https://www.faz.net/-gv6-6wqsi

Ratingagentur Standard & Poor’s : Neun Euro-Länder herabgestuft

  • Aktualisiert am

„Wenn die Ratingagenturen es tun, werden wir der Situation kühl und ruhig begegnen”, gab Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schon Mitte Dezember als Parole aus. Bild: AP

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit von neun Euro-Ländern herabgestuft. Deutschland behält aber seine Top-Bewertung.

          Frankreich und Österreich sind nach dem Urteil der Ratingagentur „Standard & Poor’s“ keine erstklassigen Schuldner mehr. Die Agentur senkte am späten Freitagabend  die Bonität beider Länder wie erwartet von AAA auf die zweitbeste Bonitätsstufe AA+. Schon zuvor hatten die Regierungen Frankreichs und Österreichs den bevorstehenden Verlust der besten Bonitätsnote AAA bestätigt. 

          Die Bonität von Italien, Spanien, Portugal (jetzt Ramschniveau) und Zypern wurde von der Ratingagentur gleich um zwei Stufen herabgestuft; Malta, die Slowakei und Slowenien büßten eine Stufe ein. Deutschland hingegen behält vorerst seine Top-Bonität AAA - mit stabilem Ausblick.

          Europas Politiker hätten nicht genug getan, um die Schuldenkrise einzudämmen, begründete S&P die Herabstufungen. Die Ratingagentur zeigte sich enttäuscht von den Ergebnissen des
          Eurogipfels im Dezember. Die Kreditkonditionen verschlechterten sich genauso wie die wirtschaftlichen Aussichten, warnte S&P. Europas Politiker seien sich noch immer uneins, wie die Krise zu lösen sei.

          Eine schlechtere Bonitätsnote verteuert die Finanzierungskosten an den Kapitalmärkten. Doch haben sich die Investoren schon auf eine Herabstufung Frankreichs eingestellt. Die deutlich gestiegene Risikoprämie französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen zeigt das. Auch die Ratingagentur Moody’s prüft derzeit eine Senkung der französischen Note. Dagegen hatte in dieser Woche Fitch, die kleinste der drei großen Ratingagenturen, mitgeteilt, sie werde in diesem Jahr keine Änderung des französischen Ratings vornehmen, sollte sich die Euro-Schuldenkrise nicht verschärfen.

          AAA-Note des Euro-Krisenfonds EFSF in Gefahr

          Dies könnte aber der Fall sein, wenn die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland scheitern. Der Finanzverband IIF, der die Banken und Versicherer vertritt, teilte am Freitag mit, dass die Gespräche ergebnislos unterbrochen wurden. Französische Banken wie BNP Paribas, Société Générale oder Crédit Agricole sind in Griechenland umfangreich engagiert. Eine Insolvenz des Eurolandes könnte staatliche Kapitalhilfen notwendig machen und den Haushalt zusätzlich belasten.

          Darüber hinaus setzt die Herabstufung Frankreichs auch die AAA-Note des Euro-Krisenfonds EFSF unter Druck. Denn dessen Einstufung beruht insbesondere auf den Garantien der bisher sechs mit AAA bewerteten Euroländer. Wenn weniger Garantiegeber dieses Niveau aufweisen, sind die Garantien weniger wert. Von den ersten Gerüchten profitierten am Finanzmarkt vor allem deutsche Bundesanleihen. Der Euro fiel zwischenzeitlich auf 1,2623 Dollar, den niedrigsten Stand seit 16 Monaten.

          Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuvor gelassen auf die mögliche Herabstufung reagiert: „Wir haben uns ja in den letzten Monaten zunehmend weltweit darauf verständigt, wir sollten die Rating-Agenturen auch nicht überschätzen in ihren Beurteilungen“, sagte er dem Fernsehsender RTL am Rande einer Wahlkampfveranstaltung im schleswig-holsteinischen Henstedt-Ulzburg. Dass es eine große Verunsicherung bei den Finanzmärkten gegenüber der Eurozone insgesamt gebe, sei ja nicht neu. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich erst Samstag äußern.

