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Rating-Agenturen : Der Markt kann sich nur langfristig ändern

Unabhängige Risikoeinschätzung für Risikostreuung nötig

Doch um Zugang zu den Kapitalmärkten zu erhalten, brauchten die Emittenten eine Einschätzung der Risiken ihrer Schuldverschreibungen, so wie es die Anleiheinvestoren nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert gewohnt waren. Die Tatsache, dass die einzigen Unternehmen, die dazu in der Lage waren, in Amerika ansässig waren, hat etwas mit der Staats- und Unternehmensfinanzierung in Europa und anderswo auf der Welt zu tun: Die Kapitalmärkte in diesen Regionen waren schlicht unterentwickelt.

Im Grunde tun die Rating-Agenturen nicht viel anderes, als Aktienanalysten: Sie bewerten die Chancen und Risiken eines Investments. Der große Unterschied liegt in der historisch entwickelten Marktstruktur. Während der Markt für Anleihen-Ratings aufgrund einer oligopolistischen Struktur klar überschaubar ist, ist der für Aktien-Analysen zersplittert. Das ist just, was den Werte einer Aktien-Analyse so sehr mindert und den eines Anleihen-Ratings aufwertet.

Europäische Rating-Agenturen existieren längst

Wenn daher eine europäische Rating-Agentur gefordert wird, so ist diese Forderung zunächst einmal sinnvoll und berechtigt. Aber es gibt diese Konkurrenz schon längst. Mehr als 70 Rating-Agenturen existieren weltweit.

Schon vor elf Jahren wurde die Creditreform Rating gegründete, die italienische Agentur Lince existiert seit 1992, die zypriotische CI seit 1985. Doch diese Agenturen bearbeiten bis heute Marktnischen, selbst wenn sich EU-weit rund 20 eine Zulassung als Rating-Agentur beantragt oder erhalten haben.

Staatlich geförderte Rating-Agenturen haben ein Glaubwürdigkeitsproblem

Das wichtigste an einem Rating ist, dass es nach dem Urteil der Investoren, die dieses als Filter bei der Titel-Auswahl benutzen, glaubwürdig ist. Diese Glaubwürdigkeit wird nur dann erreicht, wenn sich die Einschätzungen als zutreffend erweisen. Dies ist eine Anforderung, der keine der existierenden europäischen Agenturen, aber auch keine neu zu gründende gerecht werden kann, da ihnen Marktbreite und Geschichte fehlen. Ihre Reputation haben sie in Marktnischen und dort werden sie auch gehört.

Eine mit staatlicher Unterstützung, am Ende noch öffentliche europäische Rating-Agentur sähe sich an den Kapitalmärkten von Anfang an dem Misstrauen ausgesetzt, dass sie im Fall der Schuldenkrise politisch motivierte Bonitätsnoten vergibt. Würde diese Agentur beispielsweise den Emittenten Griechenland nun mit „BBB-“ und damit 8 Stufen besser als S&P bzw. 7 Stufen besser als Moody's bewerten, wäre dieses Urteil sofort unglaubwürdig und die Agentur erledigt, bevor sie ihre Arbeit aufgenommen hätte. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die japanische Agentur R&I und die chinesische Agentur Dagong die Lage Griechenlands ähnlich schlecht einschätzen. Besser sind lediglich die Noten der zypriotischen CI - und der amerikanischen Fitch („B+/B“).

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