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Ratingagentur warnt : Warum Fitch China herabgestuft hat

Im Hafen von Hongkong Bild: REUTERS

Fitch senkt Chinas Kreditnote. Denn wenn es schlecht kommt, könnten die stark gewachsenen Schattenbanken das Finanzsystem destabilisieren.

          4 Min.

          Die Ratingagentur Fitch hat China vor den Gefahren des undurchsichtigen Bankensektors für die Staatsfinanzen gewarnt. Das merklich gewachsene Schattenbankenwesen und die schwer zu durchschauende Kreditaufnahme von Kommunen und anderen Gebietskörperschaften gebe Grund zur Sorge, so die Fitch-Experten während einer Telefonkonferenz. Eine Krise im Schattenbankensektor könne das reguläre Bankensystem infizieren.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Angesichts der hohen und wachsenden Verschuldung der chinesischen Kommunen hat Fitch, die drittgrößte Ratingagentur der Welt, am Dienstag die Bewertung der Bonität für Anleihen in Landeswährung um eine Stufe von „AA-“ auf „A+“ herabgestuft. Das langfristige Rating Chinas für Staatspapiere in Fremdwährungen wurde wegen der hohen Devisenreserven allerdings unverändert bei „A+“ gelassen. Die Teil-Herabstufung gilt dennoch als bislang stärkste Warnung vor den wachsenden öffentlichen Schulden in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Im September 2011 hatte die Agentur diesen Schritt in Aussicht gestellt.

          Auch in China sollen Schattenbanken höhere Renditen ermöglichen

          Die Schattenbanken, die Fitch solches Kopfzerbrechen bereiten, sind schwer zu fassen. Dazu gehören gemeinhin Unternehmungen, die ähnliche Geschäfte betreiben wie Banken, aber rechtlich keine Banken sind. In den Vereinigten Staaten fallen beispielsweise Geldmarktfonds darunter - bis zum Ausbruch der Finanzkrise galten diese was die Sicherheit anbelangt als einem Bankkonto vergleichbares Anlageinstrument.

          Ein Pendant dazu in China sind speziell von Banken aufgelegte Produkte (Wealth Management Products, WMP), die aus demselben Grund entstanden sind wie Geldmarktfonds, wie Nicholas Borst, Ökonom am Peterson Institute for International Economics, gerade analysierte: Sie sollen in einem regulierten Zinsumfeld Zugang zu höheren Renditen ermöglichen, indem sie in weniger stark regulierten Bereichen aktiv werden.

          Geldmarktfonds entstanden in Amerika in den siebziger Jahren, WMP in China im Jahr 2004. Anleger sollen so sicheren Zugang zu Renditen bekommen können, die oberhalb der staatlich festgelegten Höchstzinssätze liegen, die Banken ihren Kunden auf Einlagen zahlen dürfen. Borst vergleicht dabei das Volumen der Geldmarktfonds in Amerika und der WMP in China mit der Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes. Das Wachstum in beiden Bereichen ist seitdem sie erschaffen wurden, groß. Aktuell beläuft sich das Verhältnis zum BIP jeweils auf zwischen 15 und 20 Prozent.

          Fitch schätzt für China inklusive des Schattenbankenbereichs eine gesamte Verschuldung in Höhe von 198 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vor vier Jahren seien es erst 125 Prozent gewesen. Chinas Wirtschaft „hat ein Schuldenproblem“, warnte Fitch-Experte Andrew Colquhoun. Es seien auch strukturelle Reformen notwendig.

          „Sieht aus wie eine Blasen-Wirtschaft“

          Fitch sind nicht die einzigen Fachleute die davor warnen, dass wegen des ausufernden Schattenbankenwesens die Kreditvergabe in China außer Kontrolle geraten ist.  „China macht uns Angst, weil es nach einer Blasen-Wirtschaft aussieht“, schrieb etwa unlängst die Bostoner Vermögenverwaltungsgesellschaft GMO. Das Land sei ein „Kredit-Süchtiger, der für den gleichen Wachstumsbeitrag immer mehr Schulden braucht“. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sei die Kreditausweitung der vergangenen Jahre  sogar größer als jene in Japan Ende der achtziger Jahre vor dem dortigen Crash oder in den Vereinigten Staaten vor der Lehman-Pleite.

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