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Ranking : Anleihen schlagen Aktien

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

„Langfristig führt nichts an Aktien vorbei, denn sie bieten Anlegern die höchste Rendite“ - dieser Gemeinplatz wurde in den vergangenen zehn Jahren zumindest im Durchschnitt widerlegt. Dagegen war und ist die Wahl von Einzelaktien lukrativ.

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          Das Geschäft mit der Geldanlage wird von vielen Schlagworten und Sprüchen geprägt. „Langfristig führt nichts an Aktien vorbei, denn sie bieten Anlegern die höchste Rendite,“ lautet einer der bekanntesten. Stellt man ihn allerdings auf den Prüfstand der Realität, so wird er rasch widerlegt.

          Denn zumindest in den vergangenen zehn Jahren konnten Anleger mit gut gewählten Anleihen deutlich mehr Geld bei geringerem Risiko verdienen, als im Durchschnitt mit Aktien. Mit dem Kauf von deutschen Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren und mehr ließ sich in zehn Jahren ein Gesamtertrag von 120 Prozent oder von 7,4 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Mit kanadischen Papieren hätte sich aufgrund des Währungsvorteils sogar eine Jahresrendite von knapp neun Prozent erzielen lassen.

          Performance des Dax bleibt hinter Staatsanleihen zurück

          Mit dem Kauf der Daxwerte, eines Dax-Indexfonds oder eines DaxZertifikates ließ sich im Durchschnitt gerade einmal ein Gesamtertrag von knapp zehn Prozent oder von knapp einem Prozent pro Jahr erzielen. Dabei war nicht nur die Volatilität deutlich höher als bei Anleihen, sondern die erzielbare Rendite wurde auch noch durch die anfallenden Gebühren für die Fondsgesellschaften und das Emittentenrisiko der Zertifikateanbieter belastet beziehungsweise relativiert.

          Angesichts der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung, beträchtlicher industrieller Überkapazitäten weltweit und einer bisher moderaten Inflationsentwicklung in den Industriestaaten scheint die Fortsetzung der inzwischen schon etwa 30 Jahre dauernden Rentenmarktrally nicht ausgeschlossen zu sein. Sollten sich in Europa und den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren japanische Verhältnisse einstellen, könnten die Renditen amerikanischer und europäischer Staatsanleihen noch weiter fallen. Immerhin liegen sie am langen Ende des Laufzeitspektrums noch mehr als doppelt so hoch wie in Japan.

          Gerade die angelsächsischen Staaten haben in den vergangenen Jahrzehnten von einem Konsum- und Investitionsboom auf Pump profitiert, der sich aufgrund der inzwischen erreichten hohen Verschuldung von Unternehmen, Privathaushalten, der Gebietskörperschaften und der Staaten nicht mehr wiederholen lässt. Viele von ihnen müssen künftig ihre Gürtel enger schnallen. Genau das dämpft das wirtschaftliche Wachstumspotenzial und unter normalen Umständen auch den Kursauftrieb an den Börsen.

          Auswahl von Einzelaktien interessant und lukrativ

          Sollten Regierungen und Zentralbanken jedoch zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen und beispielsweise das Liquiditätsangebot deutlich erhöhen, wäre ein inflationärer Preisauftrieb an den Vermögensgütermärkten denkbar. Selbst wenn er ausbleiben sollte, bliebe Anlegern der Ausweg zu gut gewählten Einzelaktien. Denn gut geführte und gut positionierte Unternehmen entwickeln sich selbst in schwierigen Umfeldern vergleichsweise robust und werfen interessante Gesamterträge ab.

          Die Aktie von BASF beispielsweise brachte ihren Aktionären in den vergangenen 20 Jahren im Durchschnitt jährlich eine Rendite von 17 Prozent, die sich aus Kursgewinnen und Dividenden zusammensetzte. Angesichts dieser Historie ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Unternehmen dazu auch in Zukunft in der Lage sein wird. Jahresrenditen zwischen zehn und 15 Prozent brachten in diesem Zeitraum beispielsweise auch Aktien von Richemont, Roche, Nestle, Novartis, Bayer, der irischen Kerry Group und nicht zuletzt auch von McDonald's ein.

          Diese subjektive Auswahl zeigt, dass der Kauf und das Halten gut gewählter Einzelaktien sehr lukrativ sein kann. Im Unterschied zu vielen anderen Anlageformen werfen viele solcher Papiere regelmäßige Einkünfte ab und stellen Anteile an realen Unternehmen dar.

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