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Prognose 2009 : Die Zinsen werden wohl wieder steigen

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Abwarten, wohin die Zinsen laufen: Finanzminister Peer Steinbrück muss sich darauf einstellen, dass die Verzinsung von Bundesanleihen 2009 wieder steigt Bild: dpa

Die Krise hat auch eine gute Seite: Die Zinsen in Deutschland sind extrem niedrig. Davon profitiert der Bund, das kommt aber auch Bauherren und Autokäufern zugute. Nicht mehr lange, sagen viele Analysten voraus. Sie warnen vor einem Anstieg der Zinsen, der Anleihekäufern Verluste brächte.

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          Der deutsche Staat gibt das Geld derzeit mit vollen Händen aus. Allein für das bevorstehende Konjunkturpaket sind Ausgaben von bis zu 50 Milliarden Euro im Gespräch. Für Steuerzahler, denen vor solchen Summen gruselt, gibt es einen schwachen Trost: Die Finanzkrise hat zu einer Flucht in sichere Anlagen geführt, weshalb der Bund sich zu Vorzugszinsen verschulden kann.

          Es ist gerade erst ein halbes Jahr her, als sich alle Welt noch vor einer Inflation fürchtete und die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen auf knapp 4,7 Prozent stieg. Heute müssen sich die Anleger mit Zinsen von rund 3 Prozent begnügen.

          Nach Einschätzung vieler Bankenanalysten wird dieser Wert in den kommenden Monaten zunächst stagnieren und in der zweiten Jahreshälfte spürbar steigen. Im Durchschnitt sagen die von dieser Zeitung befragten Banken einen Anstieg der Anlagerendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3,4 Prozent voraus.

          Kursverluste zu befürchten

          Für Anleger und Schuldner ist die Zinsentwicklung eine zentrale Größe. Anleiheinhaber müssen bei steigenden Zinsen mit Kursverlusten rechnen, von weiter sinkenden Zinsen profitieren sie dagegen. Schuldner kommen wiederum gerade jetzt in den Genuss günstiger Bedingungen, sofern sie von den Banken Kredit erhalten. Sie erhalten zwar nicht annähernd so günstige Konditionen wie der deutsche Staat, der in der Krise als Hort der Sicherheit gilt. Aber immerhin hat die geringere Verzinsung der Staatsanleihen zu einer Entspannung geführt.

          Damit könnte es bald vorbei sein, glauben die Analysten der HSH Nordbank. Sie sagen einen Anstieg der Langfristzinsen im Euro-Raum auf 4,2 Prozent voraus. Noch vor wenigen Wochen lag die Prognose der Unicredit in einer ähnlichen Größenordnung. Doch wegen der freigiebigen Geld- und Zinspolitik aller großen Notenbanken habe man umdenken müssen, sagt Unicredit-Zinsstratege Kornelius Purps. Seine Bank prognostiziert nun für das Jahresende 2009 eine Langfristrendite von nur noch 2,6 Prozent.

          Marktteilnehmer extrem verunsichert

          Die extreme Spanne macht deutlich, wie verunsichert die Marktteilnehmer sind. Einerseits hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine schwere Rezession und stark rückläufige Teuerungsraten bevorstehen. Gerade ist die Inflationsrate im Euro-Raum auf 1,6 Prozent gesunken. Viele Beobachter halten für möglich, dass in einigen Monaten negative Werte gemeldet werden. Andererseits könnte die lockere Zinspolitik aller wichtigen Notenbanken mittelfristig auch in einem scharfen Anstieg der Inflationsraten münden.

          Die japanische, die amerikanische und die schweizerische Notenbank halten ihre Leitzinsen schon nahe Null. Die Briten gehen in raschem Tempo in die gleiche Richtung, und auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) werden weitere Zinssenkungen erwartet. Obendrein betreibt die amerikanische Notenbank im großen Still die „quantitative Lockerung“. Früher hätte man gesagt, sie druckt Geld.

          Für Inhaber von lang laufenden Anleihen ist Inflation ein großes Risiko. Sie können ihre Titel zwar bis zur Fälligkeit halten, dann zehrt aber die Teuerung die Kaufkraft ihres Vermögens auf. Ein Verkauf ist möglich, wenn Inflation jedoch wieder ein Thema geworden ist und die Renditen der Anleihen steigen, ist das nur mit hohen Kursverlusten möglich. „Inflation ist aber erst das Thema von übermorgen“, sagt Purps. Noch sei der Kauf von lang laufenden Staatsanleihen sinnvoll.

          Große Spanne für amerikanische Anleihen

          Besonders groß ist die Spanne der Prognosen für amerikanische Staatsanleihen. Sie reicht für zehnjährige Titel von 2 Prozent bis 5,3 Prozent. Auch hier verunsichert die Strategen - noch mehr als für den Euro-Raum - die Frage, ob die deflatorische Wirkung der Rezession überwiegen wird oder ob die riesige Geldschöpfung der Fed schon bald zu Inflation führt.

          Vor einer unmittelbar bevorstehenden Inflationswelle müsse sich niemand fürchten, glaubt Eugen Keller, Rentenexperte der Privatbank Metzler. Viele Branchen würden erst jetzt von der Finanzkrise erfasst. Der schwache amerikanische Arbeitsmarkt werde das Preisniveau weiterhin drücken und in diesem Jahr zu einem Rückgang (Deflation) um ein Prozent führen.

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