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Regere Emissionsaktivität : Die Banken hoffen auf mehr Unternehmensanleihen

Die Volumenentwicklung der letzten zehn Jahre Bild: F.A.Z.

Im Vergleich zu diesem Jahr erwarten die Analysten eine leichte Zunahme des Emissionsvolumens. Unter anderem da die Bedeutung von Anleihen in der Unternehmensfinanzierung zunehme.

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          Die Euro-Staatsschuldenkrise hat in diesem Jahr auch die Neuemissionen von Unternehmensanleihen beeinträchtigt. Die durch die Schwierigkeiten der finanzschwachen Euroländer vorherrschende Nervosität sei in dem zu Ende gehenden Jahr auch deutlich am Markt für neue Schuldtitel spürbar gewesen, schreiben die Analysten der WGZ-Bank in einer Studie. Das Volumen der neuen auf Euro lautenden Unternehmensanleihen beträgt ihrer Schätzung nach in diesem Jahr 130 Milliarden Euro. Das sei weniger als der langfristige Durchschnitt von 145 Milliarden Euro. Jedoch dürften Unternehmensanleihen nach der Staatsschuldenkrise auf ein hohes Interesse der Investoren stoßen. Dies spricht für eine ausreichende Aufnahmefähigkeit am Markt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für das kommende Jahr sind die WGZ-Bank-Analysten etwas optimistischer. Zum einen hätten Anleihen eine immer höhere Bedeutung in der Unternehmensfinanzierung. So kommt die Ratingagentur Fitch in einer Studie über internationale Unternehmen auf einen durchschnittlichen Anteil von 70 Prozent. Darüber hinaus sprächen die bis zum Jahr 2014 zunehmenden Fälligkeiten in Kombination mit einem weiterhin günstigen Zinsumfeld für eine regere Emissionsaktivität, heißt es bei der WGZ-Bank. Die Analysten erwarten im kommenden Jahr ein Emissionsvolumen von 140 bis 160 Milliarden Euro.

          Der hochverzinsliche, spekulative Bereich

          Noch zuversichtlicher sind die Analysten der französischen Großbank BNP Paribas, die im Bereich der investitionswürdigen Unternehmen ein Volumen von 150 bis 185 Milliarden Euro prognostizieren. Diese Unternehmen, der Kapitalmarkt spricht von Investment Grade, müssen ein Rating von mindestens „BBB-“ aufweisen. Darunter liegt der hochverzinsliche, spekulative Bereich ( „High Yield“). Hier rechnen die BNP-Paribas-Analysten mit neuen Anleihen über 30 bis 40 Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren hat der Hannoveraner Reifenhersteller Continental mehrere High-Yield-Anleihen begeben. In diesem Jahr lag das Volumen an diesen Papieren, die salopp auch als Ramschanleihen bezeichnet werden, nach einer Zählung von Société Générale bei knapp 31 Milliarden Euro. Abgesehen von dem Rekordjahr 2010 mit 42 Milliarden Euro ist dies der höchste Wert der vergangenen acht Jahre.

          Künftige Emissionsaktivitäten der Unternehmen hängen auch von den Fälligkeiten ab. Unter den zehn Unternehmen mit dem im kommenden Jahr höchsten Tilgungsbedarf führt Société Générale vier deutsche auf: BMW mit 3,25 Milliarden Euro, Deutsche Telekom mit 3 Milliarden, VW mit 2,5 Milliarden und Bayer mit 2 Milliarden Euro.

          Der britische Finanzdatenanbieter Dealogic hat für den deutschen Markt in diesem Jahr 44 Milliarden Euro an neuen Unternehmensanleihen gezählt. 35,4 Milliarden Euro entfallen auf den Investment-Grade-Bereich, 8,7 Milliarden Euro auf High-Yields. Damit hat sich das Gesamtvolumen gegenüber dem Jahr 2010 wieder leicht erhöht, liegt aber deutlich unter dem Rekordjahr 2009, als 83,6 Milliarden Euro an neuen Unternehmensanleihen plaziert worden waren. Für Europa, also unter Einbezug von Nichteuroländern wie Großbritannien, kommt Dealogic für das Jahr 2011 auf ein Emissionsvolumen von 264 Milliarden Euro: Das sind 4 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr, aber 191 Milliarden Euro weniger als 2009.

          Investmentbanker hoffen, dass die Unternehmen einmal mehr im Januar versuchen werden, ihre Finanzierung zu sichern, und viele Anleihen emittieren. Doch das Gedränge könnte groß werden, weil Banken aus dem Euroraum in den ersten drei Monaten mit Fälligkeiten über 220 Milliarden Euro konfrontiert sind. Hinzu kommen im ersten Quartal nach Schätzung der britischen Investmentbank Barclays Capital neue mittel- und langfristige Anleihen der Euroländer über 236 Milliarden Euro.

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