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Carsten Rodbertus : Der Kämpfer von Prokon

Carsten Rodbertus Bild: dpa

Die Insolvenz des Windenergie-Unternehmens Prokon war eine Niederlage für Gründer Carsten Rodbertus. Doch den Kampf gibt er nicht auf.

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          Carsten Rodbertus kämpft weiter. Der ehemalige Chef des Energieunternehmens Prokon hat das schon immer getan: gegen die Banken, die Medien oder angeblich hysterieverbreitende Anleger. Vor fast 19 Jahren hatte er das Unternehmen gegründet und seine Unabhängigkeit mit Zähnen und Klauen verteidigt. Geld holte er nur ungern von Banken, viel lieber von Kleinanlegern, denen er bis zu 8 Prozent Zinsen dafür zahlte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dafür gab er ihnen Genussrechte, bei denen die Inhaber kein Mitbestimmungsrecht haben. Im Gegenzug versprach Rodbertus mitunter, dass die Anleger das Geld binnen vier Wochen einfordern könnten. 75.000 Anleger ließen sich locken und gaben Rodbertus 1,4 Milliarden Euro: vorwiegend für Windparks, aber auch für eine Bio-Ölmühle und schließlich für rumänische Wälder. Doch im Januar 2014 rutschte Prokon in die Insolvenz, als zu viele Genussrechtsinhaber vom Kündigungsrecht Gebrauch machten und das Unternehmen nicht zahlen konnte.

          Der Bock als Gärtner

          Aber Rodbertus wäre nicht Rodbertus, ließe er sich von deiner Insolvenz aufhalten. Er will zurück ans Steuer und sich auf der bevorstehenden Gläubigerversammlung zum Interessenvertreter der Genussschein-Inhaber wählen lassen. Über seine „Prokon für eine lebenswerte Zukunft AG“ ließ er zuletzt eine „ganze Armada von Helfern“ die Anleger abtelefonieren, so die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Sie sollen den Ex-Chef bei der Gläubigerversammlung am 22. Juli demnach als ihren Vertreter bevollmächtigen. „Auf diese Art will der Bock sich selbst zum Gärtner machen“, warnte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Erst habe Rodbertus das Unternehmen in die Insolvenz geführt, nun wolle er Interessenvertreter der Anleger werden. „Das ist absurd.“

          Rodbertus selbst sieht sich dagegen offenbar als Mann, der von der Finanzindustrie um sein Lebenswerk gebracht wird. Tatsächlich aber ist er zumindest umstritten. Mit kurzfristigem Geld hatte er langfristige Investitionen finanziert. Für vorsichtige Kaufleute ist das ein Desaster mit Ansage. 25 bis 30 Jahre dauert es, bis ein Windpark sich richtig bezahlt macht, vier Wochen steht das Geld im Ernstfall nur zur Verfügung. Ein Damoklesschwert - und der Faden, an dem es hing, riss schließlich.

          Was hatte Rodbertus dazu gebracht? War es der Wunsch nach einem alternativen, unabhängigen Unternehmen und  einer besseren Zukunft jenseits fossiler Energie und Bankkrediten? War es schlicht Mangel an Kompetenz? Oder bewusste Täuschung? Die Wahrheit dürfte wohl irgendwo innerhalb dieses Dreiecks zu verorten sein.

          Ein Kämpfer, kein Kommunikator

          Genau wird man es nie wissen. Denn Kommunikation war bis dato trotz vollmundiger Slogans wie „Wir haben Lust auf eine lebenswerte Zukunft“ oder „Es ist Zeit, etwas zu verändern“ nicht die Sache des Kämpfers. Was bei Prokon ablief, erfuhr kein Außenstehende. Geschäftszahlen gab es unregelmäßig und unvollständig, so dass diesen wenig zu entnehmen war. Kritiker wurden verbal angegriffen, der Kontakt mit den Medien eingestellt, als diese zu kritisch wurden. Unangemessen kritisch, wie Rodbertus fand.

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