gestiegene Defizite im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz, die Erwartung steigender Zinsen in den Vereinigten Staaten und innenpolitische Turbulenzen haben Brasiliens Währung erheblich unter Druck gebracht. Vergangene Woche fiel der Kurs des Reals zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit fast zwölf Jahren. Dennoch entschied die brasilianische Zentralbank am Dienstag, ein Programm täglicher Verkäufe von Finanzinstrumenten zur Stützung des Reals zum Monatsende auslaufen zu lassen. Fällig werdende Kontrakte sollen jedoch erneuert werden.

          Die Folgen der jahrelangen Überbewertung des Reals

          Mit dem im August 2013 gestarteten Programm hat die Zentralbank einen Bestand von 114 Milliarden Dollar an Terminkontrakten für Dollarkäufe angehäuft. Das entspricht rund 30 Prozent ihrer Devisenreserven. Damit seien ausreichende Mittel zur Deckung des Bedarfs an Wechselkurssicherung im Markt, sagte Zentralbankchef Alexandre Tombini. Je nach Marktlage sei die Notenbank überdies zu zusätzlichen Wechselkursgeschäften bereit. In den vergangenen Monaten hatte die Zentralbank das tägliche Kontingent bereits stark reduziert, zuletzt bot sie nur noch 100 Millionen Dollar täglich an. Angesichts der Abwertung des Reals hatten die Swap-Geschäfte der Notenbank in den vergangenen Monaten hohe Kosten verursacht.

          Das Ende des Swap-Programms sei „ein willkommener Schritt zur Erleichterung der notwendigen makroökonomischen Anpassungen“, kommentierte die Bank Goldman Sachs. Die jahrelange Überbewertung des Reals habe zwar einen noch stärkeren Anstieg der Inflation verhindert, vielen Sektoren der brasilianischen Wirtschaft jedoch Wettbewerbsnachteile gebracht und zu einem bedeutenden Anstieg des Leistungsbilanzdefizits beigetragen. In den vergangenen Tagen festigte sich die brasilianische Währung, nachdem die amerikanische Notenbank weniger Eile im Hinblick auf Zinserhöhungen signalisiert hatte. Von der Zentralbank befragte Experten erwarten den Dollarkurs zum Jahresende gegenüber heute kaum verändert bei 3,15 Real.

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          Die Stimmung in Brasilien ist schlecht. Mehr als eine Million Menschen zogen Mitte des Monats auf die Straßen, um gegen die Regierung von Staatspräsidentin Dilma Rousseff zu demonstrieren. Nur fünf Monate nach Rousseffs Wiederwahl stimmt Umfragen zufolge nur noch einer von zehn Brasilianern ihrer Amtsführung zu. Vordergründig richteten sich die größten Massenproteste seit drei Jahrzehnten gegen den gewaltigen Korruptionsskandal beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras, bei dem Hunderte Millionen Dollar in schwarze Kassen von Rousseffs Arbeiterpartei PT und in die Taschen von Politikern der Regierungskoalition geflossen sein sollen. Hintergrund der Unzufriedenheit mit Rousseff ist freilich auch die Verschlechterung der Wirtschaftslage und eine unerwartete Kehrtwende der Staatschefin in der Wirtschaftspolitik. Vor der Wahl hatte die linksgerichtete Rousseff noch gegen die vermeintlichen Spar- und Zinserhöhungspläne ihres liberal-konservativen Gegners gewettert. Gierige Banker würden Arbeiterfamilien das Essen vom Tisch rauben, hatten Rousseffs Wahlspots suggeriert.

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