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Rating-Agenturen : Der Markt kann sich nur langfristig ändern

Die drei Großen der Branche: Fitch, Standard & Poor's und Moody's Bild: dpa

Heftig sind die Attacken gegen die etablierten Rating-Agenturen wegen ihrer Ansichten über Südeuropas Krisenstaaten. Doch ändern lässt sich an dem Markt auf die Schnelle nichts - zumindest nicht zum Besseren.

          Zwischen der europäischen Politik und den großen privaten Rating-Agenturen bahnt sich ein Kräftemessen an. Immer vehementer werden die Angriffe gegen die Einschätzungen, die die Agenturen zu der Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit der kriselnden südeuropäischen Staaten geben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Agenturen verschärften wirtschaftliche Krisen durch sich selbst erfüllende Prophezeiungen, sagte der OECD-Ökonom Pier Carlo Padoan am Donnerstag in der italienischen Zeitung „La Stampa“. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, sagte im Deutschlandradio Kultur, die Agenturen hätten inzwischen eine politische Macht erlangt, die es ihnen „erlaubt, die Regierungen vor sich herzutreiben.

          Dämonisierung etablierter Strukturen

          Insgesamt wird damit der Eindruck erweckt, dass es sich bei den Agenturen um Gerichte handelte, deren Urteil bindend für die Kapitalmärkte sei und das im Ernstfall Tod und Verdammnis herauf beschwöre. Im Grunde ist dies eine Dämonisierung, die meist dann stattfindet, wenn von eigenem Verschulden abgelenkt werden soll.

          Nüchtern betrachtet, ist ein Rating eine Experten-Einschätzung zur relativen Ausfallwahrscheinlichkeit eines oder mehrerer Kredittitel. Dies machen sie nicht erst seit einigen Jahren. John Moody, der Gründer von Moody's publizierte seine erste Studie zur relativen Investmentqualität amerikanischer Eisenbahn-Aktien im Jahr 1909 und auch das Standard Statistic Bureau, einer der Vorläufer von Standard & Poor's veröffentlichte schon 1913 die ersten Berichte zu Anleihen. 1915 erschien das „Fitch Bonds Book“, seit 1924 benutzt die Agentur, die heutige Skala der Bewertungen von „AAA“ bis „D“. John Moody begann schon 1909 auf eine die von anderen Kreditanalysehäusern verwendete Skala zurückzugreifen.

          Staatsanleihen schon in den zwanziger Jahren bewertet

          Auch öffentlicher Schuldverschreibungen analysieren die Agenturen schon lange. 1922 begannen Poor's Publishing und Standard Statistics mit der Bewertung amerikanischer Kommunalanleihen, schon 1924 deckten Moody's Analysen fast den gesamten Anleihenmarkt der Vereinigten Staaten ab.

          Die Bewertung von Staatsanleihen nahm Moody's schon 1919 auf. Zehn Jahre später bewertete die Agentur 50 Staaten. Doch mit dem Zusammenbruch des internationalen Anleihenmarktes in der Weltwirtschaftskrise bestand bis in die siebziger Jahre kaum Bedarf für derartige Analysen. Noch Mitte der achtziger Jahre war die Schuldnerstruktur so beschaffen, dass die meisten Ratings auf „AAA“ lauteten. Erst in den neunziger Jahren änderte sich das im Zuge der Belebung des internationalen Anleihenmarktes.

          Dabei dürften auch die 26 Zahlungsausfälle der Achtziger Jahre eine Rolle gespielt haben, wenngleich dabei nur eine einzige an den Kapitalmärkten gehandelte Anleihe ausfiel, namentlich aus Zimbabwe. Alles andere waren Bankschulden und öffentliche Kredite. Dies wird nicht zuletzt der ausschlaggebende Grund sein, warum Banken und Regierungen ein großes Interesse hatten, öffentliche Schulden an den Kapitalmärkten zu plazieren und so ihre Risiken zu verringern.

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