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Reaktionen auf EFSF-Entscheidung : Gelassenheit am Markt für Bundesanleihen

Bild: F.A.Z.

Der Bundestag hat mit großer Mehrheit die Erweiterung des EFSF beschlossen. Die Entscheidung ändert nichts am Umfeld für Bundesanleihen. Die hohe Liquidität und die gute Bonität sprechen weiterhin für sie.

          Der Kapitalmarkt hat auf die mit Spannung erwartete Abstimmung im Deutschen Bundestag gelassen reagiert. „Der Markt hat nicht erwartet, dass der EFSF im Bundestag scheitert“, sagt Johannes Müller, der Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft DWS, zur Begründung. Im Ausland habe man sich wenig für die Frage interessiert, ob die Koalition die Kanzlermehrheit erreiche. Dort sei entscheidend gewesen, dass der Bundestag mit großer Mehrheit entschieden habe. Das Umfeld für Bundesanleihen ändere sich durch diese Entscheidung nicht wesentlich, befindet auch David Schnautz, Rentenmarktanalyst bei der Commerzbank.

          Für die im historischen Vergleich sehr niedrigen Renditen der Bundesanleihen werden mehrere Gründe genannt. Eine große Rolle spielt die Liquidität sowohl am Markt für Anleihen wie auch am Markt für den Terminkontrakt auf Anleihen („Bund-Future“). Diese Liquidität sei ein wesentliches Kaufargument für asiatische Zentralbanken, die zu den wichtigsten Käufern zählten, sagt Schnautz. Die Liquidität bilde gerade zum Jahresende ein wichtiges Argument, wenn der Handel saisonbedingt ruhiger werde. In dieser Hinsicht sei der Handel mit Bundesanleihen auch liquider als der Handel mit französischen Staatspapieren. Für die Bundespapiere spricht neben der guten Bonität und der Liquidität des Marktes das schwierige Umfeld. „Angesichts der niedrigen Renditen für Bundesanleihen wird der Bundesfinanzminister zum Krisengewinnler“, sagt Müller. „Denn ohne die Krise in der Peripherie lägen die Renditen der Bundesanleihen höher.“

          Schutz gegen einen Zahlungsausfall sehr teuer

          Im internationalen Vergleich niedrig dürften die Renditen bleiben, selbst wenn die konkreten Prognosen auseinandergehen. „Wir erwarten moderat steigende Renditen und sehen die Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe in sechs Monaten bei 2,25 Prozent“, nennt Müller die Meinung der DWS. Die Commerzbank sieht die Rendite dagegen deutlich unter der Marke von 2 Prozent. Am Donnerstagnachmittag betrug die Rendite knapp 2 Prozent.

          Für die deutsche Bonitätsnote sieht Neil McLeish, Chefanalyst für europäische Anleihemärkte der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley, derzeit keine Risiken. „Dazu sind die wirtschaftlichen und kreditbezogenen Fundamentaldaten zu stark“, sagte er bei einem Pressegespräch in Frankfurt. Den Anstieg der Risikoprämie für Kreditausfallderivate (Credit Default Swaps, CDS), mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall des deutschen Staates absichern können, führt er auch darauf zurück, dass viele Anleger sich gegen zunehmende Probleme im Euroraum schützen wollen. Der Schutz gegen einen Zahlungsausfall der finanzschwachen Ländern sei aber mittlerweile so teuer, dass viele Investoren auf die Credit Default Swaps (CDS) der Kernländer auswichen.

          Hohes Mitspracherecht an den Lösungsmechanismen

          Allerdings seien die CDS-Märkte deutlich weniger liquide als die Anleihemärkte. Damit machte McLeish deutlich, dass die entscheidenden Entwicklungen an den Anleihemärkten und nicht am CDS-Markt ihren Anfang nehmen. Aus Frankfurter Finanzkreisen ist ergänzend zu hören, die CDS-Preise für Bundesanleihen seien „ein Witz“ und das Ergebnis von Spielereien 25 Jahre alter Händler in London. Dementsprechend seien die Umsätze in diesem Markt gering. Man schaue wohl mit einem Auge auf den Markt für CDS, meint Schnautz, entscheidend sei aber die Rendite der Anleihen. Gleichwohl: „Die mit dem EFSF verbundene Bürgschaft ist nicht positiv für die Bonität deutscher Bundesanleihen. Das zeigt auch der Anstieg der CDS-Preise“, gibt Müller zu bedenken.

          In der vergangenen Woche hatte die Ratingagentur Fitch das AAA-Rating Deutschlands sowie den Ausblick mit stabil bestätigt. Dies wurde unter anderem mit der guten Konjunkturentwicklung sowie der hohen Wertschätzung deutscher Staatsanleihen als sicherer Hafen begründet. Nach Ansicht der für Länder-Ratings verantwortlichen Analystin Maria Malas-Mroueh ist die Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise für den stabilen Ausblick der deutschen Kreditwürdigkeit von zentraler Bedeutung. „Denn für Deutschland - wie für andere Geberländer der Eurozone - steht viel auf dem Spiel“, sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Von den deutschen Ausfuhren gingen rund 40 Prozent in den Euroraum und die Verpflichtungen in den bestehenden Rettungspaketen für den Euroraum machten etwa 2 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus. Jedoch habe Deutschland als wichtigster europäischer Garantiegeber und Zahler der Euro-Rettungspakete auch ein hohes Mitspracherecht an den Lösungsmechanismen.

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