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Ratingbestätigung : Aufatmen nach Moody’s-Urteil nicht nur in Spanien

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Ratingagentur Moody’s hat die Note für Spaniens Kreditwürdigkeit bestätigt, aber den Ausblick für das Rating auf negativ gesenkt. Die internationalen Finanzmärkte reagieren erleichtert.

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          Nachdem Standard & Poor’s (S&P) sein Spanien-Rating in der vergangenen Woche auf BBB - nur eine Stufe über der Spekulationsklasse - gesenkt hatte, waren Befürchtungen aufgekommen, dass auch Moody’s eine Abstufung vornehmen werde. Die jüngste Bestätigung des Baa3-Ratings durch Moody’s wurde daher von vielen Marktteilnehmern und der Regierung mit Erleichterung aufgenommen. Aber:

          Moody’s zeigt sich zuversichtlich

          Eine Herabstufung der Bonität ist in den nächsten Monaten durchaus noch möglich. Mit Baa3 rangiert das Rating nämlich weiter nur eine Stufe über dem Ramschniveau. Moody’s zeigte sich aber überzeugt, dass Spanien weiterhin Zugang zum Kapitalmarkt haben wird. Die Reformen der Regierung, die Hilfe der europäischen Partner und die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) sollten es dem Land ermöglichen, den wachsenden Schuldenberg in den kommenden Jahren zu stabilisieren, begründete Moody’s seine Entscheidung. „Wir glauben, das Risiko, dass Spanien den Zugang zum Kapitalmarkt verliert, ist nach der jüngsten Ankündigung der EZB beträchtlich gesunken“, sagte die Moody’s-Kreditanalystin Kathrin Mühlbronner.

          Spanien hat zuletzt stark von der Ankündigung der EZB profitiert, unter bestimmten Auflagen unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern kaufen zu wollen. Die Ankündigung allein hat schon die Zinssätze für Länder wie Spanien deutlich gedrückt. Spanien leidet unter dem Platzen der heimischen Immobilienblase, hoher Arbeitslosigkeit und schwachen Banken.

          Entspannung an den Anleihenmärkten

          Die aktuelle  Bestätigung der Kreditbewertung durch Moody’s knapp hat dementsprechend am Mittwoch auch bei spanischen Staatsanleihen für deutliche Entspannung gesorgt. Die Rendite richtungsweisender Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren fiel am Morgen um 0,27 Prozentpunkte auf 5,49 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit Anfang April. In anderen Laufzeiten gaben die Renditen ähnlich stark nach. Der Zinssatz für zehnjährige spanische Staatsanleihen entfernt sich damit weiter von den Höchstwerten, die im Sommer während der jüngsten Zuspitzung der Schuldenkrise erreicht worden waren. Derart hohe Renditen gelten gemeinhin als nicht lang
          finanzierbar.

          Sichtliche Entspannung zeigte sich auch am italienischen Rentenmarkt, wenngleich die Kursreaktion nicht ganz so ausgeprägt war wie in Spanien. Im richtungsweisenden Zehnjahresbereich sank die Rendite um 0,10 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent. Im kurzfristigen Bereich von zwei Jahren gab die Rendite ähnlich stark nach. Mit 1,97 Prozent rentierten die Kurzläufer erstmals seit März unter zwei Prozent. Trotz der aktuellen Entspannung an den Rentenmärkten Spaniens und Italiens liegen die Zinsniveaus nach wie vor sehr hoch. Zum Vergleich:

          Als besonders sicher geltende deutsche Staatsanleihen werden mit einer viel geringeren Rendite am Markt gehandelt. Bei zehnjährigen Bundesanleihen liegt der Zinssatz aktuell bei 1,59 Prozent. Der Risikoaufschlag von spanischen und italienischen Titeln beträgt damit immer noch 3,9 beziehungsweise 3,2 Prozentpunkte.

          Portugal kommt zu frischem Geld

          Derweil hat sich Portugal zu deutlich günstigeren Konditionen frisches Geld von privaten Investoren besorgt. Bei einer Versteigerung von Geldmarktpapieren mit der Laufzeit von einem Jahr fiel die zu
          zahlende Rendite deutlich zurück. Dies geht aus Zahlen der nationalen Schuldenagentur IGCP in Lissabon hervor. Insgesamt spülten drei Versteigerungen von Geldmarktpapieren mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr aber nur 1,85 Milliarden Euro in die Staatskasse. Portugal konnte damit das angestrebte Maximalziel von 2,0 Milliarden Euro nicht erreichen.

          Bei einer Versteigerung von Papieren mit einer Laufzeit von einem Jahr fiel der Hammer bei einem Zinssatz von 2,10 Prozent. Bei einer vergleichbaren Auktion am 18. Juli musste Portugal noch eine Rendite von 3,51 Prozent akzeptieren. Wie bereits im Juli war die Nachfrage nach den neuen Papieren mit einem Volumen von 770 Millionen Euro robust. Beide Auktionen waren jeweils etwa 2,5-fach überzeichnet.

          Bei der Auktion der Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von einem halben Jahr und einem Volumen von 830 Millionen Euro musste Portugal allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen als bei der letzten vergleichbaren Versteigerung am 19. September. Hier stieg die Rendite laut der Schuldenagentur leicht von 1,7 Prozent auf aktuell 1,84 Prozent. Die Nachfrage nach den neuen Papieren fiel weiter robust aus. Wie zuvor war die Nachfrage etwa dreimal so hoch wie das Angebot. Bei einer Auktion von Papieren mit einer Laufzeit von drei Monaten lag der Zinssatz bei 1,37 Prozent. Die letzte vergleichbare Versteigerung hatte im Februar stattgefunden und liegt damit für einen sinnvollen Vergleich der Renditen zu lange zurück.

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