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Rating-Agenturen : Hohe Hürden für Newcomer in Europa

Die großen Namen dominieren weiterhin den Rating-Markt Bild: Picture-Alliance

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise wurde mit Nachdruck eine europäische Rating-Agentur gefordert - als Gegengewicht zu den dominierenden Amerikanern. Doch die gibt es nicht - denn die Hürden sind hoch.

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          Ruhig ist es geworden um das Thema einer europäischen Rating-Agentur, ja einer Rating-Agentur überhaupt, die mit den großen amerikanischen Platzhirschen Moody’s, Standard&Poor’s (S&P) und Fitch konkurrieren kann. Nach einigen Jahren Aufruhr ist alles wieder beim alten: Die Marktführer bestimmen weiter darüber, welche Anleihen als investmentwürdig oder als Ramsch angesehen werden, die anderen Agenturen tummeln sich in Nischen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So bewertet Creditreform in Deutschland weiter hauptsächlich Mittelständler, Scope hat sich auf europäische Banken kapriziert und die zypriotische Capital Intelligence ratet vor allem Banken aus Schwellenländern. Selbst die chinesische Dagong, die immerhin ähnlich viele Staaten bewertet wie die amerikanischen Agenturen, ist am Anleihenmarkt bisher nicht wirklich zum Zug gekommen.

          Nicht, dass sie es nicht versuchte. Schon im März 2012 gründete Dagong, seinerzeit noch gemeinsam mit dem Private-Equity-Fonds Mandarin, eine europäische Rating-Agentur: Dagong Europe. Im Juni 2013 erhielt das Unternehmen die Zulassung der europäischen Regulierungsbehörde ESMA. Doch verfolgt auch Dagong Europe bislang nur eine Nischenstrategie als Brücke zwischen China und Europa. „Wir wollen eine verlässliche Quelle sein, die europäische Anleihen mit chinesischen Augen betrachtet“, sagt Geschäftsführer Ulrich Bierbaum.

          Zu viele Ratings

          Wie viele Mitarbeiter von Dagong Europe kommt auch Bierbaum von einer der großen Rating-Agenturen. Acht Jahre hat er bei S&P verbracht, bevor er bei Dagong Europe anheuerte. „Unsere Ratings sollen dazu beitragen, europäische Entwicklungsinteressen von Unternehmen, Banken und Versicherern in Richtung China zu unterstützen.“ Der Name Dagong sei chinesischen Investoren vertraut. Insofern könnten die eigenen Ratings eine sinnvolle Ergänzung für europäische Emittenten sein, besonders wenn sie sogenannte Panda-Bonds begeben, also Anleihen in Renminbi, wie etwa Daimler im März des vergangenen Jahres.

          Den großen Drei Konkurrenz zu machen, scheint Bierbaum ein zu großes Ziel zu sein. „Es herrscht eine gewisse Rating-Müdigkeit“, konstatiert der Manager. „Große Emittenten haben jetzt schon bis zu vier Ratings. Positiv ist, dass die Emittenten deutlich kritischer geworden sind, welcher Rating-Anbieter im konkreten Fall Mehrwert bringt und da sind wir immer häufiger in der engsten Auswahl.“ Doch die „Rating-Müdigkeit“ ist es nicht alleine. Obwohl die EU-Kommission mehr Wettbewerb unter den Agenturen befürwortet, haben diese es in der Praxis schwer. Als Newcomer müssen sie sich beweisen und die Anforderungen der europäischen Bankenaufsicht EBA und der EZB sind hoch.

          EBA bei Ratings von Neulingen vorsichtig

          Die EBA verlangt eine hohe Zahl von Ratings in verschiedenen Qualitätsstufen und Wertpapierklassen, eine Anforderung, die zu erfüllen den großen Drei naturgemäß leichter fällt als neuen Agenturen. Das hat letztlich zur Folge, dass Banken für Wertpapiere, die von Dagong als erstklassig bewertet werden (Noten „AAA/AA“) ebenso viel Eigenkapital vorhalten müssen wie für Papiere, die von den großen Drei mit der niedrigeren Bonitätsnote „A“ beurteilt werden. Unter dem Strich ist für die Banken in der Regel ein Rating von S&P, Fitch oder Moody’s in dieser Kategorie billiger als von Dagong Europe.

          Die EBA bestreitet nicht, dass dies für die Agenturen von Nachteil ist. Doch die Sorge der Aufsicht gelte in allererster Linie der Kapitalisierung der Banken. Die Behandlung der Ratings sei weder eine Wertung noch ein Vergleichen derselben, so Pressesprecherin Franca Rosa Congiu. Bei Rating-Agenturen, die in einer bestimmten Ratingklasse nur eine begrenzte Anzahl von Betrachtungen nachweisen könnten, gebe es auch eine größere Unsicherheit. Wenn Rating-Agenturen einen ausreichend robusten Ansatz nicht statistisch dokumentieren könnten, so entspreche das Vorgehen der Grundidee, eine konservative Eigenkapitalausstattung zu gewährleisten.

          Man sei den kleineren Agenturen sogar insoweit entgegen gekommen, als man dieses Prinzip nur in der höchsten Rating-Kategorie anwende, wo die Auswirkungen auf die Kapitalisierung der Banken am stärksten sei. Den grundsätzlich hätte man so in allen Rating-Kategorien vorgehen müssen. Damit schaffe man einen Anreiz für die Agenturen, mehr Bonitätsbewertungen in höheren Kategorien abzugeben und das könnten ja auch unverlangte Bewertungen sein.

          Einen ähnlich schweren Stand haben kleinere und jüngere Agenturen bei der EZB. Diese nutzt etwa für die Beurteilung der Qualifikation von Wertpapieren für die Hinterlegung bei der Zentralbank auch Ratings, allerdings derzeit nur der großen Drei sowie der kanadischen DBRS. „Eine Reihe südeuropäischer Banken beispielsweise möchten lieber heute als morgen Kunden bei uns werden“, berichtet Bierbaum. „Aber das geht nicht, solange unsere Ratings nicht von der EZB anerkannt werden.“

          Die EZB will das nicht so stehen lasen. Die vier genutzten Agenturen wiesen nun einmal einen umfassenderen Track Record auf als Neulinge, so Pressesprecher William Lelieveldt. Zudem sei nicht in Stein gemeißelt, dass die EZB nur Ratings der vier betreffenden Agenturen nutze. Überdies habe sich auch die Notenbank in jüngster Zeit von der Verwendung von Ratings unabhängiger gemacht wie etwa im Ankaufprogramm für forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS).

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