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Quartalsrückblick : Anleihen sind bisher überraschend auch 2003 gefragt

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An den Finanzmärkten kommt es oft anders als man denkt. Das beweist die Bilanz der Rentenmärkte im ersten Quartal. Statt der prognostizierten Verluste verbuchten die Anleger hier mit Ausnahme von Japan Kursgewinne.

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          Amerikanische- und europäische Staatsanleihen haben im ersten Quartal 2003 eine Rally hingelegt. Konjunktursorgen und der starke Euro beflügelten die Kurse der Staatspapiere, auch Bonds genannt. Hingegen lieferten japanische Staatsanleihen Verluste ab. Der Konjunkturaufschwung in Japan machte für die Anleger risikoreichere Investments wie Aktien interessanter.

          Für die Investoren kamen die Kursgewinne am amerikanischen und europäischen Bondmarkt überraschend. Viele hatten auf eine weltweite Konjunkturerholung gesetzt und fallende Kurse am Anleihemarkt erwartet. Die zehnjährige amerikanische Staatsanleihe verzeichnete den größten Quartalsgewinn seit 2002, nachdem sich bei den Investoren die Erwartung durchsetzte, daß die Federal Reserve die Zinsen in diesem Jahr noch nicht erhöhen wird.

          Kursgewinne statt der erwarteten Verluste

          Die Sorge, daß der starke Euro die Konjunkturerholung im Euroraum abbremsen könnte, bescherte den europäischen Staatspapieren im Zehnjahresbereich den ersten Kursgewinn seit drei Quartalen. Das heizte auch Spekulationen an, die Europäische Zentralbank werde den Leitzins von derzeit zwei Prozent senken. „Weltweit war es ein Super-Quartal für Bonds," sagt Sudesh Mariappa, Leiter Portfolio-Strategie bei Pacific Investment Management Co. (Pimco) in Newport Beach.

          Viele Investoren hatten dies indes nicht erwartet. Anfang des Jahres prognostizierte in einer Umfrage von Bloomberg News nur einer von 55 Ökonomen - Neal Soss von Credit Suisse First Boston -, die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen, auch Treasuries genannt, werde unter vier Prozent sinken. Am Quartalsende stand sie bei 3,84 Prozent, nach 4,25 Prozent Ende 2003. „"Viele Leute hatten Anfang des Jahres voll auf steigende Zinsen gesetzt. Ihrer Meinung nach konnte der Markt nicht nach unten gehen," weil es kaum noch Investoren gab, die verkaufen wollten, erläutert Soss. Er rechnet nun damit, daß sich die Rendite in Amerika im Zehnjahresbereich bis Dezember zwischen 3,5 und vier Prozent bewegen wird.

          Nach einem Index der European Federation of Financial Analyst Societies brachten amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von über zehn Jahren einen Ertrag einschließlich Zinsen und Kursgewinne von 4,7 Prozent ein. Nur schwedische Staatsanleihen schnitten in dem Laufzeitenbereich besser ab, in lokaler Währung kamen sie auf plus 5,1 Prozent. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen fuhren einen Ertrag von 3,8 Prozent ein. Der J.P. Morgan Emerging Markets Bond Index Plus verzeichnete ein Plus von 3,03 Prozent im ersten Quartal.

          Mögliche EZB-Zinssenkung stützt die europäischen Anleihen

          Hingegen büßten japanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von über zehn Jahren 0,6 Prozent ein. Sie fuhren damit nach südafrikanischen Papieren die zweitschlechteste Performance unter den 154 Indizes der European Federation ein. Die Rendite zehnjähriger Anleihen ist von 1,22 Prozent Ende 2003 auf 1,435 Prozent Ende des ersten Quartals gestiegen. Die japanische Wirtschaft wies im letzten Quartal 2003 das stärkste Wachstum seit 1990 auf. Der Nikkei-225-Index zog in den ersten drei Monaten dieses Jahres 9,7 Prozent an.

          Europäische Staatsanleihen dürften im Jahresverlauf andere Staatspapiere abhängen, weil die EZB weiterhin Zinssenkungsspielraum hat, argumentieren Investoren. „In Amerika und Japan gab es eine ganze Reihe von Impulsen. Hingegen hat Europa immer noch zu kämpfen," berichtet Mariapa. „Unserer Meinung nach sind die Wachstumsperspektiven in Europa immer noch dürftig." So erwartet McHenry, daß die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von derzeit 3,93 Prozent in den nächsten sechs Monaten 50 Basispunkte sinken dürfte. Der Risikoaufschlag gegenüber amerikanischen Treasuries liegt zurzeit bei neun Basispunkten.

          Geschehen am amerikanischen Anleihemarkt vom Arbeitsmarkt diktiert

          Am amerikanischen Bondmarkt war indes die Beschäftigung das Hauptthema. Die Wirtschaft schuf in den ersten zwei Monaten nur 118.000 neue Arbeitsplätze und damit weniger als erwartet. Außerdem haben die Investoren „ihre Erwartungen zurückgeschraubt, wann die Fed die Zinsschraube wieder anzieht," berichtet Robert McHenry, Fondsmanager bei Hartford Investment Management Co. in Hartford, Connecticut.

          Die Zinsterminkontrakte signalisieren, daß Investoren nun damit rechnen, daß die amerikanische Notenbank bis 2005 den Leitzins bei einem Prozent belassen wird. Des weiteren profitierten die amerikanischen Treasuries von den Devisenmarktinterventionen der japanischen Notenbank. Die japanischen Währungshüter haben einen Teil der Yen- Verkäufe in amerikanische Staatsanleihen investiert.

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