          Auch die französische Budgetministerin Valérie Pécresse bemühte sich um beruhigende Worte. „Frankreich ist ein sicherer Wert, es kann seine Schulden zurückzahlen und das Defizit hat sich zuletzt besser entwickelt als erwartet“, sagte sie dem Fernsehsender BFMTV. Spitzenvertreter der französischen Regierung trafen sich am Abend zu Beratungen im Elyséepalast.

          Kursrutsch nach Gerüchten

          Investoren flüchteten sich am Freitag in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank riet allerdings, die Eurozone solle sich „nicht kirre machen lassen“. Eine Bonitätsabstufung hält er für „absolut ungerechtfertigt“. Die Europäische Zentralbank habe zuletzt entschlossen gehandelt und für eine Entspannung an den Märkten gesorgt. Auch führende Volkswirte reagierten gelassen.

          Nach der neuerlichen Herabsenkung zahlreicher Euro-Länder bleiben neben Deutschland nur noch die kleineren Staaten Niederlande, Finnland und Luxemburg mit einem sogenannten Triple-A-Rating übrig. Ein „AAA“ bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts faktisch ausgeschlossen wird. Investoren leihen den Ländern ihr Geld deshalb zu besonders günstigen Konditionen.

          Geschätzte Mehrkosten von zwei Milliarden Euro für Frankreich

          Die französische Opposition nutzte die Nachrichten 100 Tage vor den Präsidentschaftswahlen für heftige Kritik an Staatschef Sarkozy. „Letztendlich wird diese Präsidentschaft die des Verfalls von Frankreich sein, des finanziellen Verfalls, des sozialen Verfalls und des moralischen Verfalls“, sagte der sozialistische Senatsabgeordnete François Rebsamen der Nachrichtenagentur AFP.

          Nach Angaben aus dem französischen Wirtschaftsministerium dürfte die Herabstufung dem Land Mehrkosten von zwei Milliarden Euro pro Jahr bescheren. S&P hatte jüngst allerdings betont, dass es keine systematische Korrelation zwischen dem Rating eines Landes und den Zinsen gebe, die es an den Finanzmärkten zahlen müsse.

          In der Tat müssen die Vereinigten Staaten heute trotz des Verlusts ihrer eigenen Topbonität im Sommer eher geringere Zinsen berappen - was aber in erster Linie daran liegt, dass viele Investoren sich aus Europa zurückgezogen haben und einen sicheren Hafen für ihr Geld suchten.

          So sind die Euro-Länder jetzt bei S&P bewertet

          Eine Aufstellung der aktuellen und der bisherigen Bonitätsnoten:

           

          Land

          Neues Rating/Ausblick

          Altes Rating/Ausblick
          Belgien AA/negativ AA/watch negativ
          Deutschland AAA/stabil AAA/watch negativ
          Estland AA-/negativ AA-/watch negativ
          Finnland AAA/negativ AAA/watch negativ
          Frankreich AA+/negativ AAA/watch negativ
          Irland BBB+/negativ BBB+/watch negativ
          Italien BBB+/negativ A/watch negativ
          Luxemburg AAA/negativ AAA/watch negativ
          Malta A-/negativ A/watch negativ
          Niederlande AAA/negativ AAA/watch negativ
          Österreich AA+/negativ AAA/watch negativ
          Portugal BB/negativ BBB-/watch negativ
          Slowakei A/stabil A+/watch negativ
          Slowenien A+/negativ AA-/watch negativ
          Spanien A/negativ AA-/watch negativ
          Zypern BB+/negativ BBB/watch negativ

           

          * Ein negativer Ausblick bedeutet, dass das Rating des Landes auf dem Prüfstand steht und möglicherweise demnächst gesenkt wird.

          * Griechenland wird in der Aufstellung von S&P nicht erwähnt.
           

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

          Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

          Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

          Bundesliga im Liveticker : Dortmund dreht auf – Bayer wieder vorne

          Bis zur Pause hält Augsburg ein 1:1 in Dortmund – doch nach Wiederanpfiff ist die BVB-Offensive nicht mehr zu halten. Zwei Aufsteiger drohen hingegen mit einer Niederlage in die Saison zu starten. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
          Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

          Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

          Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.