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Rating : Massen-Herabstufung: S&P senkt Daumen für Hypothekenanleihen

  • Aktualisiert am

In der amerikanischen Immobilien-Kreditkrise haben Rating-Agenturen keine gute Figur gemacht Bild: AFP

In der Subprime-Krise waren die Rating-Agenturen unter Beschuss geraten. Sie hatten Anleihen sehr gute Bonitätsnoten erteilt, obwohl sich bereits ein Anstieg der Zahlungsausfälle abzeichnete. Jetzt reagieren die Unternehmen.

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          Die Agentur Standard & Poor's hat die Ratings für Hypothekenanleihen im Volumen von 23,4 Milliarden Dollar in der Subprime- und sogenannten Alt-A-Kategorie gesenkt. Bei der bisher schnellsten Massen-Herabstufung von Hypothekenanleihen sind erstmals auch in diesem Jahr begebene Papiere betroffen, die teilweise erst im Juni auf den Markt kamen. „Ich vermute, dass das nur eine erste Herabstufung ist“, sagt Joshua Rosner, geschäftsführender Direktor bei dem Analyseunternehmen Graham Fisher & Co. in New York.

          Von der Bonitätsherabstufung betroffen seien 1.713 Anleiheklassen, die in der ersten Jahreshälfte 2007 auf den Markt kamen, teilte die Ratingagentur mit. Einige der Anleihen hatten die Top-Bonitätsnote „AAA“. Verkauft wurden die Papiere unter anderem von Merrill Lynch, Goldman Sachs, Barclays, Bear Stearns und RBS Greenwich.

          Auch Papiere von 2007 betroffen

          Anleger hatten S&P und andere Ratingagenturen kritisiert, weil sie Anleihen sehr gute Bonitätsnoten erteilt hatten, obwohl sich bereits ein Anstieg der Zahlungsausfälle bei Subprime-Krediten abzeichnete. Subprime-Hypotheken werden an Schuldner mit geringer Bonität vergeben. Inzwischen haben die Ratingagenturen auf die Kritik der Anleger reagiert, indem sie ihre Kriterien für die Vergabe von erstklassigen Bonitätsnoten verschärft haben.

          Die Anwendung dieser neuen Kriterien sei die Basis für die Herabstufung der Hypothekenpapiere gewesen, erklärte Tom Warrack, Managing Director bei S&P. Die 2007 aufgelegten Anleihen haben zwar noch keine lange Zahlungshistorie, zeigen laut S&P aber bereits ähnliche Risiken wie die 2006 begebenen Papiere.

          Zuvor hatten schon Moody's und Fitch reagiert

          Vor zwei Tagen hatte S&P bereits die Ratings für Subprime-Anleihen im Volumen von 4,6 Milliarden Dollar gesenkt. Moody's Investors Service hatte in der vergangenen Woche Anleihen aus dem Jahr 2006 im Volumen von 33,4 Milliarden Dollar herabgestuft, und eine Woche zuvor hatte Fitch Ratings bei 18,4 Milliarden Dollar an Anleihen die Bonitätsnote reduziert.

          S&P überprüft nach eigenen Angaben 646 Anleiheklassen, die in der gleichen Periode auf den Markt kamen, und erwägt Herabstufungen. Bei Papieren im Volumen von 245,1 Milliarden Dollar beließen die Bonitätswächter das Rating unverändert. Derzeit überprüft S&P außerdem Collateralized Debt Obligations, die die herabgestuften Papiere enthalten. Die Ratingagentur will in den nächsten Tagen über eine Herabstufung der CDOs entscheiden.

          Probleme für den 80-Milliarden-Sanierungsfonds?

          Die Herabstufung könnte auch Probleme für den geplanten 80 Milliarden Dollar schweren Sanierungsfonds für sogenannte Structured Investment Vehicles (SIV) schaffen. Der von Citigroup, Bank of America und J.P. Morgan Chase & Co. angeregte Fonds unter der Bezeichnung „M-LEC“ soll den Zweckgesellschaften Investments abkaufen, die mit „AAA“ oder „AA“ benotet sind.

          Ansonsten müssen die SIVs möglicherweise Hypothekenanleihen und andere Papiere im Wert von 320 Milliarden Dollar auf den Markt werfen. „Das stellt das Konzept der höher bewerteten Anlagen, wie es der M-LEC verfolgt, definitiv in Frage“, erklärte Rosner. „Ich bin ziemlich sicher, dass es bei einem großen Teil dieser Papiere mehrere Herabstufungen geben wird.“

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