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Ratingsenkung : Finanzmärkte fürchten den Euro-Gipfel

Geschäftsviertel Cuatro Torres in Madrid Bild: Frank Röth

Die Ratingagentur Moody's hat am Donnerstag Spaniens Bonitätsnote gesenkt. Bundeskanzlerin Merkel befürwortet derweil die Verlängerung der griechischen Tilgungsfristen und droht mit einem Veto gegen Hilfskredite. An den Märkten fallen die Kurse.

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          Die Ratingagentur Moody’s hat die Bonitätsnote Spaniens von Aa1 auf Aa2 gekürzt. Darüber hinaus behalten die Bonitätsprüfer den negativen Ausblick bei. Die Ratingsenkung begründeten die Moody’s-Analysten am Donnerstag mit dem hohen Kapitalbedarf spanischer Sparkassen. Damit geraten auf dem Treffen der Euro-Regierungschefs an diesem Freitag die Probleme der Euro-Peripherieländer in den Mittelpunkt, obwohl auf der Tagesordnung die Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit stehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung für eine Verlängerung der Tilgungsfristen Griechenlands aus. Eine Umschuldung Griechenlands schloss sie aus. Dafür gebe es „derzeit gar keine Instrumente“. Eine Verlängerung der Tilgungsfristen zählt der Kapitalmarkt aber auch zu den Instrumenten einer Umschuldung. Merkel drohte auch mit einem Veto gegen Hilfskredite ohne eine richtige Vorbereitung.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Sorgen vor einem Scheitern des Euro-Gipfels belasteten die Finanzmärkte. Die großen internationalen Aktienmärkte büßten zwischen 1 und 2 Prozent ein. Der Kurs des Euro notierte um 1,38 Dollar, nachdem er vor zwei Tagen noch 1,40 Dollar erreicht hatte. An den Rohstoffmärkten verbilligten sich Öl der Marke Brent und Gold um jeweils rund 1,5 Prozent. Besonders schwach tendierten Minenaktien, die im Durchschnitt 4 Prozent einbüßten. Der spanische Anleihemarkt zeigte sich dagegen stabil. Die zehnjährige Rendite lag mit knapp 5,5 Prozent nahezu unverändert. Auch die Renditen der anderen Euro-Krisenländer zeigten sich nach dem Anstieg an den Vortagen stabil. Die zehnjährige Anleihe Portugals lag bei 7,47 Prozent. Die Rendite war am Mittwoch gestiegen, nachdem Portugal auf der Auktion einer zweijährigen Anleihe eine Rekordrendite bieten musste. Die zehnjährige Anleihe Griechenlands rentierte mit 12,5 Prozent etwas unter dem Rekordhoch von 12,8 Prozent.

          Auf der Verkaufsliste

          Die spanischen Sparkassen benötigen wegen des Einbruchs am Immobilienmarkt frisches Kapital, um die Kreditausfälle tragen zu können. Bei den inzwischen als zu weich kritisierten Banken-Stresstests waren im vergangenen Sommer fünf spanische Sparkassen durchgefallen. Insgesamt bestanden von den 91 geprüften Banken sieben die Stresstests nicht. Die spanische Notenbank bekräftigte in Reaktion auf die Ratingsenkung, dass der Kapitalbedarf der Sparkassen nicht mehr als 20 Milliarden Euro betrage. Dies bezweifeln aber die Moody’s-Analysten, die mit 40 bis 50 Milliarden Euro rechnen. In einem Krisenszenario könnten sich die benötigten Mittel sogar auf 110 bis 120 Milliarden Euro vervielfachen, warnen sie.

          Bild: F.A.Z.

          Die Moody’s-Analysten sind mit ihrer Einschätzung nicht allein: In der vergangenen Woche senkte die Ratingagentur Fitch den Ausblick für das spanische Rating (AA+) von stabil auf negativ. Dabei wurde ebenfalls auf die Kosten der öffentlichen Hand aus der Restrukturierung der spanischen Sparkassen verwiesen. Die Fitch-Analysten schätzen deren Kapitalbedarf auf 38 Milliarden Euro. Bei der dritten großen Ratingagentur Standard & Poor’s liegt das spanische Rating auf AA, was der Moody’s-Note nach der Senkung entspricht. S&P-Analyst Moritz Kraemer hatte am Mittwoch weitere Rating-Herabstufungen für Euroländer angekündigt.

          Unter Druck gerieten auch die Aktienkurse der beiden spanischen Großbanken Santander und BBVA. Die beiden Banken gelten wegen ihrer Kapitalausstattung und ihres regional breit diversifizierten Geschäfts als ausreichend robust, um mit den Immobilienrisiken im Heimatmarkt zurechtzukommen. Allerdings könnte eine Sparkassenkrise nicht nur den Staat in eine Notlage bringen, sondern wohl auch die beiden Großbanken. Auch andere europäische Bankaktien standen auf der Verkaufsliste.

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