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Ratings : Moody's will mehr als 100 Banken herabstufen

Insgesamt 114 Banken und neun Versicherern bewertet die Ratingagentur Moody’s kritisch Bild: dpa

Die Bonitätsbewertungen zahlreicher Banken und Versicherungen sollen auf eine Herabstufung geprüft werden. Die Aktienkurse der Unternehmen verzeichneten umgehend hohe Kursverluste.

          Die Aktienkurse europäischer Banken und Versicherer haben am Donnerstag hohe Kursverluste verzeichnet. Grund war die Ankündigung der Ratingagentur Moody’s, die Bonitätsbewertungen von 114 Banken aufgrund der Euro-Staatsschuldenkrise und der Konjunkturschwäche auf eine Herabstufung zu prüfen. Auch neun Versicherer beurteilt die Ratingagentur Moody’s kritischer. Die beiden anderen Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch hatten schon im vierten Quartal eine Reihe von Banken herabgestuft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Überprüfung der Ratings der Finanzinstitute folgt der Moody’s-Entscheidung Anfang der Woche, die Ratings von sechs Euroländern, darunter Spanien und Italien, zu senken. Nicht nur europäische Banken beurteilen die Bonitätsprüfer kritischer, sondern auch Banken mit hoher Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft, zu denen auch die Deutsche Bank zählt. Moody’s prüft die Kreditwürdigkeit von 17 Investmentbanken, weil das schwierigere Geschäftsumfeld und die strengere Aufsicht deren Gewinn- und Wachstumsaussichten eintrübten. Als weiteren Grund nennt Moody’s die schwierigeren Finanzierungsbedingungen, obwohl die Banken in diesem Jahr nach monatelanger Ebbe wieder unbesicherte Anleihen über 40 Milliarden Euro begeben haben.

          Das schwierigere Umfeld für Banken ist längst eingepreist

          Ein niedrigeres Rating erhöht die Zinskosten der Anleiheemittenten, weil die Investoren von diesen höhere Risikoprämien verlangen. Den beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse sowie Morgan Stanley droht eine Kürzung des Moody’s-Ratings um drei Stufen, der Deutschen Bank (derzeit „Aa3“) oder Goldman Sachs um zwei Stufen. Unter den Versicherern wird vor allem die Finanzstärke spanischer und italienischer Gesellschaften schlechter bewertet. Die Bonitätsnote der in Triest ansässigen Generali kürzte Moody’s um drei Stufen. Zwar wurde das Finanzstärke-Rating der Allianz mit „Aa3“ bestätigt, der Ausblick wurde aber von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Insgesamt prüft Moody’s neben der Deutschen Bank die Beurteilungen von sechs weiteren deutschen Instituten, darunter DZ Bank und Landesbanken, aber nicht die Commerzbank.

          Risikoprämien der Banken

          Hohe Kursverluste verzeichneten die Aktien der spanischen Großbanken BBVA (minus 4,8 Prozent) und Santander (minus 3,3 Prozent). Generali-Aktien büßten 2,2 Prozent ein und die des französischen Wettbewerbers Axa 2,4 Prozent. Die Aktie der Deutschen Bank gab um 1,8 Prozent nach, die der Commerzbank um 0,8 Prozent. Allianz-Aktien fielen um 0,7 Prozent. Ob die Ankündigung von Moody’s die Finanzmärkte nachhaltig beeinflusst, daran bestehen Zweifel. Die Märkte hätten das schwierigere Umfeld für Banken schon längst eingepreist, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg eine Sprecherin von Société Générale.

          CDS-Prämien in den vergangenen Tagen wieder gestiegen

          Seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) den europäischen Banken kurz vor Weihnachten in dem mit drei Jahren ungewöhnlich lang laufenden Offenmarktgeschäft 489 Milliarden Euro zum Leitzins von 1 Prozent bereitgestellt hat, haben sich die Finanzierungsbedingungen und die Aktienkurse deutlich verbessert.

          Die Mittel flossen nicht nur in Staatsanleihen, sondern auch in neue Schuldtitel der Banken. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) für europäische Banken sind deutlich gesunken. So ist der Index, der iTraxx Europe Senior Financial, um mehr als 20 Prozent gefallen. Der Aktienindex Stoxx-Banken liegt seit Jahresanfang mit 16 Prozent im Plus. Jedoch sind die CDS-Prämien in den vergangenen Tagen wieder gestiegen, ebenso haben Bankaktien etwas nachgegeben.

          Am 28. Februar steht der zweite Dreijahrestender der EZB an. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten abermals eine Inanspruchnahme von rund 500 Milliarden Euro. Europäische Bankenaufseher rechnen mit einer geringeren Zuteilung als im Dezember, wie der Chef der Bankenaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Raimund Röseler, der „Süddeutschen Zeitung“ sagte.

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